21. Oktober 2007 Fünf Monate nach dem Titel-Triumph ist aus dem bewunderten VfB Stuttgart ein Mitleid erregender Abstiegskandidat geworden. Durch die 1:4-Demütigung beim Hamburger SV stecken die Schwaben nach dem zehnten Spieltag der Fußball-Bundesliga ganz tief im Schlamassel.
Fußball ist nicht nur Glanz. Ich erwarte, dass jetzt jeder mitmacht, uns da rauszuholen, forderte Stuttgarts Sportdirektor Horst Heldt nach der sechsten Saison-Niederlage. In dieser prekären Lage will sein Trainer des Jahres Armin Veh weiterhin nicht den Hammer herausholen: Methodisch und psychologisch wäre es gar nicht gut, jetzt auf die Mannschaft draufzuhauen.
Hamburg und Nürnberg als Vorbild
Dass sich Geduld auszahlen kann, zeigte das Beispiel des zuletzt kriselnden Pokalsiegers 1. FC Nürnberg. Mit einem 5:1-Schützenfest gegen Eintracht Frankfurt beendeten die Franken eine Negativserie von zuletzt sieben Begegnungen ohne Sieg. Die Mannschaft hat sich befreit und es sich selbst bewiesen, dass sie es noch kann, meinte Club-Chefcoach Hans Meyer nach dem Torfestival, schränkte aber ein: Wir haben verhindert, dass die Situation dramatisch wird, mehr nicht.
Das Vorbild Nürnberg, aber auch das des HSV macht den Stuttgartern vielleicht Mut. Und Courage ist bei ihnen schon am Dienstag in der Champions League gegen Olympique Lyon gefragt. Es müssen Ergebnisse her und am besten schon gegen Lyon, hofft Veh auf den Befreiungsschlag. Sein unsicher wirkender Torwart Raphael Schäfer verweist zudem auf Parallelen zu den Hanseaten: Der HSV hat in der letzten Saison das Gleiche durchgemacht und ist auch wieder herausgekommen.
In den beiden Sonntagspielen trennten sich Hannover und Wolfsburg 2:2; in der Partie Karlsruhe gegen Bielefeld fielen keine Tore.
Rätselraten um Hitzfeld
Bei Titelanwärter und Tabellenführer Bayern München beschäftigt man sich weniger mit den Gegnern als mit der Frage: Bleibt Ottmar Hitzfeld auch über 2008 hinaus Trainer oder nicht? Ich gehe davon aus, dass er bei uns bleiben wird, sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß nach dem 2:1 beim VfL Bochum. Während der in dieser Saison ungeschlagene Rekordmeister mit acht Siegen und 26 Punkten eine Klasse für sich ist, muss die auf Abstiegsrang 16 abgerutschte Ruhrgebiets-Elf um den Verbleib in der Eliteliga wieder bangen. Wir kennen das ja schon und werden jetzt nicht verzweifeln, sagte Bochums Trainer Marcel Koller.
Bayern-Jäger Nummer eins neben dem HSV ist das wieder erstarkte Team von Werder Bremen, das mit 3:2 gegen Hertha BSC gewann. Was sind sechs Punkte Vorsprung? Die Münchner werden noch straucheln, sagte Werder-Manager Klaus Allofs. Noch optimistischer sieht es Hugo Almeda, Bremens Torschütze zum 1:0: Wir sind jetzt Zweiter, obwohl viele unserer Schlüsselspieler verletzt waren. Das heißt, dass unser Ziel bestehen bleibt: Wir wollen Erster werden.
Schalke verschenkt Sieg
Einen schnellen Dämpfer kann es allerdings schon am Mittwoch in der Champions League gegen Lazio Rom geben (20.45 Uhr, im FAZ.NET-Liveticker). Wir müssen gewinnen, aber das ist mit dieser Mannschaft möglich, forderte Allofs, die letzte Chance zu wahren.
Wenn der FC Schalke 04 so patzt wie beim 1:1 bei Hansa Rostock, dürften die Königsblauen am Mittwoch beim FC Chelsea unter die Räder geraten. Mein Fehler hat uns den Sieg gekostet, bekannte Schalkes Torwart-Aufsteiger Manuel Neuer, der mit einem missglückten Abwurf Wegbereiter zum 1:1-Ausgleich der Gastgeber war. Mit nun neun Punkten Rückstand auf die Bayern sind die Schalker im Titelrennen zurückgefallen. In der Champions League wollen sie deshalb nicht kapitulieren. Da ist etwas zu holen. Wir haben weder Angst vor der Champions League noch vor Chelsea, tönte 04-Coach Mirko Slomka.
Unruhe beim BVB
Beim Revier-Nachbarn Borussia Dortmund hofft man nach dem 2:2 beim Bayer 04 Leverkusen nach zweiwöchigem Hauskrach auf friedlichere Zeiten. Intern herrscht Ruhe. Heute waren die Hauptdarsteller wieder auf dem Platz, und sie haben die richtige Antwort gegen, sagte BVB-Trainer Thomas Doll. Während seine Spieler aus Trotz an dem von ihnen ausgerufenen Medien-Boykott festhalten wollen, hat Doll von ihm selbst verursachte Zweifel an einem Bleiben in Dortmund ausgeräumt: Ich bin gern Trainer des BVB, die Arbeit macht Spaß.
Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der den Zoff durch Kritik am BVB-Team zusammen mit Sportdirektor Michael Zorc entfacht hatte, sieht alle Differenzen als ausgeräumt an. Eine gewisse Streitkultur muss es geben. Doch die beiden arbeiten glänzend zusammen, sagte Watzke und dementierte in der Doppelpass- Sendung des DSF am Sonntag, dass Zorc durch den früheren Profi Michael Rummenigge ersetzt werden könnte.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, REUTERS
