Von Josef Oehrlein
18. April 2008 Seit Tagen liegt dichter Rauch über Buenos Aires und beeinträchtigt das Alltagsleben in der argentinischen Hauptstadt. Zeitweilig betrug die Sicht nur noch 100 Meter. Auf dem Stadtflughafen fielen zahlreiche Flüge aus, auch auf dem Überlandbusbahnhof Retiro und im Hafen war der Verkehr eingeschränkt. Ursache der dicken Luft sind Flächenbrände im Paraná-Delta, die außer Kontrolle geraten sind. Dort stehen auf 70.000 Hektar Weiden und Felder in Flammen. Bislang wurden fast 300 Brandherde gezählt.
Die größte Feuerfront ist 300 Kilometer lang. Beständiger Nordwind treibt die Rauchschwaden ausgerechnet in die Stadt der guten Lüfte. Der Rauch hat inzwischen auch den Río de la Plata überquert und Uruguay erreicht. Zeitweilig werden Autobahnen und Straßen geschlossen. Bei Serienunfällen im Rauch kamen neun Personen ums Leben, mehr als 50 wurden verletzt. 30.000 Lastwagen sitzen fest.
Rauch dringt auch in Wohnungen ein
Die Gesundheitsbehörden behaupten, der Rauch sei nicht toxisch. Er dringt inzwischen auch in die Wohnungen ein. Immer mehr Bewohner klagen über Reizungen der Augen und der Atemwege. Die Regierung gibt Landwirten die Schuld. Sie wollten mit den absichtlich gelegten Bränden Kosten sparen und ihre Felder rationeller nutzen, sagte Umweltstaatssekretärin Romina Piccolotti. Präsidentin Cristina Kirchner forderte die Justiz auf, die Schuldigen dingfest zu machen.
Den Umweltbehörden wird vorgeworfen, die Katastrophenpläne seien nicht rechtzeitig in Kraft gesetzt worden. Feuerwehren versuchen unterdessen vergeblich, die Brände mit Löschflugzeugen einzudämmen. Dass auch in den nächsten Tagen die Spätsommersonne bei Temperaturen von bis zu 27 Grad von einem wolkenlosen Himmel scheinen soll, wird unter diesen Umständen zu einer schlechten Nachricht. Regnen soll es vorerst auch nicht. Und für Buenos Aires ist Nordwind vorhergesagt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS