Ermittlungen in Ludwigshafen

Unklarheit über Aussagen von Mädchen zu Brandstiftern

22. Februar 2008 Fast drei Wochen nach der Ludwigshafener Brandkatastrophe mit neun Toten herrscht weiterhin Unklarheit über die Aussagen von zwei Mädchen zu einem möglichen Brandstifter. Der Südwestrundfunk (SWR) berichtete unter Berufung auf Ermittler, die beiden acht und neun Jahre alten Mädchen hätten ihre Aussagen zurückgenommen. Dagegen zitierte der private Radiosender Regenbogen am Abend den Vater eines der beiden Mädchen mit den Worten: „Die Aussage wurde nicht zurückgezogen.“

Der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Lothar Liebig, wollte den Bericht über eine Rücknahme der Aussage nicht bestätigen. Die Polizei erklärte am Abend, sie könne zu den Aussagen keine Auskünfte geben. Die Kinder hatten behauptet, vor Ausbruch des Feuers in dem Wohnhaus einen Mann beim Zündeln beobachtet zu haben. Bei dem Brand in dem von türkischen Familien bewohnten Haus waren am 3. Februar neun Frauen und Kinder gestorben sowie 60 Menschen verletzt worden.

Psychologe soll Zeugenaussagen bewerten

Der SWR berichtete, schon vor einer Woche habe sich eines der Mädchen von der ursprünglichen Schilderung distanziert. In dieser Woche habe auch die zweite junge Zeugin ihre Aussage zurückgezogen. Der Vater sagte laut einer Mitteilung des Radiosenders Regenbogen dagegen: „Dies ist irgendeine Lüge.“

Liebig sagte lediglich, ein Psychologe solle die Zeugenaussagen erst noch bewerten. Allerdings gebe es außer den Mädchen keine weiteren Zeugen, die unmittelbar eine Brandstiftung beobachtet haben wollten. Nach den Worten des Chefermittlers stehen die Vernehmungen von insgesamt mehr als 100 Zeugen kurz vor dem Abschluss. Mitte nächster Woche sollen die Brandsachverständigen ihr Gutachten vorlegen. Die Ursache des Feuers ist nach wie vor unklar. Der Brand war im Keller des viergeschossigen Altbaus ausgebrochen.

Brandstiftung noch nicht ausgeschlossen

Unterdessen arbeiten die Ermittler weiter an einem technischen Gutachten zur Brandursache, das den Behörden laut Liebig am kommenden Mittwoch oder Donnerstag vorgelegt werden soll. Einen Termin, zu dem die Ergebnisse auch der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden, nannte Liebig indes nicht.

Das Brandgutachten, an dem Spezialisten von Bundes- und Landeskriminalamt sowie zwei unabhängige Sachverständige arbeiten, soll Aufschlüsse darüber liefern, wie das Feuer ausbrach. Nach derzeitigem Ermittlungsstand gehen die Behörden davon aus, dass sich die Flammen vom Keller her ausbreiteten. Liebig betonte indes abermals, dass nach wie vor sowohl vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung als auch ein technischer Defekt als Brandursache in Frage komme.

Zeugen aus der Türkei zurückgekehrt

Eine Polizeisprecherin sagte, die Ermittler konzentrierten sich derzeit weiter auf die Vernehmungen von Zeugen, die in dieser Woche aus der Türkei zurückkehrten. Viele Bewohner des Hauses waren zur Beerdigung der neun Toten in ihre Heimat gereist und konnten daher noch nicht befragt werden. Von 187 Spuren hätten die Ermittler inzwischen 171 geklärt, 16 weiteren Spuren und Hinweisen werde noch nachgegangen, sagte die Polizeisprecherin. Die Untersuchungen in der Brandruine seien abgeschlossen. Spezialisten seien weiter damit beschäftigt, die Ergebnisse auszuwerten.

Bei dem Feuer in dem ausschließlich von Türken bewohnten Haus waren am Fastnachtssonntag neun Menschen getötet und mehr als 60 verletzt worden. Sechs Verletzte werden noch im Krankenhaus behandelt.

Türkische Kritik an Ermittlungen

Zuletzt verlautete aus der Türkei, Beamte des türkischen Innenministeriums hätten die deutsche Polizei kritisiert, weil sie auch drei Wochen nach dem Brand in Ludwigshafen noch keine Aussagen über die Ursachen, den Aussagen der zwei türkischen Mädchen aber keinen Glauben schenkten.

Das schrieb die regierungsnahe Zeitung „Zaman“ am Freitag. Die vier nach Deutschland entsandten türkischen Experten werden nach Angaben von „Zaman“ in der kommenden Woche nach Ankara zurückkehren, um Ministerpräsident Erdogan und Innenminister Atalay einen vertraulichen Bericht vorzulegen.



Text: FAZ.NET mit ddp, dpa
Bildmaterial: ddp, dpa, picture-alliance/ dpa

 
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