14. Mai 2008 Mit Hubschraubern haben chinesische Soldaten am Mittwoch zum ersten Mal das Zentrum des verheerenden Erdbebens erreicht. Die Lage in der Stadt Yingxiu im Kreis Wenchuan sei viel schlimmer als erwartet, sagten Behördenvertretern nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Von den einst 10.000 Einwohnern hätten nur etwa 2300 überlebt; rund 1000 von ihnen seien schwer verletzt. Bis zu 26.000 Menschen werden noch unter den Trümmern im Katastrophengebiet vermutet.
Zwei Tage nach dem Erdbeben wurden immer noch Verschüttete lebend geborgen. In Dijiangyan bargen Helfer eine hochschwangere Frau, die 50 Stunden in den Trümmern verbrachte. Es ist ein Wunder, für das wir zusammen gearbeitet haben, sagte Feuerwehrchefin Sun Guoli. Unter den Augen von Ministerpräsident Wen Jiabao wurde in der Region Beichuan ein drei Jahre altes Mädchen gerettet. Song Xinyi hatte 40 Stunden unter den Leichen ihrer Eltern verbracht, wie Xinhua berichtete. Das kleine Mädchen war schon am Dienstagmorgen entdeckt worden. Es konnte jedoch zunächst nicht geborgen werden, weil die Helfer fürchteten, die Trümmer könnten über ihr zusammenstürzen.
Wird Bebengebiet überflutet?
Möglicherweise könnten Teile des Katastrophengebietes bald zudem überflutet werden. Oberhalb der weitgehend durch das Beben zerstörten Stadt Dujiangyn haben sich im Zipingpu-Damm sich äußerst gefährliche Risse gebildet, heißt es in einem Bericht von Xinhua. Auf einer Behörden-Website heißt es, insgesamt seien 391 Dämme durch die schwere Erdstöße beschädigt worden. Die Regierung in Peking setzt 2000 Soldaten zur Sicherung der Dämme ein.
Die offizielle Zahl der Toten gab Xinhua mit knapp 15.000 an. Doch das wahre Ausmaß der Katastrophe scheint noch immer nicht absehbar: Die Opferzahlen könnten noch deutlich steigen, wenn mehr Verschüttete aus den Trümmern geborgen werden. Darüber hinaus konnten die Rettungskräfte in viele Ortschaften in Wenchuan noch gar nicht vordringen.
Im Gegensatz zu früheren Katastrophen berichteten die staatlichen Medien ausführlich über das Erdbeben. Das Staatsfernsehen unterbrach sein Programm und berichtete rund um die Uhr über die Lage im Katastrophengebiet. Auch Ministerpräsident Wen war präsent und begleitete die Rettungsbemühungen. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei hat diesen Ort nicht vergessen, sagte er nach einem Hubschrauberflug nach Wenchuan.
100.000 Helfer im Einsatz
Schlechtes Wetter und heftige Regenfälle hatten Hilfseinsätze aus der Luft zeitweise unmöglich gemacht. Erst am Mittwoch konnten fünf Hubschrauber der Streitkräfte Wasser, Lebensmittel und Medikamente in die Stadt Yingxiu. Zuvor hatten sich Soldaten zu Fuß einen Weg ins Krisengebiet gebahnt. Die Regierung in Peking hat bis zu 50.000 Soldaten für den Hilfseinsatz mobilisiert, insgesamt sollen sich 100.000 Helfer um das Überleben der Bebenopfer bemühen.
Das Beben der Stärke 7,9 richtete am Montag in ganz Zentralchina schwere Schäden an. Am schwersten betroffen ist die Provinz Sichuan. Immer wieder wurde die Region von starken Nachbeben erschüttert. Zehntausende Menschen, die durch das Beben das Dach über dem Kopf verloren haben, verbrachten die Nacht zum Mittwoch erneut im Freien. Nachbeben bis zu einer Stärke von 5,8 erschütterten die Region weiter und schreckten die verängstigten Menschen zusätzlich auf.
Soforthilfen für die Opfer bereitgestellt
Papst Benedikt XVI. sagte am Mittwoch, er bete für die Opfer des Erdbeben. Er habe außerdem um Gottes Hilfe für die Helfer gebeten, erklärte der Papst im Vatikan.
Deutsche Hilfsorganisationen stellten erste Soforthilfen für die Erdbebenopfer in China bereit. Caritas spendete 100.000 Euro für lokale Partnerorganisationen, die die Verteilung von Lebensmitteln, Trinkwasser und Zeltplanen vorbereiteten. Die Organisation humedica stellte 10.000 Euro zur Verfügung.
Die Sprecherin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe der Unions-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach, begrüßte den offenen Umgang der chinesischen Führung mit der Katastrophe. Chinesische Journalisten dürfen erstmalig live und kritisch aus den betroffenen Gebieten berichten: Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, für China aber ein Novum, erklärte die CDU-Politikerin.
Spendenaufrufe
Einige Hilfsorganisationen rufen in Deutschland zu Spenden für die Erdbebenopfer in China auf. Die Spendenkonten:
Diakonie Katastrophenhilfe: Konto 502 707, Postbank Stuttgart, BLZ 600 100 70 oder www.diakonie-katastrophenhilfe.de/erdbeben-china, Stichwort: Erdbeben China
Caritas international: Konto 202, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00 oder www.caritas-international.de, Stichwort: Erdbeben China
humedica e.V.: Konto 47 47, Sparkasse Kaufbeuren, BLZ 734 500 00, Stichwort: Erdbebenhilfe China
Deutsches Rotes Kreuz: Konto 41 41 41, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Stichwort: China
Oxfam Deutschland e. V.: Konto 13 13 13, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Stichwort: Erdbeben China
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, F.A.Z., REUTERS
