Erdbeben in China

„Die Helfer tun wirklich viel“

15. Mai 2008 Wolfgang Riedl ist 28 Jahre alt, studiert Rechtswissenschaften und Sinologie in Wien und ist seit Anfang Februar zu einem privaten Aufenthalt in der Provinz Sichuan. Mit ihm sprach Christina Hucklenbroich.

Herr Riedl, was haben Sie erlebt, als am Montag die Erde bebte?

Ich war in meiner Wohnung in Xingdu, einem Vorort, der etwa 15 Kilometer nordöstlich von Chengdu liegt, auf der vom Epizentrum abgewandten Seite. Die Wohnung ist im sechsten Stock eines siebenstöckigen Hauses, eines Altbaus, etwa 20 Jahre alt. Das Beben begann um 14.28 Uhr und war ungewöhnlich lang, etwa zwei Minuten. Das Haus hat gewackelt. In China sind Schutzmauern um die Häuser gebaut. Eine davon ist eingestürzt. Der Putz ist von der Wand gefallen, aber sonst gab es keine größeren Schäden.

Wie haben Sie sich verhalten?

Ich habe sofort das Haus verlassen. Draußen hatten sich auch alle Nachbarn eingefunden. Die Leute waren betroffen, aber gefasst. Es brach keine Panik aus. Auch der Straßenverkehr blieb ruhig. Wir gingen in einen großen Park. Dort waren bereits sehr viele Menschen versammelt. Im chinesischen Radio kamen bald die ersten Nachrichten, etwa nach einer Stunde. Die Leute wurden vor Nachbeben gewarnt, damit sie aus den Häusern herausblieben. Ich habe mich dann dazu entschieden, in ein Hotel nach Chengdu zu fahren, um in Sicherheit vor Nachbeben zu sein. Auf dem Weg dorthin habe ich gesehen, dass die Leute Tische und Sessel vor ihre Häuser gestellt hatten, um auf der Straße abzuwarten.

Drei Tage nach dem Beben schwinden die Überlebenschancen Peking verstärkt die Hilfe für Sichuan Ein Stadion in Mianyang dient als Notunterkunft In Yinghua sind Häuser zusammengefallen wie ein Kartenhaus Nach dem Beben droht Seuchengefahr Diese Mutter (vorn rechts) vermisst noch ihren Sohn

Waren Sie in Chengdu besser geschützt, als die Nachbeben kamen?

Das Hotel wurde am Dienstag zweimal evakuiert. Die Gäste fanden sich auf einem Fußballfeld gegenüber ein. Dort zelteten bereits mehrere Leute. Danach wurde uns gesagt, dass wir uns lieber nur in der Lobby oder auf dem Fußballfeld aufhalten sollten. Gegen 19, 20 Uhr kam die Nachricht, dass weitere Nachbeben nicht stärker sein würden als Stärke 5.

Wie sehen die Hilfsmaßnahmen für die viel schwerer betroffenen Gegenden aus?

Hebekräne, Rotkreuzautos und Tankwagen verlassen die Stadt. An den Universitäten wird zu Blutspenden aufgerufen. Insgesamt kann ich sagen: Was in den Nachrichten als Hilfe angekündigt wird, das passiert dann auch.

Was erfahren Sie aus dem Katastrophengebiet?

Die Zahl der Toten wird stündlich korrigiert. Schon unter normalen Bedingungen ist es schwierig, in die Bergregion zu kommen, die vom Beben getroffen wurde. Trotzdem hat man jetzt den Eindruck, dass die Helfer viel tun, dass wirklich etwas passiert. Es gibt Live-Schaltungen aus den zerstörten Gebieten im Fernsehen. Es ist mir wichtig zu sagen, dass die Situation wirklich offen gehandhabt wird und der Informationsfluss gut ist.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, dpa, REUTERS

Hochschulanzeiger Spezial: Alles über Praktika
Wie Sie Ausbeuter erkennen und Karrierechancen nutzen
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche