Boxen

Witali Klitschko zurück in der Gefahrenzone

Von Hans-Joachim Leyenberg

Dr. Faust ist zurück

Dr. Faust ist zurück

25. Januar 2007 Jetzt also auch Witali Klitschko. Der ehemalige Weltmeister im Schwergewicht hat sein Comeback angekündigt. Er will wieder ganz oben weitermachen, bei seiner Rückkehr in den Ring den aktuellen WBC-Champion Oleg Maskajew herausfordern. Spätestens im Mai, in Moskau. Die Statuten des Weltverbandes lassen verdienten Ruheständlern die Möglichkeit der Rückkehr ins Rampenlicht durch die Hintertür. Als „Champion Emeritus“ genießt Witali Klitschko einen Sonderstatus. Der offizielle Pflichtherausforderer Samuel Peter muss warten. Er hat quasi den Schwarzen Peter gezogen.

Was den zwei Zentimeter größeren und fünf Jahre älteren Bruder des IBF-Titelträgers Wladimir Klitschko treibt? Das Geld ist es nicht. Er will wieder was um die Ohren haben, nachdem der Ukrainer bei seinem Anlauf, Bürgermeister von Kiew zu werden, knapp gescheitert ist. Der Wahlkampf und sein Ausgang waren unbefriedigender als die Karriere im Ring. Dort haben den Hünen nur Verletzungen stoppen können. Nach einem Muskelriss in der linken Schulter, dem Riss des Kreuzbandes im linken Knie, einem Bandscheibenvorfall mit Operation, Muskelfaserriss im linken Oberschenkel und einer Rücken-Operation im Zeitraum vom April 2000 bis April 2005, kapitulierte er schließlich am 9. November 2005 vor den Signalen seines Körpers.

„Gemeinsam mit dem Bruder Weltmeister sein“

Davon ist nicht mehr die Rede. Mit 35 Jahren sei er jetzt im besten Boxeralter und deshalb wolle er sich einen Lebenstraum erfüllen: „Gemeinsam mit meinem Bruder Wladimir Weltmeister zu sein. Dieses Ziel ist so nahe wie nie zuvor.“ In der Tat ist der Russe Maskajew ein verlockendes Sonderangebot auf dem Markt der schwächelnden Schwergewichts-Klasse. Wie auch immer - der Champion begibt sich wie schon so viele vor ihm, die es nicht lassen konnten, zurück in die Gefahrenzone.

Verführt von der Vorstellung, immer noch besser zu sein als all diejenigen, die nach ihnen kamen. Axel Schulz erlag dem Irrtum, Henry Maske steht die ultimative Probe am 31. März noch bevor. Ein paar Wochen später versucht sich Witali Klitschko. Selbst wenn das Wagnis glückt: Irgendwann wird es zu den letzten Kampfhandlungen kommen, ist der letzte Punch ausgeteilt und eingesteckt. Vielleicht werden es am Ende mehr sein, als der stärkste Mann der Welt verträgt, aber das wird man erst hinterher wissen.

Text: F.A.Z. vom 26. Januar 2007
Bildmaterial: AFP, AP, dpa

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