Waldbrände

Spanien bittet EU um Hilfe beim Kampf gegen „Feuerterroristen“

Der Sommer 2006 in Galicien ist feuerrot

Der Sommer 2006 in Galicien ist feuerrot

09. August 2006 Die starken Waldbrände, die seit Freitag vergangener Woche große Teile der nordwestspanischen Region Galicien und Nordportugals heimsuchten sind noch immer nicht unter Kontrolle gebracht. Zahlreiche Brände wurden offenbar gelegt. Das Ausmaß der Feuer ist so groß, daß Spanien die Europäische Union um Hilfe bei der Brandbekämpfung bat. Unterdessen verlassen Touristen in großer Zahl die betroffenen Regionen.

Die spanische Umweltministerin Cristina Narbona sprach von „Feuerterroristen“. Sie äußerte den Verdacht, unter den Brandstiftern könnten sich auch Menschen befinden, die in diesem Jahr nicht zur Mitarbeit in den Löschbrigaden herangezogen worden seien und auf diese Weise Vergeltung übten. Auch von Nachbarschaftsstreitigkeiten, Betrug und Immobilienspekulation ist die Rede. Erst in der laufenden Legislaturperiode wurde in Spanien ein Gesetz verabschiedet, das die urbanistische Nutzung vernichteten Waldbodens dreißig Jahre lang untersagt.

Tausend mußten Wohnungen verlassen

Zwei von fünf festgenommenen Verdächtigen machten am Mittwoch erste Aussagen vor dem Richter. Ministerpräsident Zapatero hat seinen Urlaub unterbrochen und sich in Galicien ein Bild von der Lage verschafft. Die Regierung in Madrid forderte bei der EU am Mittwoch drei Löschflugzeuge sowie fünf Hubschrauber und 20 Feuerwehrfahrzeuge an. Die Europäische Kommission bestätigte, daß ein entsprechendes Hilfsersuchen der spanischen Regierung in Brüssel eingegangen sein.

Die größte Zerstörungskraft entfaltet sich in der Provinz Pontevedra, wo am Mittwoch fast 60 Feuer gezählt wurden, von denen kaum die Hälfte unter Kontrolle gebracht ist. Insgesamt ist in Galicien von mehr als achtzig sich ausbreitenden und fünfzig „kontrollierten“ Feuern die Rede. Zu den bislang drei Toten kommen zahlreiche Verletzte und Tausende aus ihren Häusern in Sicherheit gebrachte Bewohner. Die spanischen Streitkräfte, die mit 1200 Mann im Einsatz sind, lassen im Katastrophengebiet 190 Einheiten von je vier Mann patrouillieren, um Brandstiftern das Handwerk zu legen. In Pontevedra, Vigo und Santiago de Compostela hat sich das Feuer bis auf wenige Kilometer an die Stadtgrenze herangefressen. Die Menschen gehen mit Eimern und Wasserschläuchen gegen die Flammen vor, und viele Bewohner haben ihre Häuser erst zurückgelassen, wenn die Hitze ihre Gartenmauer erreichte.

Feriengäste zur Abreise aufgefordert

Touristen kehren der Brandregion inzwischen den Rücken - so auch dem Ferienort Muros. In der Kleinstadt gebe es keine Touristen mehr, teilte Bürgermeisterin Caridad González Cerdiña am Mittwoch mit. Eine Deutsche, die eine Pension in dem Ort besitzt, forderte ihre Gäste selbst zur Abreise auf.

„Hier kann man nicht atmen. Es ist gefährlich“, sagte die Frau der spanischen Nachrichtenagentur EFE. Nun sage sie telefonisch allen Urlaubern ab, die Zimmer reserviert hätten. Ein Landsmann, der im benachbarten Louro einen Campingplatz betreibt, bewegte seine Gäste ebenfalls zur Abreise. „So wie die Dinge liegen, ist es mir lieber, wenn niemand hierher kommt“, sagte er.

Brände gehören im waldreichen Galicien, einer der ärmsten Regionen Spaniens, zum sommerlichen Alltag. In diesem Jahr werden sie durch die Trockenheit der vergangenen 24 Monate, einen extrem heißen Juli und beständige Winde begünstigt. Die Regionalregierung schätzt, daß allein in den vergangenen fünf Tagen 10.000 Hektar Wald vernichtet wurden, vor allem Pinien und Eukalyptusbäume.

Text: FAZ.NET mit Material von P.I./F.A.Z., Reuters, dpa
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS

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