20. Mai 2008 Die Zahl der Toten nach dem schweren Erdbeben in China steigt weiter: Nach jüngsten Angaben sind allein in der Provinz Sichuan nahezu 40.000 Menschen ums Leben gekommen. Die örtlichen Behörden teilten mit, dass in Sichuan bisher 39.577 Todesopfer registriert worden seien. Bisher lag die offizielle Gesamtzahl der Todesopfer bei mehr als 34.000.
Unterdessen hat die Warnung vor einem starken Nachbeben im südwestchinesischen Erdbebengebiet Panik ausgelöst. Viele verängstigte Menschen im Katastrophengebiet sowie in den Metropolen Chengdu und Chongqing verbrachten die Nacht zum Dienstag unter freiem Himmel. Acht Tage nach dem schweren Erdbeben wurde abermals ein Verschütteter lebend geborgen.
Überlebender nach 179 Stunden gerettet
Der 31 Jahre alte Direktor eines Wasserkraftwerkes konnte 179 Stunden nach dem Beben aus den Trümmern eines Bürogebäudes in der Stadt Yingxiu gerettet werden, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Die Retter hatten ihn am Sonntag im zerstörten zweiten Stock entdeckt und seither mit Wasser versorgt. Nach 30 stunden gelang in der Nacht zum Dienstag seine Bergung. Unter den Trümmern im Erdbebengebiet der Provinz Sichuan werden noch tausende Verschüttete vermutet.
Das Umweltministerium warnte die Bevölkerung vor Verschmutzungen des Grundwassers. Leichen, medizinische Abfälle und die wiederholte Anwendung von Desinfektionsmitteln und Mitteln zur Vorbeugung gegen Seuchen stellen eine große Gefahr für das Trinkwasser dar. Bislang seien keine größeren Ausbrüche von Krankheiten oder andere Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit festgestellt worden, teilte das Gesundheitsministerium mit.
Angst vor Nachbeben
Das chinesische Radio und Fernsehen verbreitete Warnungen von Seismologen vor einem starken Nachbeben an diesem Montag oder Dienstag. Die Bergungsmannschaften und Bewohner in der Region sollten sich auf die Gefahr einstellen. Es sei wahrscheinlich, dass das Beben eine Stärke von 6 bis 7 erreichen könnte. Es bestehe Gefahr, dass neue Erdrutsche ausgelöst werden oder beschädigte Häuser einstürzen. Als Vorsichtsmaßnahme brachten Krankenhäuser ihre Patienten auf die Straße.
Mit dem Auto versuchten Bewohner von Chengdu noch am Abend die Stadt zu verlassen, blieben aber im Stau stecken. In Chongqing übernachteten viele in Parks. In der Nacht folgte dann ein Nachbeben der Stärke 5 und versetzte die Menschen in Angst. Aus Furcht vor einer Flutwelle wurde die schwer zerstörte Stadt Beichuan nach Augenzeugenberichten abermals evakuiert.
Die Behörden fürchteten, dass die Nachbeben und erwartete heftige Regenfälle dazu führen könnten, dass ein natürlicher Damm oberhalb der Stadt bricht und eine gewaltige Flutwelle verursacht. Ein Erdrutsch durch das Erdbeben hatte einen Fluss blockiert. Die Größe des Sees war am Wochenende mit neun Kilometern Länge und 200 bis 250 Metern Breite angegeben worden. Straßensperren kurz vor Beichuan verhinderten, dass Besucher in die Stadt fahren konnten. Die Stadt war schon am Samstag einmal vorübergehend evakuiert worden. Dann gingen die Bergungsarbeiten seit Sonntag aber ungeachtet der Gefahr weiter.
Text: AFP/dpa
Bildmaterial: AFP, dpa
