Erdbeben

In Südamerika droht das große Beben

Bild der Zerstörung: Camana in Peru

Bild der Zerstörung: Camana in Peru

27. Juni 2001 Mindestens 102 Tote, rund 1.400 Verletzte und etwa 46.000 Obdachlose sowie großer Sachschaden - das ist nach offiziellen Angaben die vorläufige schlimme Bilanz des Erdbebens vom vergangenen Wochenende in Peru und Chile. Doch die Befürchtungen der Seismologen gehen noch weiter. Sie glauben, dass der jüngste Erdstoß nur ein Vorbote des seit langem erwarteten ganz großen Bebens in der Region war.

Ein wichtiges Indiz dafür, dass die Katastrophe näher rückt, sei die Stärke des aktuellen Bebens von 7,9 auf der Richterskala, betonte der Seismologe Mario Pardo von der Universität von Chile in Santiago. Indirekt unterstützt wurde er vom Geologischen Institut im amerikanischen Bundesstaat Colorado, dass seine Messergebnisse nach oben korrigierte. Demnach hatten die Erschütterungen sogar die Stärke 8,1.

Katastrophenbeben steht statistisch unmittelbar bevor

Die Seismologen begründen ihre Voraussagen mit den ihnen vorliegenden geologischen Daten. Die Erdbeben an der südamerikanischen Pazifikküste entstehen dadurch, dass die ozeanische Nazca-Platte sich stetig unter die südamerikanische Kontinentalplatte schiebt; der Meeresboden also sozusagen permanent unter das Festland gedrückt wird. Dabei entsteht Energie, die in regelmäßigen Abständen frei wird. Das Ergebnis sind Erdbeben. Mehrere Regionen in Chile werden auf Grund dieser Vorgänge statistisch gesehen alle 100 bis 120 Jahre von einem verheerenden Beben heimgesucht. In der jetzt erschütterten Region ereignete sich ein so schwerer Erdstoß zuletzt 1877 - demzufolge steht eine neuerliche Katastrophe vor der Tür. Seismologe Pardo rechnet innerhalb der kommenden zehn Jahre damit. Exakte Vorhersagen von Erdbeben sind bisher nicht möglich.

Nach Ansicht der chilenischen Seismologen sollten die Notfallpläne in der gefährdeten Region jedoch bereits jetzt überarbeitet werden, um die Folgen des unvermeidlichen Naturereignisses so gering wie möglich zu halten. Schon die Auswirkungen des aktuellen Bebens sind erheblich. Tausende vollkommen mittellose Menschen versuchen derzeit ihre einfachen Behausungen wieder aufzubauen. „Wir haben nichts, nicht einmal ein Blech für das Dach“, berichtet ein Betroffener. In Arequipa sind viele Straßen für den Verkehr gesperrt, um die stark in Mitleidenschaft gezogenen historischen Gebäude nicht weiter zu gefährden.

Soforthilfe durch EU und Rotes Kreuz

Die Europäische Union stellte inzwischen 2,25 Millionen Mark Soforthilfe zur Verfügung, eine weitere Million hat die Bundesregierung zur Verfügung gestellt. Damit soll zunächst einmal das Notwendigste finanziert werden. Weitere Hilfen wurden in Aussicht gestellt. Das Internationale Rote Kreuz flog Zelte, Decken und Nahrungsmittel in das Krisengebiet und bat um Spenden für die Erdbebenopfer. Etwa eine Millionen Dollar würden benötigt, hieß es.

Text: @dho, mit Material von AFP und AP
Bildmaterial: AP

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