Schlimmste Tornados seit Jahrzehnten

Wirbelstürme in Amerika: 55 Tote

07. Februar 2008 Nach verheerenden Winter-Tornados in den Vereinigten Staaten mit mindestens 55 Toten und Hunderten Verletzten geht die Suche nach Opfern weiter. Präsident George W. Bush sprach der betroffenen Region im Süden die Hilfe der Bundesregierung zu. „Die Menschen in diesen Staaten sollen wissen, dass das amerikanische Volk zu ihnen steht“, erklärte der Staatschef. Mannschaften der Katastrophenschutzbehörde FEMA wurden in die Region entsandt und in Georgia ein Notfallzentrum eingerichtet.

Wohnwagen flogen durch die Luft

Die Wirbelstürme sind die schlimmsten in den Vereinigten Staaten seit 23 Jahren. Betroffen sind Mississippi, Arkansas, Tennessee, Kentucky und Alabama. Die Unwetter deckten Häuser ab, entwurzelten Bäume, ließen Strommasten umkippen und brachten ein Einkaufszentrum teilweise zum Einsturz. Die Wucht der Tornados war so gewaltig, dass ganze Straßenzüge dem Erdboden gleichgemacht wurden und Wohnwagen durch die Luft flogen.

Allein im Staat Tennessee kamen mindestens 31 Menschen ums Leben, wie die Behörden mitteilten. Arkansas meldete mindestens 13 Todesopfer, Kentucky sieben, Alabama vier. Die Winterstürme waren vermutlich auch der Auslöser für eine Explosion mit Großbrand in einem Gaswerk in Tennessee.

„Da war mal ein Haus“

Unter den Toten in Arkansas waren ein Ehepaar und seine elfjährige Tochter aus der 3.000-Seelen-Gemeinde Atkins, rund 100 Kilometer nordwestlich von Little Rock. Ein Tornado traf direkt auf das Wohnhaus der Familie. „Nachbarn und Freunde, die dort waren, sagten 'Da war mal ein Haus'“, erklärte ein Polizeisprecher. Das Rote Kreuz funktionierte ein Wahllokal für den „Super Tuesday“ zur Notstation für die Behandlung Verletzter um. Die Präsidentschaftsbewerber der Demokraten und Republikaner unterbrachen vielerorts ihre Wahlreden, um ihr Mitgefühl für die Opfer zu bekunden.

In Memphis brachten heftige Windböen Teile eines Einkaufszentrums zum Einsturz. In der Nähe suchten mehrere Menschen Schutz unter einer Brücke und wurden von einem Fluss fortgerissen. Sie konnten nach Polizeiangaben aber nahezu unverletzt geborgen werden. Schäden gab es auch in zwei Wohnheimen der Union University in Jackson. Acht Studenten waren stundenlang unter den Trümmern gefangen und erlitten leichte Verletzungen. Insgesamt mussten 51 Studenten zeitweise ins Krankenhaus gebracht werden. In Mississippi deckte der Sturm nach Polizeiangaben Häuser ab, einige Lagerhäuser wurden fast zerstört. Es gab Stromausfälle und viele Straßen waren kaum mehr zu befahren.

Sturmfront verliert an Kraft

Bei dem Brand in dem Gaswerk rund 60 Kilometer nordöstlich von Nashville breitete sich das Feuer schnell auf umliegende Wohnhäuser aus. „Es war wie eine Explosion. Es sah so aus, als würde die ganze Stadt brennen“, sagte Ashley Beff, die rund acht Kilometer vom Gaswerk entfernt wohnt. Bis zum Mittwochmorgen (Ortszeit) hatte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle. Die Sturmfront zog am Mittwoch weiter nach Alabama, wo sie an Kraft verlor, aber heftige Regenfälle mit sich brachte.

Tornados treten in den Vereinigten Staaten meist zwischen dem Ende des Winter und dem Sommer auf, können aber bei den entsprechenden Bedingungen das ganze Jahr für Zerstörungen sorgen. Experten vermuten, dass die Stürme auf das Wetterphänomen La Niña zurückgehen. Diese Abkühlung des Pazifischen Ozeans kann das Wetter in der ganzen Welt beeinflussen.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, AP/Hilly Schiffer, dpa

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