Horst Eckel wird 75

Bewahrer des Berner „Wunders“

Von Hartmut Scherzer

Horst Eckel, der „Windhund“, wird 75

Horst Eckel, der „Windhund“, wird 75

08. Februar 2007 Horst Eckel ist das wandelnde „Wunder von Bern“. Als einer von drei noch lebenden Weltmeistern von 1954 neben Ottmar Walter (82 Jahre alt) und Hans Schäfer (79) hält der rüstige Zeitzeuge auch heute noch den „Geist von Spiez“ und den „Mythos von Bern“ hoch, in öffentlichen Auftritten aus gegebenen Anlässen wie zuletzt zum fünfzigjährigen Jubiläum, in Talkshows, Interviews, Zeitungsbeiträgen, Fernsehauftritten, Dokumentationen, Vorträgen. Eckel war auch Chefberater Sönke Wortmanns bei den Dreharbeiten für den Film „Das Wunder von Bern“.

Der pensionierte Realschullehrer aus Vogelbach, einem Dorf 25 Kilometer von Kaiserslautern entfernt, von wo er einst als Junge mit dem Fahrrad losfuhr, um beim 1. FC Kaiserslautern zu spielen, ist der Historiker des Ereignisses: 4. Juli 1954, Wankdorfstadion Bern, 3:2-Sieg der Deutschen im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft gegen das hochfavorisierte ungarische „Wunder-Team“. Der „Windhund“, wie der schmale und schnelle rechte Läufer damals genannt wurde, war der Jüngste der Berner Elf. An diesem Donnerstag wird der Benjamin von damals 75 Jahre alt. Der 1. FC Kaiserslautern gibt ein großes Geburtstagsfest für ihn.

Ehrfurcht vor Herberger, Bewunderung für Walter

Wenn Horst Eckel, der von 1952 bis 1958 zweiunddreißigmal für Deutschland spielte, bei seinen Rückblicken all die schwarzweißen Fotos und Filme sieht, dann „läuft mir immer noch ein Schauer über den Rücken“. Im Endspiel war er mit der Bewachung des zurückhängenden Mittelstürmers und eigentlichen Spielmachers Nandor Hidegkuti beauftragt, damit sich der Mittelläufer Werner Liebrich nicht aus dem Abwehrzentrum locken ließ, sondern um Ferenc Puskas kümmern konnte. Wenn Eckel erzählt, wiederholt er immer wieder die Ehrfurcht vor Sepp Herberger: „Eine Vaterfigur, autoritärer Typ, den ich nie richtig lachen gesehen habe.“

Dann bewundert er Fritz Walter: „War er gut drauf, hat die Mannschaft gut gespielt. Lief es bei ihm nicht, lief es in der ganzen Mannschaft nicht.“ Und er staunt immer noch über Helmut Rahn: „Irgendwann ist er aus dem Quartier ausgebüxt. Jeder andere wäre nach Hause geschickt worden.“

„Wir hatten die schönere Zeit“

Wenn Horst Eckel über die Weltmeistermannschaft von 1954 plaudert, sagt er, was auch Fritz und Ottmar Walter immer gesagt haben: „Wir verspüren keinen Neid auf die heutige Generation, die so viel Geld verdient. Wir hatten dafür die schönere Zeit.“

Horst Eckel hält sich fit. Der Vater zweier Töchter erklärt die Gründe für sein Wohlbefinden: „Ich lebe normal, esse normal und mache immer noch sehr viel Sport.“ Er spielt regelmäßig noch Fußball und Tennis, nicht mehr so oft Tischtennis. Eckel hat Aufgaben übernommen wie die als Repräsentant der Sepp-Herberger-Stiftung oder zuletzt als WM-Botschafter 2006. Er kümmert sich um Kranke oder Menschen mit finanziellen Engpässen und besucht Jugendstrafanstalten.

Text: erz., F.A.Z., 08.02.2007, Nr. 33 / Seite 30
Bildmaterial: dpa, picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb

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