Vulkanausbruch in Chile

Asche vertreibt die Bewohner der Anden

Von Josef Oehrlein

09. Mai 2008 Nach einer neuerlichen heftigen Explosion im Vulkan Chaitén hoffen die chilenischen Behörden, auch die letzten Bewohner in dem Andengebiet davon überzeugen zu können, dass sie die Gefahrenzone an dem 1220 Kilometer südlich von Santiago gelegenen Vulkan verlassen müssen. Einige Bauern wollen lieber sterben, als ihre Kühe allein lassen. „Meine Kühe sind mein Leben, mein Geld, mein ganzer Besitz, damit bezahle ich die Universitätsausbildung meiner Tochter, deshalb muss ich bis zum letzten Moment bleiben“, sagte ein Landwirt, der trotzdem ausharren will.

Schon am Dienstag war aus dem Vulkan, der 200 Jahre geruht hatte, eine 30 Kilometer hohe Rauchsäule aufgestiegen. Durch den Ausbruch haben sich die beiden Krater zu einem einzigen vereint. Bisher haben 4000 Personen ihre Häuser verlassen, einige haben sich auf argentinisches Gebiet in Sicherheit gebracht. Präsidentin Michelle Bachelet sagte, vorrangig müsse das Leben der Bewohner geschützt werden. Chile habe schon viele Tragödien und Katastrophen erlebt, aber es sei wohl noch nie nötig gewesen, ganze Orte wie jetzt Chaitén und Futaleufú zu evakuieren.

Ascheregen auch in Argentinien

Gefahr droht laut Fachleuten, wenn der Berg in sich zusammenstürzt, was nicht auszuschließen sei. Der Ascheregen ist inzwischen auch in weiten Gebieten Südargentiniens niedergegangen. Die Ascheschicht in der Gegend ist teilweise bis zu 30 Zentimeter dick und durch Regen stellenweise zu einer steinharten Kruste erstarrt.

Zwei Fluglinien haben ihre Flüge in die Städte Bahía Blanca, Trelew, Neuquén und den Touristenort Bariloche eingestellt. Autofahrer wurden vor den schlechten Sichtverhältnissen gewarnt, Schulen wurden geschlossen, Behörden verteilen Lebensmittel, die Trinkwasserversorgung wird vom Heer sichergestellt. Der Vulkanologe Luis Lara sagte, die Asche sei „nicht besonders giftig, aber schädlich“.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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