13. Februar 2007 Der sächsische Innenminister Buttolo hat als erste Reaktion auf die Krawalle in Leipzig angekündigt, er werde keine italienischen Verhältnisse in seinem Bundesland zulassen. Wenn mit italienischen Verhältnissen nicht allein ein toter Polizist gemeint ist, sondern Straßenschlachten mit zahlreichen Verletzten, marode Stadien mit schlampigen Einlasskontrollen, Verrohung von Zurückgebliebenen in einer sich immer tiefer spaltenden Gesellschaft aus Modernisierungsgewinnern und -verlierern sowie ignorante Fußballfunktionäre - dann bedarf es hierzulande nicht mehr solch weit hergeholter Warnungen. Italienische Verhältnisse sind in Deutschland schon länger traurige Wirklichkeit, nicht erst seit den Gewaltexzessen von achthundert Hooligans am Samstag in Leipzig.
Auch die Reaktionen der beiden großen Fußballnationen, wenn der Lieblingssport ihrer Gesellschaften seine Fratze zeigt, sind nahezu identisch. Wie in Italien will nun auch in Deutschland die Politik nicht mehr mitspielen, wenn Leib und Leben von Beamten und Zuschauern regelmäßig in Gefahr geraten. Geisterspiele oder eine Spieltagsabsetzung sind nach den Ausschreitungen auch im deutschen Osten nicht mehr fern. Die einschneidenden Maßnahmen sind aber auch das Eingeständnis, dass der Sport und die Politik an der präventiven Lösung des Gewaltproblems bisher kläglich gescheitert sind.
Ad-hoc-Maßnahmen wirkungslos
Vor gut drei Monaten hatte der Deutsche Fußball-Bund unter dem Eindruck von massiven Gewalttaten, rassistischen und antisemitischen Schmähungen eine Task Force gegründet, einen hauptamtlichen Sicherheitsbeauftragten berufen und die Stelle einer Integrationsbeauftragten geschaffen. Zu den Ad-hoc-Maßnahmen gehörte auch, dass den Klubs nun auch erstmals sportrechtliche Sanktionen angedroht wurden - geholfen hat das alles nichts.
Schon am ersten Spieltag des neuen Jahres ist in der Amateurklasse, wohin die Täter nun schon seit Jahren angesichts der hohen Sicherheitsstandards in und um die Stadien der Profiklubs ausweichen, die Gewalt zurückgekehrt; heftiger als zuvor. Polizeigewerkschaft und Fanforscher sprechen von einer neuen Dimension nach den gezielten Angriffen auf die 300 eingesetzten Beamten. DFB-Präsident Zwanziger hatte schon nach den Ausschreitungen im Herbst im Namen des viel zu lange achselzuckenden Verbandes dessen Verantwortung für die Schläger im Zeichen des Fußballs erstmals akzeptiert.
Aber die Verantwortung, die der DFB endlich übernommen hat, kann nur eine Mitverantwortung sein. Bei Fanprojekten etwa - die zwar nicht alle Probleme lösen, aber sich vielfach bewährt haben - hat sich gerade Sachsen aus der gemeinsamen Finanzierung mit dem DFB zurückgezogen. Bei solchen Idioten helfen keine Sozialisierungsprogramme, sagt nun der sächsische Staatskanzleichef Winkler. Er fordert schnellen Prozess und eine harte Hand. Wenn dies der einzige Beitrag der Politik bleiben sollte, wird der Fußball-Krieg im Osten noch lange dauern.
Text: F.A.Z. vom 13. Februar 2007
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