31. Juli 2007 Im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände auf den Kanarischen Inseln hat sich die Lage weiter zugespitzt. Auf Gran Canaria und Teneriffa wüteten die Großfeuer am Dienstag auf einer Fläche von zusammen mehr als 30.000 Hektar, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Dies entspricht in etwa der Größe einer Stadt wie München. Vor allem Pinienwälder wurden vernichtet. Auf beiden Inseln mussten fast 14.000 Einwohner und Urlauber aus evakuierten Gemeinden in Sicherheit gebracht werden, unter ihnen auch Deutsche. Rund 80 Häuser brannten nieder. Bei den Löscharbeiten wurden zwei Soldaten verletzt, als ihr Tankwagen umstürzte. Zudem erlitten Dutzende Menschen Rauchvergiftungen und Nervenzusammenbrüche, wie das Fernsehen berichtete.
Der kanarische Regierungschef Paulino Rivero bezeichnete die Lage als dramatisch. Nach seinen Schätzungen sind rund 10.000 Hektar Wald vollständig verkohlt. Die Menschen müssten in Sicherheit gebracht und ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebäude verhindert werden. Dies müsse vor der Rettung des Waldes Vorrang haben. Zwar waren die Löschtrupps ununterbrochen im Einsatz, wegen des starken Windes und der großen Hitze konnten sie aber nur einige der Feuerfronten unter Kontrolle bringen. Zudem können die Löschhubschrauber nur bei Tageslicht eingesetzt werden. Auf Teneriffa blieb der Nationalpark rund um den Vulkan Teide - mit 3718 Metern Spaniens höchster Berg - von den Flammen verschont. Auf der Insel La Gomera konnte ein kleineres Feuer gelöscht werden.
Soldaten werden zur Brandbekämpfung eingesetzt
Die spanische Regierung kündigte die zusätzliche Entsendung von 150 Soldaten zur Brandbekämpfung an. Die Lage ist sehr alarmierend, räumte Umweltministerin Cristina Narbona bei einem Besuch auf Gran Canaria ein. Sie sagte zudem finanzielle Unterstützung für die Betroffenen zu. Umweltschützer kritisierten unterdessen, die Behörden hätten viel zu spät reagiert und nicht genügend Mittel zur Verfügung gestellt.
Während Gran Canaria schon seit dem Wochenende gegen die Feuersbrünste kämpft, war Teneriffa am Montagabend von einem großen Waldbrand erfasst worden. Im Norden der Insel flohen rund 8500 Menschen vor den Flammen, die einige Häuser erfassten. Verletzt wurde aber niemand. Das Feuer überwand eine Brandschneise und bildete mehrere Fronten. Nach den Worten von Inselratspräsident Ricardo Melchior ist vermutlich Brandstiftung die Ursache des Feuers, das in der Gegend um Los Realejos ausgebrochen war. Überdies wurden zwei weitere Waldbrände aus dem Süden Teneriffas gemeldet.
Urlaubszentren bisher nicht betroffen
Auf der Nachbarinsel Gran Canaria brannten etwa 60 Häuser nieder. Mehr als 5000 Menschen flohen vor den Flammen, darunter auch etwa 40 deutsche Urlauber. Sie wurden aus ihrem Hotel in den Bergen nahe San Bartolomé de Tirajana in Sicherheit gebracht. Das Feuer hatte sich der Anlage bis auf einen Kilometer genähert, wie der Rundfunk berichtete. Die Deutschen wurden in einer anderen Herberge an der Küste untergebracht. Das Feuer auf Gran Canaria war von einem Forstarbeiter aus Wut über seine bevorstehende Entlassung gelegt worden. Der 37 Jahre alte Mann sitzt in Haft, ihm drohen zehn Jahre Gefängnis.
Nach Angaben des Reisekonzerns Tui haben die Feuer die großen Urlaubszentren an den Küsten auf beiden Inseln bislang verschont. Unsere Hotels und Gäste sind nicht betroffen, sagte eine Sprecherin. Insofern gebe es keine Einschränkungen für die Urlauber. Bisher seien zudem keine Umbuchungsangebote geplant. Die Feuer wüten auf beiden Inseln vor allem in den höher gelegenen Bergregionen. Dort wurden schon mehrere Dörfer evakuiert.
Der Clubreiseveranstalter Aldiana räumte auf Gran Canaria eine Hotelanlage, die in einem Tal im Inselinneren knapp eine Autostunde vom Meer entfernt liegt. Das Feuer hat sich inzwischen auf die gegenüberliegende Hangseite vorgearbeitet. Deshalb haben wir schon am Montagabend unsere 40 Gäste aus dem Bergclub in ein Hotel nach St. Augustin ans Meer in Sicherheit gebracht, sagte eine Sprecherin.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, dpa, F.A.Z., REUTERS