Interview

„Ich wurde mit Füßen getreten“

20. Oktober 2007 Sein Name ist unmittelbar mit dem Höhenflug des Karlsruher SC in der Fußball-Bundesliga verbunden: Christian Timm spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über seine harten Jahre, das späte Comeback und den „guten Hirten“.

Erinnern Sie sich an den 23. März 2001?

War da vielleicht ein gutes Spiel von mir?

Ihnen gelang an diesem Tag mit der „U 21“-Auswahl beim 8:0 gegen Albanien ein Hattrick. Der damalige Trainer Hannes Löhr sprach von der „kommenden Generation“ des deutschen Fußballs. Es konnte eigentlich nur noch aufwärtsgehen mit Ihnen.

Dachte ich auch.

Vergleicht man die Mannschaftsaufstellung dieses Spiels mit dem Status quo, hat die Trainervoraussage eigentlich nur auf Timo Hildebrand und Christoph Metzelder zugetroffen. Denken Sie nicht manchmal, welche Dynamik der schnelle Aufstieg von Talenten inzwischen bekommen hat?

Viele junge Talente sind inzwischen nachgerückt, haben die Plätze der älteren Spieler eingenommen. Auf diesem Weg hätte ich mich eigentlich auch gesehen. Ich glaube, es wachsen wieder solche Kaliber heran wie damals in Dortmund mit Sammer, Möller, Riedle oder Reuter, als meine Karriere dort begann.

Tut der Gedanke weh, dass man nicht dabei ist ganz oben?

Das ist mir alles zu hypothetisch. Ich weiß ja gar nicht, ob es auch ohne meine vielen Verletzungen wirklich zum großen Durchbruch gekommen wäre.

Im Moment müssten Sie wieder ziemlich beschwingt sein, so, wie es bei Ihrem neuen Verein, dem Karlsruher SC, läuft?

Ich fühle mich gut. Ich bin seit drei Jahren verletzungsfrei, spiele in der Überraschungsmannschaft der Bundesliga und werde in zwei, drei Wochen zum ersten Mal Vater. Perfekt.

Woran liegt Ihnen beim Comeback mit 28 Jahren in der Bundesliga?

Ich möchte meinen Namen wieder aufleben lassen, so wie viele mich in Erinnerung haben. Letztens war Matthias Sammer im Fernsehen und bemerkte nach dem Spiel gegen Schalke, in dem mir zwei Tore gelungen waren, dass er mit mir in Dortmund mal zusammengespielt habe. Es freut mich, dass ich nicht vergessen bin, obwohl ich zweieinhalb Jahre aus der ersten Liga verschwunden war. Ich fühle mich noch lange nicht wie 28 Jahre, ich bin noch ziemlich frisch und ehrgeizig.

Wird Kommunikation zwischen Trainer und Mannschaft oftmals unterschätzt im Fußball?

Ich glaube schon. Ich kenne Spieler, die von Trainern und Vereinen immer nur unter Negativdruck gesetzt wurden und dementsprechend kein Bein auf den Boden bekommen haben.

Wie war das bei Ihnen in den harten Jahren?

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich wegen schlechter Leistungen demontiert worden bin. Bei mir wurden die Verletzungen zum Anlass genommen, mich mit Füßen zu treten. In Köln war ich nach einer tollen Zeit plötzlich der Sündenbock für den Abstieg, weil ich nicht spielen konnte. In Kaiserslautern ganz ähnlich. Es ging so weit, dass mir in der Bundesliga der Ruf der Mimose oder des Leistungsverweigerers nachhing. Es ist schwer damit zu leben, wenn einem ohne sichtlichen Grund pauschal das Vertrauen entzogen wird. In Fürth habe ich dann endlich ohne Verletzung durchspielen können, was mich letztlich wieder in die Bundesliga gebracht hat.

Das Gespräch führte Michael Ashelm.

Das vollständige Interview lesen Sie im Sportteil der Sonntagszeitung vom 21. Oktober.



Text: F.A.Z.

 
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