30. August 2008 Der Hurrikan Gustav hat nach Angaben der amerikanischen Katastrophenschutzbehörde Fema mit Stufe fünf jetzt die höchstmögliche Stärke erreicht. Der bislang stärkste Tropensturm des Jahres sollte noch am Samstagabend mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 235 Stundenkilometern auf den Westen Kubas treffen, am Sonntag sollten erste Ausläufer die amerikanische Küste erreichen.
In den vergangenen Tagen hatte Gustav bereits mehr als 80 Menschen in der Dominikanischen Republik, Haiti und Jamaika in den Tod gerissen. Am späten Samstagnachmittag (Ortszeit) sollte er den Berechnungen der Wetterforscher zufolge auf den Westen Kubas prallen. Gustav ist der bisher stärkste Wirbelsturm dieses Jahres. Viele Menschen in New Orleans im Süden der Vereinigten Staaten begannen bereits am Samstag, ihre Stadt fluchtartig zu verlassen. Im Jahr 2005 war die Metropole von dem Hurrikan Katrina schwer verwüstet worden.
Elf Tote auf Jamaika
In Kuba rief die Regierung für mehrere Provinzen die höchste Alarmstufe aus. Bedroht sind vor allem die Gebiete von Pinar del Rio, Havanna und die Isla de la Juventud. Präsident Raúl Castro teilte am Samstagmorgen mit, es seien alle Vorbereitungen getroffen worden, um die Menschen zu schützen. Er forderte die Kubaner auf, sich in Sicherheit zu bringen. Auch auf der Inselkette der Florida Keys wurden die Bewohner erneut vor schwerem Sturm gewarnt.
Schwere Zerstörungen hat der Hurrikan bereits auf Jamaika angerichtet. Premierminister Bruce Golding teilte mit, Brücken seien schwer beschädigt und etwa 150 Häuser zerstört worden. Zahlreiche Straßen waren nach Erdrutschen und Überschwemmungen blockiert. Das Stromnetz brach zusammen. Etwa 4000 Menschen wurden in Notunterkünfte gebracht. Golding bestätigte zudem den Tod von mindestens elf Menschen, weitere würden vermisst.
Menschen fliehen aus New Orleans
Auch im Süden der Vereinigten Staaten wächst die Angst vor Gustav. Der Tropensturm, den das Hurrikanzentrum in Miami (Florida) zunächst in die Kategorie drei auf der Skala von eins bis fünf einstufte, nimmt weiter an Geschwindigkeit zu. Am Samstagmorgen (Ortszeit) meldete das Hurrikanzentrum Windgeschwindigkeiten von 195 Stundenkilometern, später war von 235
Stundenkilometern die Rede. Nach jüngsten Auswertungen von Satellitenbildern wurde damit gerechnet, dass sich der Wirbelsturm noch weiter verstärkt.
Die Menschen an der amerikanischen Küste bereiten sich weiter auf den drohenden Hurrikan vor. Tausende Bewohner der Südküste flohen vor dem herannahenden Sturm. Auf allen Ausfahrtsstraßen in New Orleans bildeten sich am Samstagnachmittag lange Autoschlangen. Zahlreiche verängstigte Menschen der 2005 verwüsteten Metropole in dem Bundesstaates Louisiana wollten nicht auf einen offiziellen Evakuierungsbefehl warten. Dort und im benachbarten Bundesstaat Mississippi waren vor drei Jahren durch Katrina etwa 1800 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche Bewohner von New Orleans leben seitdem nach wie vor in notdürftigen Container-Unterkünften.
Notstand auch in Texas
Bürgermeister Ray Nagin kündigte den Evakuierungsbefehl möglicherweise noch für dieses Wochenende an. Der Sprecher der amerikanischen Katastrophenbehörde, Harvey Johnson, sagte, er erwarte, dass zahlreiche Küstenbewohner aufgefordert werden würden, ihre Häuser zu verlassen. Johnson sagte der Washington Post, die vorbeugenden Maßnahmen zum Schutz der Region und ihrer Menschen seien seit dem Desaster bei Katrina erheblich verbessert worden.
Wie der Gouverneur von Mississippi, Haley Barbour, mitteilte, sollen bereits am Wochenende die Bewohner von provisorischen Unterkünften entlang des gefährdeten Küstenabschnitts in Sicherheit gebracht werden. Dabei handelt es sich um Menschen, die durch Katrina ihre Häuser verloren hatten.
An der Südküste müssen wegen des drohenden Wirbelsturms voraussichtlich rund 80 Prozent der Öl- und Gasproduktion eingestellt werden. Wie der Radiosender NPR am Samstag berichtete, hätten Ölfirmen am Golf von Mexiko bereits Hunderte von Arbeitern von ihren Plattformen in Sicherheit gebracht. Nach Louisiana rief der amerikanische Präsident George W. Bush am Freitag auch für Texas vorsorglich den Notstand aus. Damit werden Bundesbehörden zur Koordinierung von Schutz- und Hilfsmaßnahmen ermächtigt.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, reuters