New York

Panik nach Großexplosion

19. Juli 2007 Eine gewaltige unterirdische Explosion im New Yorker Dampfleitungssystem hat am Mittwochabend in New York Hunderte Menschen in die Flucht getrieben und Gedanken an die Anschläge vom 11. September 2001 aufkommen lassen. Eine Person starb bei der Dampf-Eruption nahe dem Grand-Central-Bahnhof Manhattans an einem Herzinfarkt, 18 Menschen wurden verletzt in Krankenhäuser gebracht, teilten die Behörden mit. Bürgermeister Michael Bloomberg und die Polizei schlossen einen terroristischen Hintergrund aus.

Bloomberg verwies auf das überalterte Leitungssystem und sagte vor dem Krater in der 41. Straße auf einer improvisierten Pressekonferenz: „Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass dies etwas anderes als ein Versagen unserer Infrastruktur ist.“ Das in der Nähe des Großbahnhofs und dem 77-stöckigen Chrysler-Gebäude geborstene Rohr sei 1924 verlegt worden.

Eine Dampfsäule, höher als das Chrysler-Gebäude

Aus dem 60 Zentimeter dicken Rohr schossen im abendlichen Berufsverkehr Dampf, Erde und Steine mit lautem Getöse hoch in die Luft - anfangs sogar höher als das Chrysler-Gebäude. Der Dampf und Rauch in den Häuserschluchten war weithin zu sehen, Menschen reagierten in Erinnerung an das Trauma von 2001 mit Panik, Chaos brach aus.

Der U-Bahnverkehr wurde ausgesetzt. Die Dampf-Eruptionen sahen aus, als ob ein gewaltiger Geysir Dampf und Erdbrocken mit lautem Brüllen in die Luft schleuderte. Der Krater hatte einen Durchmesser von mehreren Metern. In unmittelbarer Nähe stand ein verlassener Schulbus; ein Abschleppwagen rutschte in den Krater. Die erste Dampf-Fontäne war höher als das 77 Meter hohe Chrysler-Gebäude.

Gegen 20 Uhr Ortszeit lichteten sich die Dampfschwaden, und das Ausmaß der Schäden wurde sichtbar. Die New Yorker Gebäudeverwaltung meldete nach einer Prüfung am Abend, dass die umliegenden Häuser keine statischen Schäden davongetragen hätten, allerdings gab es Wasserschäden und zerborstene Fenster. Die Straße in der direkten Umgebung des Kraters war einsturzgefährdet. Außerdem bestand die Gefahr, dass bei der Explosion Asbest freigesetzt wurde, daher trugen Polizisten Gasmasken. Viele der alten Leitungsrohre sind noch mit Asbest-Material isoliert.

„Alle haben an den 11. September gedacht“

Heiko Thieme, ein Bankangestellter, hatte Schlammspritzer in Gesicht und auf Hose und Schuhen. Es sagte, die Explosion sei wie ein Vulkanausbruch gewesen. „Alle waren verwirrt, alle haben offensichtlich an den 11. September gedacht“, sagte er. Damals, vor sechs Jahren, waren nach Terroranschlägen die beiden Türme des World Trade Center eingestürzt. (siehe auch FAZ.NET-Spezial: Der 11. September 2001) Darryl Green sagte, er sei mit seinen Kollegen vom 30. Stock durchs Treppenhaus nach unten gestürmt, nachdem er in seinem nahe gelegenen Bürogebäude den Boden unter den Füßen schwanken gespürt hatte. „Als wir draußen auf der Straße waren, war alles dunkel vor Rauch“, berichtete der AT&T-Mitarbeiter.

Debbie Tontodonatos erster Gedanke war ein Unwetter. „Ich schaute aus dem Fenster und sah diese großen Klumpen, die ich erst für Hagel hielt“, sagte die 40-jährige Managerin. „Wir bekamen Panik, das war wie ein Viehtrieb die Treppen runter, alle stießen und rempelten. Ich fiel fast die Treppen runter.“

Stelle erst am Mittwoch überprüft

Ein Sprecher des Energieversorgungsunternehmens Consolidated Edison teilte mit, nach der Explosionsursache werde noch gesucht. Technikertrupps seien im Einsatz. Unternehmensleiter Kevin Burke sagte, die Stelle sei nach heftigen Regenfällen erst am Mittwoch überprüft worden, es sei aber nichts Ungewöhnliches entdeckt worden.

Das mit Dampf betriebene Heizungssystem in New York ist seit langem sanierungsbedürftig und hat immer wieder Lecks. Die Dampfrohre bersten hin und wieder, wenn im heißen Rohr Wasser kondensiert. 1989 kamen bei einer derartigen, als „Wasserhammer“ bezeichneten Explosion drei Menschen ums Leben.



Text: AP
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

Die Ängste sind sofort da: War es ein Terroranschlag? Dann Entwarnung: Kein Terroranschlug, sondern die Explosion einer alten Dampf... Als sich der Nebel lichtet, wird das ganze Ausmaß des Schadens sichtbar
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