10. August 2005 Wegen eines plötzlich heraufziehenden Unwetters sind am Dienstag abend die Wettkämpfe der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Helsinki unterbrochen worden. Sturzbachartige Regenfälle, stürmische Windböen und Blitze überraschten die Athleten im Olympiastadion von einer Minute auf die andere. Die elektronische Anzeigetafel im Stadion und der Strom auf der Pressetribüne wurden abgeschaltet. Auf der Tartanbahn stand das Wasser zum Teil zentimeterhoch.
Betroffen war auch Franka Dietzsch im Diskusfinale, als das Gewitter um 17.48 Uhr begann. Die Weltmeisterin von 1999 aus Neubrandenburg hatte aber noch keinen Wurf in dem rutschigen Ring gemacht, als der Regen einsetzte. Das Diskusfinale der Frauen und die Dreisprung-Qualifikation der Männer wurden auf Donnerstag verschoben, die 200-Meter-Zwischenläufe mit Tobias Unger und Sebastian Ernst auf Mittwoch. Die Athleten müssen sich darauf einstellen, sagte Jürgen Mallow, der Leitende Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Sie sind nicht im Nachteil, weil für alle das Gleiche gilt.
Auch Franka Dietzsch muß warten
Auch die Hürdensprinterinnen hatten zu ihrem zweiten Vorlauf vor den Startblöcken Aufstellung genommen und mußten noch Minuten lang den Regen auf sich prasseln lassen, bevor die Kampfrichter ein Einsehen hatten. Die Zehnkämpfern waren gerade bei ihrer vierten Disziplin, dem Hochsprung. Die 40.000 Zuschauer im fast vollständig gefüllten Olympiastadion verließen fluchtartig die Tribünen.
Am Vormittag war der Himmel über Helsinki noch freundlich gewesen. Licht und Schatten gab es allerdings für das DLV-Team, vier Athleten überstanden ihren Vorkampf nicht. Sebastian Unger entledigte sich der Vorlauf-Pflicht indes ohne Mühe. Der Sprinter vom LAZ Kornwestheim/Ludwigsburg lief in goldenen Schuhen als Vorlauf-Erster über 200 Meter in 20,45 Sekunden souverän ins Viertelfinale.
Aufregung bei den Stabhochspringern
Jetzt bin ich in Helsinki angekommen, sagte der deutsche Rekordhalter. Ich bin sehr zufrieden, weil ich die letzten 80 Meter locker gelassen habe. In die nächste Runde zog auch sein Mitstreiter Sebastian Ernst (Schalke 04) ein, der ebenfalls 20,45 Sekunden lief.
Erhebliche Aufregung gab es in der Stabhochsprung-Qualifikation, nachdem die Halterung am Ständer, auf der die Stange aufliegt, abgebrochen war. Daraufhin konnte nur auf einer Anlage weitergesprungen werden. Wegen des Handicaps wurde auch die Qualifikationshöhe von 5,75 auf 5,60 Meter reduziert, was für den Tim Lobinger zum Vorteil wurde. So eine leichte Qualifikation gab es selten für mich, sagte der Kölner, der 5,60 Meter locker übersprang.
Nichts genützt hat Lars Börgeling (Leverkusen) die unverhoffte Reduzierung der Finalnorm: Er scheiterte an seiner Anfangshöhe von 5,45 Metern. Mir fehlen einfach die Worte. Daß es so enden würde, hätte ich nicht gedacht. Sein Vereinskollege Danny Ecker meisterte bei schwierigen Windverhältnissen wenigstens 5,45 Meter und begleitet Lobinger in den Endkampf. Beide sprangen auf der Anlage, auf der der Wettkampf wegen des defekten Ständers etwa anderthalb Stunden unterbrochen war.
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, REUTERS