07. September 2006 Sie zählen die Sekunden, die Uhr läuft rückwärts auf der Homepage der National Football League: An diesem Donnerstag um 20.30 Ortszeit stürzen sich die Amerikaner in die neue Saison der National Football Leage. Sieben Monate und vier Tage nach dem Finale der vergangenen Spielzeit, das sie 21:10 gegen die Seattle Seahawks gewannen, bestreiten die Pittsburgh Steelers im heimischen Heinz Field das Eröffnungsspiel gegen die Miami Dolphins.
Mit zwei großen Kick-off-Festen feiern die Amerikaner nach 214 Tagen Football-Pause ihren Lieblingssport - in Pittsburgh tritt zu Ehren der Steelers die Popgruppe Rascal Flatts auf, in Miami, wo am 4. Februar kommenden Jahres das Endspiel um die Super Bowl stattfinden soll, begrüßen die Fans die neue Saison zeitgleich auf einer eigens am Strand erbauten Bühne mit einem Hip-Hop-Konzert. Und wie nicht anders zu erwarten, kündigt die kommerziell erfolgreichste Sportliga der Welt im 87. Jahr ihres Bestehens eine Saison der Superlative an.
Zwei neue Stars für die New Orleans Saints
Nie zuvor hat die NFL so viele Fernsehgelder eingenommen: 3,2 Milliarden Dollar, die fünf übertragende Sender für die 21 Wochen zahlen, können sich die 32 Teams diesmal teilen. Da zudem ein im Mai geschlossener neuer Tarifvertrag zwischen den Teambesitzern und der mächtigen Spielergewerkschaft für Arbeitsfrieden sorgt, kann der neue Chef der NFL, Roger Goodell, der in der vergangenen Woche offiziell das Amt von Paul Tagliabue übernahm, ohne dringliche Probleme seine Aufgabe als Commissioner antreten.
Auch für die New Orleans Saints, die in der vergangenen Saison wegen der Auswirkungen von Hurrikan Katrina ihre Heimspiele in Shreveport und in San Antonio in Texas austragen mußten, scheint alles wieder seinen gewohnten Gang zu gehen. Am 25. September können sie gegen die Atlanta Falcons erstmals wieder im heimischen Louisiana Superdome unweit des berühmten French Quarters spielen. Mit dem bisherigen College-Star Reggie Bush und dem aus San Diego gekommenen Spielmacher Drew Brees erleben die Saints-Fans dann zwei neue Stars.
Liga will Anti-Doping-Programm überdenken
Spannung scheint garantiert: Ein gutes Dutzend Teams meldet seine Ansprüche auf das Finale um die Superbowl XLI in Miami an. Im Auftaktspiel ist Titelverteidiger Pittsburgh nicht einmal Favorit. Zum einen haben sich die Dolphins mit Quarterback Daunte Culpepper gezielt verstärkt. Zudem fehlen den Steelers mit Jerome Bettis, der nach dem Finale zurückgetreten ist, und Spielmacher Ben Roethlisberger zwei entscheidende Offensivspieler. Big Ben hatte sich bei einem Motorradunfall am 12. Juni schwere Schädel- und Gesichtsverletzungen zugezogen. Die sind ausgeheilt, aber nach einer Blinddarmoperation eine Woche vor dem Saisonstart ist er noch nicht bereit zum Einsatz.
Schlagzeilen machte wieder einmal Terrell Owens. Der sportlich überragende, aber wegen seiner Egozentrik berüchtigte Receiver heuerte nach seinem Rauswurf bei den Philadelphia Eagles bei Altmeister Dallas Cowboys an. Mit T.O. und dem früheren Meistertrainer Bill Parcells gehören die Texaner ebenso wie die ehemaligen Super-Bowl-Gewinner Denver Broncos und New England Patriots zu den Favoriten. Vorjahresfinalist Seattle, Miami, Pittsburgh, die Indianapolis Colts und die Carolina Panthers werden ebenfalls zum Kreis derer gezählt, die eine der begehrtesten Trophäen der Sportwelt gewinnen können.
Ein Thema, das in der NFL bisher nur mit Samthandschuhen angefaßt wurde, ist immerhin in der Diskussion: Die Liga will ihr Anti-Doping-Programm überdenken. Während bisher NFL und Spielergewerkschaft entscheiden, wann, wie oft und auf welche Substanzen kontrolliert wird, und über Sanktionen entscheiden, werden die Stimmen nach regelmäßigen, häufigeren Kontrollen lauter. Immerhin nahm die Liga Amphetamine in die Liste der verbotenen Substanzen auf, und eine Verschärfung der Regeln noch in der beginnenden Saison scheint nicht ausgeschlossen.
Text: dpa/re. in: F.A.Z., 07.09.2006, Nr. 208 / Seite 33
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