Von Peter-Philipp Schmitt
13. September 2007 Die Enttäuschung mag bei manchem Schoppenpetzer“ groß sein: Ebbelweiwirte stammen nicht alle aus uralten Frankfurter Familien, sind demnach auch nicht unbedingt bodenständig verwurzelt“, wie es in den Stöffche-Führern“ heißt. Genau 65 Wirte hatten sich 1919 in der Vereinigung der Äpfelweinkeltereien mit eigenem Ausschank“ zusammengeschlossen, um auf die Qualität des Stöffches zu achten.
Die war vor allem unter den Franzosen verkommen, saure Apfel-Jahrgänge wurden mit Honig oder Zuckerbirnenmost versüßt, später auch mit chemischen Zusätzen. Das ist lange vorbei. Heute kann fast jeder eine Ebbelweiwirtschaft – allerdings ohne Kelterei – eröffnen, überall, sogar im Westend, das jahrhundertelang ohne Heckenwirtschaft auskommen musste.
Bembel und Gerippte in Reih und Glied
Folgt man den offiziellen Stöffche“- Wegweisern, käme man wohl nie auf die Idee, im Haus Nummer 87 an der Bockenheimer Landstraße einzukehren. Das Apfelweinlokal Kunze“ indes sollte jeder Ebbelweifreund einmal besuchen – allein schon wegen der guten Küche. Das Kunze“, schräg gegenüber vom ehemaligen Literaturhaus, an das noch immer das ausnehmend angenehme Café im Literaturhaus“ erinnert, wirkt urig hinter seiner Gründerzeitfassade.
Vor der Tür befindet sich ein kleiner Garten mit Tischen und Bänken, und auch unter den herrlichen Stuckdecken im Hochparterre stehen nur einfache Garnituren zum Sitzen. Wenig scheint sich also seit der legendären Tangente“ geändert zu haben, auch wenn zwischenzeitlich die Pächter rasch wechselten und sogar ein Chinese (Emperor’s Choice“ oder so ähnlich) in dem alten Gebäude untergekommen war.
Doch erst seit Sylke Reichert, gelernte Bankkauffrau, und ihr Ehemann Andreas, ehemals Küchenchef in der Sachsenhäuser Warte, vor gut zwei Jahren ihr Kunze“ eröffneten, hat sich alles zum Besten gewendet. Bembel und Gerippte stehen in Reih und Glied, der Service ist freundlich, die Portionen sind groß. Die Ebbelwei-Cuisine“ wird, wie es heißt, zeitgenössisch interpretiert“. Der Rest ist Geschmackssache: Wie wäre ein Kunze Royal (3,80 Euro), Ebbelwei mit Erdbeeren und Ebbelsekt aufgegossen, zu Hessen-Tapas – alle Hauptgerichte gibt es für zwei bis drei Euro auch als kleine Appetitanreger –, und danach einen hausgemachten Milchreis? Wohl nichts für echte Schoppenpetzer“ und vielleicht der Grund, warum das Kunze“ (noch) nicht im Stöffche-Führer“ erwähnt wird.
„Apfelweinlokal Kunze“, Bockenheimer Landstraße 87, Westend, Telefon 74 30 90 70. Geöffnet täglich von 11.30 bis 15 und von 17 bis 1 Uhr, samstags von 17 bis 1 Uhr, sonntags Ruhetag.
Text: F.A.Z.
Fußball-Bundesliga, 3. Spieltag: Bayer beendet Hoffenheims ![]()
Gar zierlich: Zeichnungen bei Fichter in Frankfurt
2:3 in Mönchengladbach: Auch Diego kann Bremen nicht helfen
1:0 gegen Bochum: Schalker Leistung reicht für Bundesliga-Spitze
2:2 in Wolfsburg: Toski rettet der Eintracht einen Punkt in Wolfsburg