Von Peter Heß
03. Mai 2008 Der deutsche Fußball ist nicht am Ende. Manchem mag es nach dem krachenden Scheitern des FC Bayern München im Halbfinale des Uefa-Cups zwar so vorkommen. Aber das 0:4 gegen Zenit St. Petersburg taugt weder als Beweismittel für eine grundsätzliche Unfähigkeit der Bayern-Mannschaft und ihrer Führung, noch ist es das Signal an die anderen deutschen Teams, ihre Bemühungen im Europapokal einzustellen nach dem Motto: Wenn der Rekordmeister zerzaust wird, was sollen wir noch ausrichten?
Was sich in St. Petersburg abspielte, lässt nur die fassungslos zurück, die sich vom Hochglanzprodukt Bundesliga blenden lassen und das beste Stück der nationalen Elite auf einer Höhe mit der Weltklasse sehen. Die Bundesliga mag noch die ausgeglichenste Liga der Welt sein, die beste ist sie schon lange nicht mehr.
Viele Millionen Euro im Jahr werden vernichtet
Stattliche Stadien, eine traditionell breite Verankerung in der Gesellschaft und eine Zentralvermarktung, die den Klubs eine gewisse Chancengleichheit bietet, bilden den Rahmen für glänzende kleine Geschäfte im Idyll. Wer jenseits dieses Auenlandes reüssieren will, muss sich aber europäischen Spitzenstandards anpassen.
Und der Standard der Erfolgreichsten ist es, viele Millionen Euro im Jahr zu vernichten. Nur Investoren und Mäzene ermöglichen es Klubs wie Chelsea, Manchester United und Liverpool, auf Pump die besten Spieler der Welt zu verpflichten. So wie in Italien vor ein paar Jahren. Dort sitzt nach mehreren Finanzskandalen das Geld längst nicht mehr so locker.
Schulden möchten die Münchner nicht aufnehmen
Die Bayern haben im vergangenen Sommer das erste Mal in großem Stil investiert. Die Summe von 70 bis 80 Millionen Euro garantierte den Gewinn des deutschen Titels. Um eine ähnliche spielerische Substanz wie die Champions-League-Finalisten Manchester United und FC Chelsea zu erwerben, müssten die Münchner noch mal 150 Millionen Euro einsetzen. Doch Schulden möchten die Kaufleute von der Isar nicht aufnehmen. Ribéry, Toni, Klose und die anderen bezahlten sie vom Festgeldkonto.
Für Chelsea wäre es eine Schande, 0:4 in St. Petersburg zu verlieren, für die Bayern ist es allenfalls peinlich. Für die zweite deutsche Klasse mit Werder und Schalke wäre es nicht mal das. Sie hat sich in dieser Saison so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr geschlagen. Nach England und Spanien belegen die deutschen Europapokal-Teilnehmer den dritten Rang in der Nationenwertung, vor Italien und Russland.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
Olympia-Kommentar: Barren mit ![]()
Tischtennis: Ein anderer Timo Boll
Springreiten: Fehlende Sekundenbruchteile
Christina Obergföll: Was geht denn hier ab?
DDR-Doping: Drei Trainer sollen gegen Ehrenerklärung verstoßen haben
Halten Sie die Leistungen bei Olympia für glaubwürdig?
