11. Mai 2008 Fabian Hambüchen hat am Sonntag zum dritten Mal bei Turn-Europameisterschaften die Goldmedaille am Reck erkämpft. Mit einer Bravourleistung an seinem Paradegerät und der Traumnote 16,025 krönte der 20-jährige Turn-Profi seine Glanzleistung bei den Titelkämpfen in Lausanne. Nach Silber mit dem Team und Bronze am Boden nimmt er einen kompletten Medaillensatz mit nach Hause.
Alles lief perfekt. Ich bin superglücklich, aber auch ganz schön müde und kaputt, sagte der Champion erleichtert. Seinen goldenen Hattrick am Reck nach Debrecen 2005 und Amsterdam 2007 verdiente sich der deutsche Ausnahmeturner mit der bei weitem schwierigsten Übung der Konkurrenz, die er unter dem Jubel von über 3.500 Zuschauern sauber durchturnte und sicher in den Stand brachte.
Lange hatte der Hesse überlegt, ob er in Lausanne erstmals seine geplante Peking-Übung zeigen soll. Nachdem aber die Konkurrenz nicht schwieriger turnte als im Vorkampf, entschied er sich für die sichere Variante mit Ausgangswert 7,0 und vermied unnötiges Risiko. Zwei Turner vor mir habe ich mich entschieden. Aber nicht wegen der Konkurrenten, sondern weil mich der Tag schon sehr geschlaucht hatte, und ich mich nicht mehr topfit gefühlt habe, begründete er seine Entscheidung, die sich am Ende als goldrichtig erwies. Er hat heute eine durchweg konzentrierte Leistung abgeliefert. Mein Respekt, lobte Cheftrainer Andreas Hirsch.
Schwierige Übung mit Standproblemen
Der kraftraubende und nervenaufreibende Tag mit vier Final-Chancen hatte für Hambüchen mit einer Premiere begonnen. Am Boden gewann er trotz seines nach wie vor schmerzenden und daher getapten Fußes mit Bronze (15,375) seine erste Medaille bei internationalen Meisterschaften an diesem Gerät. Mit einem Ausgangswert von 6,6 bot er auch am Boden die schwierigste Übung der Konkurrenz an. Beim Doppelsalto mit Doppelschraube musste er jedoch die Fläche verlassen und hatte auch beim Temposalto Standprobleme, was Abzüge zur Folge hatte und dem Russen Anton Golozuzkow (15,700) den Weg zum Titel ebnete.
Am Barren und Sprung wehrte er sich mit gelungenen Darbietungen gegen die Geräte-Spezialisten, kam aber noch nicht an deren Schwierigkeitsgrade heran und wurde an beiden Geräten Fünfter. Fehlerfrei präsentierte er seine Barren-Übung (15,700), war aber gegen den elegant turnenden Titelverteidiger Mitja Petkovsek aus Slowenien (16,025) chancenlos.
Weber patzte am Reck
Beim Sprung waren die Medaillen-Hoffnungen angesichts des leichteren zweiten Sprunges gegenüber den Spezialisten am geringsten, doch auch hier zog sich Hambüchen beim Sieg von Weltmeister Leszek Blanik (Polen/16,562) überaus respektabel aus der Affäre. Bis Peking will er nun den Doppel-Überschlagsalto noch in sein Programm aufnehmen, um bei den Spielen noch konkurrenzfähiger zu sein.
Robert Weber aus Ehmen, der zweite Deutsche im Reck-Endkampf, patzte bei der gestreckten Tkatschew-Grätsche und musste bei seinem ersten internationalen Final-Wettkampf mit dem 7. Platz (14,225) vorliebnehmen. An den Ringen glänzte der Niederländer Yuri van Gelder mit einer überaus schwierigen Übung und erkämpfte seinen zweiten EM-Titel nach 2005. Am Seitpferd war der Ungar Krisztian Berki der Chef an der Pausche und holte sich mit großem Vorsprung seinen drittes EM-Gold (16,025).
Text: dpa
Bildmaterial: AP, dpa
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