Nach dem Dopingfall Ricco

Saunier Duval steigt aus dem Radsport aus

23. Juli 2008 Saunier Duval hat die Konsequenzen aus dem Doping-Skandal um Riccardo Ricco bei der Tour de France gezogen und stellt mit sofortiger Wirkung das Radsport-Sponsoring beim spanischen Rennstall ein. Das berichtet die französische Sporttageszeitung L'Equipe am Mittwoch.

Die Entscheidung von Saunier Duval, das zur deutschen Vailllant-Gruppe gehört und Heiz- sowie Klimageräte herstellt, folgte damit nur sechs Tage nach dem Skandal um Ricco. Der Bergspezialist und zweimalige Etappengewinner war bei der Tour positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet worden.

Krisengipfel in Remscheid

Nach Bekanntwerden des dritten Dopingfalls der diesjährigen Tour hatte sich die spanische Rad-Equipe von der 95. Frankreich-Rundfahrt zurückgezogen. Zudem entließ die Teamleitung Ricco und dessen Landsmann Leonardo Piepoli, der nach einem spanischen Zeitungsbericht Doping zugegeben haben soll. Piepoli hatte die schwere Pyrenäen- Etappe nach Hautacam gewonnen.

„Wir betreiben Sportsponsoring unter der Prämisse eines ehrlichen und fairen Wettbewerbs. Die jüngsten Ereignisse sind mit diesen Vorstellungen nicht vereinbar“, erklärte Saunier-Duval-Generalsekretär Thierry Leroy nach dem Remscheider Krisengipfel in einer Pressemitteilung vom Mittwoch. Damit sind dutzende Mitarbeiter auf einen Schlag arbeitslos. Es sei klar, dass an der Entscheidung, die bereits am Dienstag getroffen wurde, „auch die deutsche Geschäftsführung beteiligt ist“, sagte Wichtermann.

Fahnder arbeiten mit Cera-Hersteller zusammen

Der ursprünglich bis 2013 laufende Vertrag zwischen Vaillant und Saunier Duvall wurde gelöst. Die Zukunft des spanischen Teams sah nach den jüngsten Skandalen ohnehin nicht rosig aus. So hatten bereits die Veranstalter der Deutschland-Tour eine Teilnahme des Teams an der am 29. August beginnenden Rundfahrt ausgeschlossen.

Ricco ist bei der Tour de France mit Hilfe des Herstellers des im Sport verbotenen Medikaments Cera als Doper entlarvt worden. Das sagte der australische Chef der Anti- Doping-Agentur WADA, John Fahey, am Mittwoch im australischen Rundfunk ABC. Der Pharmakonzern Roche habe auf Wunsch der Doping-Fahnder ein besonderes Molekül in dem Mittel verwendet, das den Nachweis möglich mache.

Ricco wahrscheinlich ausgetrickst

Der Fahrer habe wahrscheinlich angenommen, dass die Substanz Cera nicht nachgewiesen werden könne. „Ich kann nicht die Details preisgeben“, sagte Fahey. „Es geht um Cera, eine legale Substanz gegen Anämie.“ Um Dopingsünder zu finden, werde die Zusammenarbeit mit den Pharmaherstellern immer wichtiger. „Je mehr die Pharmafirmen mit den Wissenschaftlern kooperieren, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass bei Tests auch etwas nachgewiesen wird,“ sagte Fahey.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, REUTERS

 
 
 
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche