Von Klaus-Peter Schwarz
04. Juli 2008 Der Bürgermeister der slowenischen Stadt Sevnica hatte zu einer letzten Fahrt“ in Kanus eingeladen, um in Begleitung von Gemeinderäten, Beamten und Bauingenieuren vor der Aktivierung einer neuen Staustufe noch einmal dem natürlichen Lauf der Save zu folgen. Die Bootsparty endete am Donnerstagnachmittag mit dem schlimmsten Unfall, der je in slowenischen Gewässern geschehen ist. Bis zum Freitagmittag wurden sieben Tote geborgen. Die Hoffnung, die fünf Vermissten noch lebend bergen zu können, wurde von den Rettungsmannschaften als gering angegeben.
Unfall vom Fernsehen aufgezeichnet
Der Unfall hatte sich am Damm des neu errichteten Wasserkraftwerkes Blanca ereignet, im Südosten Sloweniens, unweit der kroatischen Grenze. Zwei der vier Kunststoffkanus, die mit je sieben Passagieren besetzt waren, wurden von der heftigen Strömung im Einzugsgebiet der Schleuse erfasst, kenterten, kippten und zerbrachen.
Zwölf der vierzehn Passagiere wurden vom Strudel erfasst und durch die Schleusen oder in den Unterwassertunnel gezogen, der zum Turbinenraum führt. Nur eine Frau konnte sich unverletzt retten. Ein Mann wurde flussabwärts schwer verletzt geborgen und starb am Freitag im Krankenhaus. Der Unfall wurde von einem Team des slowenischen Fernsehens aufgezeichnet, das gerade einen Bericht über das neue Kraftwerk vorbereitete.
Ohne Schutzwesten unterwegs
Rettungsmannschaften, unter ihnen 15 Taucher, waren unverzüglich zur Stelle, konnten aber zunächst wegen der starken Strömung nicht eingreifen. Die Bergungsarbeiten wurden von den Tauchern am Freitag in den frühen Morgenstunden aufgenommen, als der Wasserstand zurückging und die Strömung etwas schwächer wurde. Noch in der Nacht besuchten Präsident Danilo Türk und Ministerpräsident Janez Janša die Unfallstelle und trafen sich mit Familienangehörigen der Opfer. Jana sprach von einer großen Tragödie“, deren Ursache noch genau zu erforschen sei.
Die Organisatoren des Ausflugs dürften die Gefährlichkeit der Strömungen unterschätzt haben. Nach Augenzeugenberichten trugen die meisten Teilnehmer nicht einmal eine Schutzweste. Unter den Vermissten ist auch der 48 Jahre alte Bürgermeister von Sevnica, Kristijan Janc, Abgeordneter im slowenischen Parlament und stellvertretender Vorsitzender der christlich-sozialen Slowenischen Volkspartei.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP