Von Frank Heike, Kiel
11. Mai 2008 Zunächst hatte es so ausgesehen, als würde Dominik Klein an diesem Sonntag gar nicht auflaufen können. Es waren kaum vier Minuten gespielt, und Klein ging mit seiner typisch unbekümmerten Spielweise mitten drauf auf die Deckung von Ciudad Real. Dort aber standen Didier Dinart und David Davis.
Dinart ist groß und ein harter Bursche, Davis ist klein und flink wie ein Wiesel - in einer Gemeinschaftsaktion streckten sie Klein nieder. Die Nase blutete. Es sah böse aus. Und es war auch eine Aktion der Art: An uns kommst du nicht vorbei! Doch Klein kehrte zurück in der zweiten Halbzeit. Das war auch ein Signal: Von euch lass' ich mich nicht einschüchtern!
Dominik Klein: Wir werden voll auf Sieg spielen
Die Handballprofis des THW Kiel haben sich in der Tat nicht einschüchtern lassen. Am vergangenen Sonntag gewannen sie 29:27 bei BM Ciudad Real. Und an diesem Sonntag will der THW im Heimspiel in der Ostseehalle den Titel in der Champions League verteidigen (Live von 18.00 Uhr an bei Eurosport und im FAZ.NET-Liveticker). Klein sagt: Es ist erst Halbzeit. Wir werden voll auf Sieg spielen und uns nicht auf dem Vorsprung ausruhen. Seiner Nase geht es übrigens ganz gut.
In einer Mannschaft voller Stars aus Frankreich, Schweden und Tschechien ist der 24 Jahre alte Linksaußen der Deutsche. Ja, es gibt auch noch Christian Zeitz, doch der ist fast die ganze Rückrunde verletzt ausgefallen. Klein hingegen spielt schon die ganze Serie lang auf höchstem Niveau. Wach in der Abwehr, blitzschnell beim Gegenstoß, und wenn es sein muss, kann er überraschend und knallhart aus dem Rückraum werfen.
Wenn Ihr seine Ansprachen hören könntet!
Klein hat einen großen Schritt nach vorne gemacht, seit er vor zwei Jahren aus Großwallstadt zum THW kam. Schon bei der Vorstellung fiel der immer positiv eingestellte Profi durch kluge Aussagen auf. Und durch den Satz: Ich bin hier, weil ich bei Noka trainieren will. Die Arbeit unter Trainer Zvonimir Serdarusic ist so anstrengend und fordernd, dass sie für viele andere Deutsche keine Option ist - sie gehen lieber zum TBV Lemgo, dort ist alles etwas bequemer.
Klein aber, wissbegierig und hellwach, ist begeistert von seinem Trainer: Wenn Ihr seine Ansprachen hören könntet! Danach kann man gar nicht verlieren. Gleich im ersten Jahr hat sich der Wechsel in den Norden bezahlt gemacht in einer Form, die die meisten anderen Handballprofis in ihrer ganzen Laufbahn nie erleben: Im Januar 2007 wurde Klein Weltmeister mit der deutschen Auswahl, im April und Mai dann Pokalsieger, Champions-League-Sieger und deutscher Meister.
Im Handball kommt ja sofort das nächste Ziel
Klein sagt: Es blieb kaum Zeit, über die Titel nachzudenken. Im Handball kommt ja sofort das nächste Ziel. Ich glaube aber, dass mich die Auszeichnungen haben reifen lassen. Den Pokalsieg haben sich die Kieler in dieser Saison schon geholt, die Meisterschaft haben sie zu 99 Prozent sicher, und die Chancen, wieder in der Königsklasse zu gewinnen, sind auch sehr gut.
Wenn diese hektische Saison in einer Woche beendet ist, steht schon Olympia vor der Tür. Ich bin sportverrückt und liebe den Handball, sagt Klein prophylaktisch - ihm wird es nie zu viel. Er genießt den Jubel nach Toren, das ausgelassene Feiern mit der Mannschaft. Dominik Klein ist ein echter Mannschaftsspieler. Auch, wenn er auf der Bank sitzt (was zuletzt eher selten der Fall war) und sein Konkurrent und Kollege Henrik Lundström spielt. Ich bin ganz automatisch mit dabei. Ich fiebere mit den Kollegen auf dem Platz und reiche ihnen die Wasserflasche.
Auch die Freundin spielt Handball - in Buxtehude
Ein eindimensionaler Mensch ist Klein nicht. Er engagiert sich für Kinder, die an Mukoviszidose erkrankt sind. Und zwar sehr leidenschaftlich und rührend. Ich bin doch trotz der Erfolge immer noch der Gleiche wie vorher und weiß, wo meine Schwächen liegen, sagt Klein. Wenn es die Zeit zwischen zwei Trainingseinheiten zulässt, schaut er zu Hause in Melsdorf in die Bücher: Verwaltung und Wirtschaft, ein Fernstudium.
Es gibt allerdings eine viel schönere Freizeitgestaltung. Und zwar in Buxtehude. Dort spielt seine Freundin Isabell Nagel für den BSV in der Handball-Bundesliga. Schon wenn die Trainingspläne herauskommen, vergleichen wir und schauen, wer wann zu wem fahren kann, sagt Klein. Man braucht schon etwas Koordinierungsqualitäten, um es als Handball-Paar an entfernten Standorten auszuhalten. Aber ein Typ wie Klein kriegt auch das hin.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: AP
Brückner für Österreich: Neuaufbau mit altem ![]()
Jens Lehmann: Zurück im Schlaraffenland
Motivationstraining als Geheimsache
Sollte im TV mehr Randsport gezeigt werden?
