Bootsunglück in Leipzig

Zwölfjähriger nach Kentern auf dem Elsterkanal vermisst

14. April 2008 Nach dem Bootsunglück auf dem Elsterkanal in Leipzig suchen die Rettungskräfte an diesem Montag weiter nach einem vermissten Zwölfjährigen. Die insgesamt fünf Kinder aus Sachsen-Anhalt waren am Sonntagnachmittag bei einer Regatta mit ihrem Ruderboot ein Wehr hinabgestürzt und gekentert.

An diesem Montagmorgen korrigierte die Polizei ihren Bericht vom Sonntag, wonach ein elfjähriger Junge kurz nach seiner Bergung im Krankenhaus gestorben sei. Er sei schwer verletzt und nicht ansprechbar, aber am Leben, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

„Die Chancen sinken“

Die jungen Sportler zwischen zehn und zwölf Jahren gehören einem Club aus Dessau-Roßlau an. Sie wollten am Sonntagnachmittag in Leipzig an einer Regatta teilnehmen. Nach dem Sturz in das Wasser konnten zwei Mädchen und ein Junge bei Bewusstsein geborgen werden. Sie werden in einem Krankenhaus medizinisch versorgt. Eltern und Betreuer der als erfahren geltenden Nachwuchsruderer wurden psychologisch betreut.

Die Suche nach dem vermissten Zwölfjährigen war am Abend gegen 21 Uhr zunächst eingestellt worden. „Wir hoffen bis zuletzt, aber mit jeder Minute, die verstreicht, sinken die Chancen, den Jungen lebend zu finden“, sagte der Sprecher der Leipziger Feuerwehr, Joachim Petrasch, am Abend. „Wir hoffen deshalb, dass es den Jungen ans Ufer getrieben hat und wir ihn dort möglichst bald finden.“ In Schlauchbooten suchten Einsatzkräfte von Feuerwehr und Lebensrettungsgesellschaft den Uferbereich in einem mehrere Kilometer langen Teilstück flussabwärts ab. Unterstützt wurden sie von Tauchern im Wasser und Hundeführern an Land. Ein Polizeihubschrauber kontrollierte aus der Luft Wasseroberfläche und Uferbereich.

„Schon mehrfach gekenterte Bootsfahrer gerettet“

Das Unglück geschah am Sonntag gegen 14.20 Uhr, als das Boot - ein Vierer mit Steuermann - auf dem Weg zum Start flussaufwärts unterwegs war. „Augenzeugen berichteten uns, dass die Kinder einen auffällig großen Wendekreis gefahren und dabei wohl zu nah an die Staustufe gekommen seien“, sagte Polizeisprecher Andreas Loepki. „Den genauen Hergang des Unglücks müssen die Ermittlungen zu einem späteren Zeitpunkt klären.“ Bekannt sei bisher, dass das Ruderboot nach einer Einmündung rückwärts an die etwa vier Meter hohe Staustufe, das sogenannte Elsterwehr am Palmengarten, herantrieb und dann abstürzte.

Laut Polizei paddelte ein 18-Jähriger zur Unfallstelle und hielt eines der verunglückten Mädchen solange über Wasser, bis beide von der Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden konnten. Wegen starker Regenfälle in den vergangenen Tagen führe die Elster enorme Wassermengen mit sich, die die Fließgeschwindigkeit noch verstärkten, sagte der Feuerwehrsprecher. Das Wasser sei wegen der starken Strömung unterhalb des Wehrs selbst für einen erfahrenen Schwimmer kaum berechenbar. Das Wehr sei Bootsfahrern nicht zum ersten Mal zum Verhängnis geworden. „Wir haben schon mehrfach gekenterte Bootsfahrer gerettet.“ Seit geraumer Zeit warnt deshalb eine Leine mit orangefarbenen Leuchtkugeln vor der Gefahrenstelle.



Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: dpa

 
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