Brückenkollaps in Minneapolis

Weniger Tote als befürchtet

03. August 2007 Der Einsturz einer Autobahnbrücke in Minneapolis hat wohl doch weniger Menschen das Leben gekostet als zunächst befürchtet. Bis zum Freitag (Ortszeit) wurden fünf Menschen tot geborgen. Die Behörden reduzierten inzwischen die Zahl der noch Vermissten von 30 auf acht.

Vor dem Einsturz der Autobahnbrücke in Minneapolis sind wiederholt Warnungen vor baulichen Mängeln laut geworden. Schon 1990 hatte eine Untersuchung ergeben, dass die Brückenlager massiv verrostet seien. Die Lager sind die tragenden Teile des Bauwerks. Die von der Bundesregierung in Washington vorgenommene Untersuchung stufte die Brücke über den Mississippi als mangelhaft ein.

Der Staat Minnesota sei in der Verantwortung gewesen, die Schäden zu reparieren, sagte Regierungssprecher Tony Snow am Donnerstag in Washington. Der Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, erklärte, es sei klar gewesen, dass die Brücke „irgendwann hätte erneuert werden müssen“. Es habe aber nie einen Zeitplan dafür oder Hinweise für die Dringlichkeit dieser Aufgabe gegeben. Die Brücke hätte frühestens 2020 ersetzt werden sollen.

Ausbesserung wirken nun wie Flickwerk

Statt einer umfassenden Erneuerung gab es an der Brücke von Minneapolis lediglich punktuelle Ausbesserungen, die im nachhinein als Flickwerk erscheinen. „Wir dachten, wir hätten alles getan, was wir tun konnten“, sagte der zuständige Bauingenieur Dan Dorgan am Donnerstag unweit des Unglücksortes. „Offenbar ist da etwas ganz schrecklich falsch gelaufen.“

Die Suche nach den Vermissten kommt läuft unterdessen sehr zäh. Allen Anstrengungen zum Trotz konnten die Hilfsmannschaften bisher nur fünf Leichen bergen. Ein Mann sei in einem Auto eingeklemmt gewesen, das mitsamt der Asphaltdecke der Brücke in den Mississippi gestürzt sei. Um alle Vermissten, denen keine Überlebenschance mehr eingeräumt wird, zu bergen, haben Spezialisten der amerikanischen Streitkräfte den Pegel des Mississippi abgesenkt.

Unter Beton verkeilte leblose Körper

Die Brücke war am Mittwochabend (Ortszeit) mitten im Berufsverkehr plötzlich eingebrochen und hatte Menschen und Fahrzeuge mit sich in die Tiefe gerissen. Vier Leichen wurden am Mittwoch geborgen, bis zu 30 weitere Menschen gelten noch als vermisst. Die Zahl der Verletzten wird mit 79 angegeben.

Die Rettungsmannschaften haben keine Hoffnung mehr, eines der Opfer lebend bergen zu können. Sie sahen mehrere in ihren Fahrzeugen oder unter Beton verkeilte leblose Körper, konnten aber wegen der reißenden Flussströmung und der instabilen Brückenreste nicht zu den Opfern vordringen. „Es sind mehrere Menschen in Wagen gefangen gewesen“, bestätigte der Polizeichef von Minneapolis, Tim Dolan.

„Im ganzen Land eine bröckelnde Infrastruktur“

Als Lehre aus der Katastrophe sollen nun alle amerikanischen Brücken verstärkt auf ihre Sicherheit überprüft werden. Dies ordnete die amerikanische Verkehrsministerin Mary Peters noch am Donnerstagabend in Washington an. Das Ministerium empfiehlt allen Bundesstaaten umgehende Inspektionen vor allem jener rund 750 Brücken, die eine ähnliche Konstruktion haben wie die eingestürzte Brücke zwischen Minneapolis und St. Paul. „Was in Minnesota passiert ist, ist einfach nicht akzeptabel“, sagte Peters. Notwendig sei nun eine grundsätzliche Überprüfung des amerikanischen Brücken-Inspektionsprogramms, „damit sich eine solche Tragödie nicht mehr wiederholen kann“.

„Wir sollten diese Tragödie als Weckruf begreifen“, sagte der Führer der Demokraten im amerikanischen Senat, Harry Reid. „Wir haben im ganzen Land eine bröckelnde Infrastruktur. Das betrifft Autobahnen, Brücken und Dämme.“ Die Probleme bei der Verkehrs-Infrastruktur sind nicht neu. Schon 2002 hatte es in einem Bericht des Transportministeriums geheißen, etwa 30 Prozent der Autobahn-Brücken des Landes hätten Mängel. Die amerikanische Ingenieursvereinigung äußerte sich 2005 ähnlich. Dort wurde geschätzt, dass die Vereinigten Staaten etwa 1,6 Billionen Dollar ausgeben müssten, um die Verkehrswege in guten Zustand zu bringen.

Der amerikanische Präsident George W. Bush will am Samstag den Ort des Unglücks besuchen. Seine Ehefrau Laura Bush wird bereits am Freitagmorgen in Minneapolis erwartet. Über die Ursache des Unglücks vom Mittwochabend herrschte weiter Unklarheit. Verkehrsministerin Peters bestätigte, dass die 40 Jahre alte Brücke bei einer Inspektion 2005 als „strukturell mangelhaft“ eingestuft worden sei. Das habe aber nicht bedeutet, dass das Bauwerk unsicher gewesen sei, sagte die Ministerin.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, AP Photo/Pioneer Press, Scott Takushi, AP Photo/St. Paul Pioneer Press, Scott Takushi, dpa, F.A.Z., REUTERS

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