Spanien

Tod durch fahrlässiges Grillen

18. Juli 2005 Die Leichname von elf Forsthelfern, die bei dem Versuch umkamen, den schlimmsten Waldbrand dieses Sommers in Spanien zu löschen, sind am Montag in der Provinz Guadalajara geborgen worden.

Das Feuer nahe dem Naturpark am Oberlauf des Tajo-Flusses, das schon 8000 Hektar Kiefernwälder zerstört hat, konnte bis dahin noch nicht vollständig eingedämmt werden. Unklar war am Montag auch noch das Schicksal von mehreren Vermißten.

„Wie ein Kamin“

Das Feuer war am Samstag durch Fahrlässigkeit verursacht worden. Eine Gruppe von Touristen aus Madrid, die trotz aller Warnungen und Verbote auf dem zundertrockenen Boden gegrillt und danach nicht sorgfältig genug gelöscht hatten, wurde von der Polizei vernommen. Die elf Waldarbeiter waren bei einem abrupten Windwechsel von den Flammen eingeschlossen worden. Die Benzintanks ihrer Transportfahrzeuge explodierten und nährten zusätzlich das Feuer.

Nachdem der Trupp zwei Stunden lang vermißt worden war, hatten sich Bewohner des Ortes Riba de Saelices auf die Suche nach den Männern und Frauen gemacht und schließlich die verkohlten Leichen gefunden. Die Einsatzfahrzeuge der Helfer - zwei Lastwagen und drei Geländewagen - waren vollständig ausgebrannt. Ein Forstarbeiter überlebte das Inferno von Guadalajara schwer verletzt. Er berichtete, die Gruppe sei von den Flammen überrascht worden, als sich plötzlich der Wind drehte. Sie hätten sich in einer schwer zugänglichen Schlucht befunden, die wie ein Kamin wirkte.

Zu spät und zu unwirksam

Unmittelbar nach Ausbruch des Feuers waren am Samstag drei Dörfer mit mehr als 500 Bewohnern geräumt worden. Als die stellvertretende Ministerpräsidentin Maria Teresa Fernandez de la Vega in der Nacht zum Montag die Unglücksstelle besuchte, wurde sie dennoch mit Buhrufen und Klagen darüber empfangen, daß der Wochenendeinsatz der Feuerwehr und anderer Hilfskräfte zu spät gekommen und zu unwirksam gewesen sei.

In Madrid kamen am Montag die Minister für Umwelt, Landwirtschaft und Verteidigung zu einer Krisensitzung zusammen. Frankreich entsandte zwei Löschflugzeuge. Die seit 1947 beispiellose Dürre auf der Iberischen Halbinsel und die „afrikanische Hitzewelle“ dieses Sommers mit Temperaturen um vierzig Grad haben die Waldbrandgefahr dramatisch erhöht. In den vergangenen fünfzehn Jahren haben insgesamt mehr als hundert Feuerwehrleute und Helfer bei Einsätzen in Spanien ihr Leben verloren. Die Katastrophe von Guadalajara ist mit elf Opfern die bislang schlimmste.



Text: F.A.Z., 19.07.2005, Nr. 165 / Seite 9
Bildmaterial: dpa/dpaweb

 
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