Kommentar

FC Italia Deutschland

Von Michael Horeni

13. Februar 2007 Der sächsische Innenminister Buttolo hat als erste Reaktion auf die Krawalle in Leipzig angekündigt, er werde keine „italienischen Verhältnisse“ in seinem Bundesland zulassen. Wenn mit italienischen Verhältnissen nicht allein ein toter Polizist gemeint ist, sondern Straßenschlachten mit zahlreichen Verletzten, marode Stadien mit schlampigen Einlasskontrollen, Verrohung von Zurückgebliebenen in einer sich immer tiefer spaltenden Gesellschaft aus Modernisierungsgewinnern und -verlierern sowie ignorante Fußballfunktionäre - dann bedarf es hierzulande nicht mehr solch weit hergeholter Warnungen. „Italienische Verhältnisse“ sind in Deutschland schon länger traurige Wirklichkeit, nicht erst seit den Gewaltexzessen von achthundert Hooligans am Samstag in Leipzig.

Auch die Reaktionen der beiden großen Fußballnationen, wenn der Lieblingssport ihrer Gesellschaften seine Fratze zeigt, sind nahezu identisch. Wie in Italien will nun auch in Deutschland die Politik nicht mehr mitspielen, wenn Leib und Leben von Beamten und Zuschauern regelmäßig in Gefahr geraten. Geisterspiele oder eine Spieltagsabsetzung sind nach den Ausschreitungen auch im deutschen Osten nicht mehr fern. Die einschneidenden Maßnahmen sind aber auch das Eingeständnis, dass der Sport und die Politik an der präventiven Lösung des Gewaltproblems bisher kläglich gescheitert sind.

Ad-hoc-Maßnahmen wirkungslos

Vor gut drei Monaten hatte der Deutsche Fußball-Bund unter dem Eindruck von massiven Gewalttaten, rassistischen und antisemitischen Schmähungen eine Task Force gegründet, einen hauptamtlichen Sicherheitsbeauftragten berufen und die Stelle einer Integrationsbeauftragten geschaffen. Zu den Ad-hoc-Maßnahmen gehörte auch, dass den Klubs nun auch erstmals sportrechtliche Sanktionen angedroht wurden - geholfen hat das alles nichts.

Schon am ersten Spieltag des neuen Jahres ist in der Amateurklasse, wohin die Täter nun schon seit Jahren angesichts der hohen Sicherheitsstandards in und um die Stadien der Profiklubs ausweichen, die Gewalt zurückgekehrt; heftiger als zuvor. Polizeigewerkschaft und Fanforscher sprechen von einer „neuen Dimension“ nach den gezielten Angriffen auf die 300 eingesetzten Beamten. DFB-Präsident Zwanziger hatte schon nach den Ausschreitungen im Herbst im Namen des viel zu lange achselzuckenden Verbandes dessen Verantwortung für die Schläger im Zeichen des Fußballs erstmals akzeptiert.

Aber die Verantwortung, die der DFB endlich übernommen hat, kann nur eine Mitverantwortung sein. Bei Fanprojekten etwa - die zwar nicht alle Probleme lösen, aber sich vielfach bewährt haben - hat sich gerade Sachsen aus der gemeinsamen Finanzierung mit dem DFB zurückgezogen. „Bei solchen Idioten helfen keine Sozialisierungsprogramme“, sagt nun der sächsische Staatskanzleichef Winkler. Er fordert schnellen Prozess und eine harte Hand. Wenn dies der einzige Beitrag der Politik bleiben sollte, wird der Fußball-Krieg im Osten noch lange dauern.



Text: F.A.Z. vom 13. Februar 2007
Bildmaterial: ddp

Dynamo Dresden

Vermummte Hooligans machen Jagd auf Spieler

Rund 50 vermummte Hooligans haben die zuletzt erfolglosen Fußballspieler von Dynamo Dresden auf dem Trainingsgelände attackiert - eine neue Qualität der Gewalt. Die Dynamo-Fans haben eine lange Krawalltradition. Aus Dresden berichtet Reiner Burger. Von Reiner Burger, Dresden

Fußball-Krawalle

Sicherheitspaket für Bezirksliga

Wegen der Fußball-Krawalle von Leipzig sucht die Polizei mit neuen Fahndungsfotos nach weiteren Verdächtigen. Beim Bezirksligaspiel von Lok Leipzig gegen den SSV Stötteritz soll zum ersten Mal das neue Sicherheitskonzept umgesetzt werden.

Fußball-Krawalle

Schäuble: Klubs müssen Gewalttäter ächten

Nach den Ausschreitungen in Leipzig hat Bundesinnenminister Schäuble die Vereine ermahnt, gegen Hooligans vorzugehen. „Zudecken, Beschwichtigen und Schweigen gilt nicht mehr“, sagte er. Untätigen Klubs drohe „der Ausschluss aus der Fußballfamilie“.

Nach den Krawallen

„Ich werde Namen nennen, alle“

Nach den schweren Fußball-Krawallen in Leipzig ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen schweren Landfriedensbruchs gegen sieben Verdächtige. Nach acht bisher noch nicht identifizierten Personen wird nun mit Fahndungsfotos gesucht.

Fußball-Krawalle

Lok Leipzig und die Polizei: Gemeinsam gegen Hooligans

Nach den Fan-Krawallen vom vergangenen Wochenende bei Lok Leipzig wollen Spieler und Polizeibeamte nun an einem Strang ziehen.

Harte Strafe für Catania

Krawalle kommen Fußball-Italien teuer zu stehen

Das Stadion von Catania Calcio bleibt nach den tödlichen Krawallen bis zum Sommer gesperrt, die Chancen Italiens für die Ausrichtung der EM 2012 scheinen dahin. In Livorno muss sogar im Uefa-Cup vor leeren Rängen gespielt werden.

Fußball

Lok Leipzig nach den Fan-Krawallen

Der sächsische Bezirksligist Lok Leipzig hat nach den schweren Zuschauer-Ausschreitungen vom Wochenende erstmals wieder trainiert. Trainer und Kapitän distanzierten sich vom Verhalten der gewalttätigen Besucher, können die Absage von rund 60 Spielen in Sachsen aber nicht nachvollziehen.

Krawalle

Allein gegen die Gewalt

Udo Ueberschär leitet das Fanprojekt Leipzig und betreut im Alleingang Sachsen Leipzig und Lok Leipzig. Der Gewaltexzess am vergangenen Wochenende hat ihn nicht überrascht. „Ich habe immer davor gewarnt, dass der Deckel wegfliegt“.

Reaktion auf Krawalle

Zwangspause für Fußball in Sachsen

Nach den Krawallen von Leipzig hat der Sächsische Fußball-Verband rund 60 Spiele am Wochenende abgesetzt. „Es ist ein symbolischer Akt. Wir mussten Zeichen setzen“, sagte Verbands-Präsident Klaus Reichenbach. Zudem drohe Lok Leipzig der Ausschluss aus seiner Spielklasse.

Nach den Krawallen in Leipzig

DFB droht mit „Geisterspielen“

Nach der Fußball-Randale in Leipzig droht der DFB mit Spielabsagen in von Krawallen betroffenen Gebieten. Für die Polizei war es „Glück“, dass niemand gestorben ist. Die Gewalttäter sind wieder auf freiem Fuß.

Brandenburg

Feuerwehr und Fußball

Die NPD versucht in Brandenburg mit Bürgersprechstunden, Kinderfesten und Hausbesuchen neue Wähler zu gewinnen. Rechtsradikale sind schon Teil des Stadtbilds. Besonders in Fußballstadien fallen sie durch rassistische Parolen auf.

Geisterspieltag in Italien

Ultras kapitulieren nicht in ihrem Krieg

Die ersten Spiele vor leeren Rängen schufen im italienischen Fußball eine „irreale Atmosphäre“. Fans protestierten, in Rom wurde die Schweigeminute für den jüngst getöteten Polizisten zerpfiffen. Der Schaden ist immens. Aus Italien berichtet Dirk Schümer.

36 Polizisten verletzt

Wie in Italien: 800 Hooligans, Krawalle, Schüsse

Mit einer brutalen Straßenschlacht in Leipzig hat der ostdeutsche Fußball wieder für negative Schlagzeilen gesorgt. Rund 800 Randalierer griffen 300 Beamte an. Dabei sind 36 Polizisten und sechs Zivilisten verletzt worden.

Gewalt in Stadien

Trauerspiel in Italien

Die Stadien werden geöffnet, das Milliardenspiel geht auch nach dem brutalen Tod des Polizisten in Italien weiter. Was auch sonst? Wichtig ist nun, unter welchen Bedingungen der geliebte Fußball gespielt wird. Ein Kommentar von Dirk Schümer.

Fußball in Italien

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Die italienische Fußballszene kommt nicht zur Ruhe: Der Fall des ermordeten Polizisten Filippo Raciti in Catania zeigt, wie das Land der „Tifosi“ in einem Sumpf aus Korruption, Betrug und Hooliganismus unterzugehen droht.

Fußball-Krawalle

Tatverdächtiger bestreitet Polizisten-Mord

„Man will meinen Sohn zum Sündenbock machen“, sagte der Vater des unter Mordverdachts stehenden Jugendlichen. Dessen Rechtsanwalt betonte, sein Mandant habe lediglich die Beteiligung an den Ausschreitungen gestanden.

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Jugendlicher Hooligan unter Mordverdacht

Der Tod des Polizisten Filippo Raciti bei den Fußball-Krawallen in Catania steht vor der Aufklärung. Ein Tatverdächtiger ist auf einem Videoband identifiziert worden. Aus Sicherheitsgründen werden am Wochenende elf von 21 Spielen ohne Publikum stattfinden.

Feyenoord ausgeschlossen

Der Verein haftet für seine Fans

Der Uefa-Cup-Ausschluss von Feyenoord Rotterdam wegen Ausschreitungen seiner Fans ist endgültig. Der internationale Sportgerichtshof CAS bestätigte zudem die Geldstrafe in Höhe von 61.500 Euro. Der neue Uefa-Präsident Platini begrüßte die Entscheidung.