Unwetter

Hamburg nach der Tornado-Nacht

Dieses Auto blieb unter einer umgeknickten Laterne unversehrt

Dieses Auto blieb unter einer umgeknickten Laterne unversehrt

29. März 2006 Tödliches Wetterchaos über Norddeutschland: In Hamburg fegte am Montag abend ein Tornado über den Süden der Stadt, zwei Kranführer starben in ihren umgewehten Maschinen, der ganze Stadtteil versank nach Stromausfällen in der Dunkelheit. Tausende Bahnfahrer steckten fest, die Wasserversorgung für Zehntausende Bürger brach zusammen. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern brannten Häuser nach Blitzschlag nieder oder wurden vom Wind zertrümmert. Die Schäden gehen in die Millionen.

Am schlimmsten erwischte es Hamburg, wo sich in einem Gewitter gegen 19.00 Uhr ein Tornado gebildet hatte. Drei Kräne im Harburger Binnenhafen hielten dem Winddruck nicht Stand, zwei Kranführer starben in den Trümmern, zwei Menschen wurden verletzt. Der Tornado wirbelte Trümmer durch die Luft auf Stromleitungen, so daß die Elektrizitätsversorgung für 78.000 Haushalte zusammenbrach. Es kam zu einem Verkehrschaos. Die Bahn mußte 140 Züge stoppen, der gesamte Zugverkehr südlich von Hamburg brach bis 23.00 Uhr zusammen. Das Unwetter deckte zahlreiche Dächer ab und entwurzelte Bäume. Weil der Strom für Pumpen weg war, brach die Wasserversorgung im südlichen Hamburg zusammen. Ein Krankenhaus mußte mit Notstromgeneratoren versorgt werden.

Von Beust besucht Harburg

Rechtzeitig zum Berufsverkehr am Dienstag morgen waren die gröbsten Schäden beseitig: Die Ampeln funktionierten wieder, die Züge fuhren, Wasser und Strom waren wieder da. Technisches Hilfswerk und Feuerwehr hatten mit 500 Kräften durchgearbeitet. Die Versorgungsfirmen hatten noch nachts ihre Techniker losgeschickt. In einige Geschäfte in der betroffenen Region sei nachts eingebrochen worden, sagte ein Polizeisprecher. Beamte hätten daraufhin verstärkte Kontrollen durchgeführt. Es habe auch Festnahmen gegeben.

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat am Dienstag mittag das verwüstete Gebiet im Stadtteil Harburg besucht. „Ich bin erschüttert angesichts dieser Spur der Verwüstung und der unglaublichen Kraft der Naturgewalten“, sagte er. Der Bezirk Harburg erhalte für erste Notfälle 250.000 Euro, bis die Versicherungen zahlen. Nach ersten Eindrücken gibt es keine Hinweise auf menschliches Versagen, sagte der Bürgermeister.

Blitzeinschläge und umgeknickte Bäume

In Niedersachsen schlug ebenfalls ein Tornado zu: In Esenshamm im Landkreis Wesermarsch drückte die kleine Windhose ein Auto in den Graben, deckte von einem Wohnhaus Teile des Daches ab und zerstörte die Wellblechwände einer Maschinenhalle. Auch eine Reihe von Bäumen sei umgeknickt worden, sagte ein Polizeisprecher. Der Sachschaden belaufe sich auf über 50.000 Euro.

Im Landkreis Harburg wurde in der Gemeinde Wulfsen ein Mehrfamilienhaus vom Blitz getroffen. Nach Angaben der Polizei deckte der Blitz Teile des Daches ab, zerstörte Strom- und Telefonleitungen und beschädigte Mobiliar. Drei Menschen seien leicht verletzt worden.

Windhose deckte Dächer ab

Auch in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verursachten heftige Unwetter Schäden: In Preetz bei Kiel brannte am Montag abend ein Haus nach Blitzschlag ab, in Friedrichskoog an der Nordsee ein Stromverteilerhaus. In Haseldorf westlich von Hamburg retteten 80 Feuerwehrleute ein Reetdachhaus, dessen Dach schon brannte. Rund 150 witterungsbedingte Einsätze zählten die Feuerwehren im Land zwischen den Meeren. In Westmecklenburg wurden Ziegel von den Dächern gerissen und Äste von Bäumen geknickt.

Am heftigsten erwischte es das Städtchen Goldberg im Landkreis Parchim, wo eine Windhose mehrere Dächer teilweise abdeckte, einige Fahrzeuge durch herabfallende Ziegel oder Äste beschädigt wurden und der Verkehr vorübergehend behindert wurde. Personen kamen den Angaben zufolge nicht zu Schaden. Auch in Nordrhein-Westfalen verursachte starker Wind Schäden und Behinderungen im Straßenverkehr. In Dortmund lockerte eine Windböe am Montag abend die Kabel von Ampeln an einer Großbaustelle. In den durchhängenden Kabeln verfing sich ein Lastwagen und riß anschließend mehrere Ampelmaste um. Ein Mast fiel auf einen wartenden Pkw. Dabei wurde eine 36 Jahre alte Beifahrerin verletzt.

Text: FAZ.NET mit Material von ddp, AP
Bildmaterial: AP, dpa, dpa/dpaweb, REUTERS

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Seien Sie auch unterwegs bestens informiert mit dem mobilen Nachrichtenservice von FAZ.NET. Weitere Informationen unter www.faz.net/mobil

Windhose über HarburgEine Yacht in den Tornado-TrümmernDachdecker hatten am Dienstag HochkonjunkturOle von Beust: “Ich bin erschüttert angesichts dieser Spur der Verwüstung“Sturmfolgen in HamburgLand unterAbgedecktes Dach in HarburgAus der Lagerhalle wurde ein SchiffsfriedhofTeile eines abgedeckten Daches hängen in einer StromleitungDer Stadtteil Harburg erhält 250.000 Euro Soforthilfe“Trümmer wirbelten durch die Luft““Unglaubliche Kraft der Natur“Die Kräne begruben Autos unter sich
Zehntausende Haushalte waren in der Nacht ohne StromDer Tornado war kurz aber heftigBootsbesitzer diskutieren über die Schäden in der eingestürzten Werft- und Lagerhalle in HarburgVon Beust in HarburgAufgehängte DachteileNachbesserungen an fast jedem HausZwei Baukräne in Harburg knickten einfach umEs gibt keinen Hinweis auf menschliches VersagenAufräumarbeitenDie Feuerwehr beseitigt die TrümmerUmgekippte Kräne kosteten zwei Menschen das LebenUngeplante Sperrmüllsammlung