06. April 2007 Mit einer enormen Beschleunigung des Lavaausstoßes hat der Vulkan Piton de la Fournaise auf der französischen Insel La Réunion in Indischen Ozean die Experten überrascht. Eine solche Entfesselung der Kräfte sei noch nie beobachtet worden, erklärte ein Sprecher der örtlichen Erdbebenwarte am Freitag der Zeitung Le Journal de L'Ile. Die Granitlava fließt an manchen Stellen mit 60 Kilometern pro Stunde zu Tal und ergießt sich in den Indischen Ozean. Seit Montag habe der Vulkan dem Meer sieben Hektar Land abgerungen. Die letzte lange Eruption des Piton de la Fournaise hatte sich von Ende August 2006 bis zum Neujahrstag erstreckt.
Nie zuvor beobachtet
Besonders betroffen sind die Einwohner des Dorfes Tremblet, das bei einem Vulkanausbruch 1986 von Lavaströmen geteilt worden war. Damals waren mehrere Häuser zerstört worden. Die 206 Haushalte bereiteten sich auf eine Evakuierung vor. Einige reisten freiwillig ab. Diesmal ist Tremblet zwar nicht direkt von der Lava bedroht, doch der Piton de la Fournaise speit gewaltige Gas- und Rauchwolken aus. Am Donnerstag erwachte das Dorf zudem unter einer zentimeterdicken Ascheschicht, die beim Berühren auf der Haut brennt.
Einwohner reisen freiwillig ab
Nur noch wenige Menschen wagen sich in Tremblet auf die Straße. Man fühlt sich isoliert, wie in Quarantäne, sagte ein Einwohner. Wer doch ausgeht, nimmt einen Schirm gegen den Ascheregen mit. Denn der enthält Salzsäure. Sie stammt nicht aus dem Vulkan, sondern entsteht beim Eintauchen der Lava in das salzige Meer. Sorge bereitet den Behörden auch der Ausstoß von Schwefeldioxid (SO2) aus dem Vulkan. In der Stadt Saint-Louis war die SO2-Konzentration am Mittwoch binnen weniger Stunden von 40 auf zeitweise 330 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und Stunde gestiegen. Die Post auf La Réunion brachte umgehend vorfrankierte Briefumschläge heraus. Darauf prangt eben dem Foto eines Lavastroms auf Kreolisch das Motto Volcan la pété (sinngemäß: Vulkan ist in Eruption).
Post birngt vorfrankierte Umschläge heraus
Mehrere Lavaströme ergießen sich zur Stunde über unbewohntes Gebiet im Südosten der Insel ins Meer. Das Naturschauspiel hat den Vulkan zur Hauptattraktion für die Ostertouristen gemacht. An die Lavaströme dürfen Schaulustige aber nicht mehr heran. Der Hauptgipfel des Vulkans liegt in gut 2600 Metern Höhe.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa und AFP
Bildmaterial: AFP