NBA

Frust und Freude – Dirk Nowitzki und die Trophäen

Von Leonhard Kazda, Frankfurt

MVP Nowitzki: “In einer Reihe mit Spielern, die ich früher bewundert habe“

MVP Nowitzki: "In einer Reihe mit Spielern, die ich früher bewundert habe"

22. Mai 2007 Es ist so eine Sache mit Dirk Nowitzki und den Auszeichnungen. Am Dienstag war der Basketballprofi von den Dallas Mavericks, den die amerikanischen Profiliga NBA gerade zu ihrem wertvollsten Spieler (Most Valuable Player / MVP) gewählt hat, Gast in der Frankfurter Hauptzentrale des Sponsors Nike. Der Ring, den er dort überreicht bekam, wollte nicht so recht passen. Erst am kleinen Finger der rechten Hand des Hünen fand das voluminöse Schmuckstück ein Plätzchen.

Und eigentlich hatte Nowitzki auch die Maurice-Podoloff-Trophäe mitbringen wollen. Das ist eine große Bronzefigur, die der MVP von der Liga erhält. Bei Nowitzki stand sie nach der umjubelten Verleihung des Titels, den der Deutsche vor einer Woche als erster Europäer verliehen bekam, lange auf dem Esstisch in seinem Appartement in Dallas. „Ich habe mir sie erst einmal ein paar Stunden angeschaut“, erzählte Nowitzki bei seinem Besuch in der Otto-Fleck-Schneise. Dorthin hatte der Würzburger eigentlich auch die Trophäe mitbringen wollen. „Vermutlich ist sie aber noch irgendwo beim Zoll auf dem Frankfurter Flughafen“, sagte Nowitzki. Was aber weiter nicht schlimm sei: „Sie ist sowieso ziemlich hässlich.“

„Ich fühle mich noch immer total leer“

Der Basketball-Superstar versuchte bei seiner Visite am Main erst gar nicht zu verbergen, wie sehr ihn das Ausscheiden aus dem Play off der NBA mitgenommen hat. „Ich fühle mich noch immer total leer“, sagte er. Man sah es dem gefeierten Profi noch deutlich an, wie sehr er emotional hin und her gerissen ist: auf der einen Seite die Begeisterung über die spektakuläre Auszeichnung, auf der anderen die riesigen Enttäuschung über das Ausscheiden mit den Mavericks, die sich schon in der ersten Runde des Play-offs den Golden State Warriors hatten geschlagen geben müssen.

Er wolle die Meisterschaft gewinnen, hatte Nowitzki kurz vor dem jähen Aus gesagt. Eine Würdigung seiner Person sei ihm im Vergleich dazu ziemlich egal. Es kam anders. Und Nowitzki wich auch in Frankfurt von seiner Linie kein einziges Mal ab. „Ich hoffe, dass ich mich im Sommer noch über diese Riesenauszeichnung richtig freuen kann“, sagte der 2,11 Meter große Athlet, der mit seiner Mannschaft eine bestechend gute NBA-Hauptrunde gespielt hatte. „67 Siege in 82 Spielen“, sagte Nowitzki, „es gibt nur zwei andere Teams, die jemals eine bessere reguläre Saison gespielt haben.“ Und vielleicht, so deutete der Deutsche an, sei dieser anstrengende Parforceritt durch die NBA-Hauptrunde auch der Grund für das frühe Ausscheiden gewesen. „Kann sein, dass wir ein wenig vom Gas hätten gehen sollen.“

Jordan, Johnson, Bird - und ich

Nowitzki leistet mentale Aufbauarbeit in eigener Sache. So wie man ihn kennt, wird er dabei erfolgreich sein und den verpassten Titel – es wäre sein erster gewesen – verkraften. Die positiven Aspekte der Auszeichnung, mit der sich der Würzburger endgültig in die Liste der quasi Unsterblichen des Basketballs einschreiben kann, führt er sich immer wieder vor Augen: „Unbeschreiblich stolz“ sei er, „ich bin sprachlos, wenn ich auf die ganzen Legenden sehe, von denen man als Basketballspieler träumt und die man liebt.“ Michael Jordan, Magic Johnson, Larry Bird – jetzt ist Nowitzki einer von ihnen.

Irgendwann, vielleicht sogar schon bald, könnte der Mavericks-Spieler soweit sein, den Titel als MVP als Motor für neue Taten zu nutzen. Immerhin wolle er noch „zehn bis zwanzig Jahre spielen“, sagte der Achtundzwanzigjährige in Frankfurt augenzwinkernd. Wobei die Frage nach dem Ort noch nicht geklärt zu sein scheint. Denn ob der Würzburger in der kommenden Saison noch bei den Maverricks spielen wird, steht keineswegs fest. „Klar die Möglichkeit, entlassen zu werden, gibt es in dieser Liga immer“, sagte Nowitzki. „Aber ich hoffe, dass das Team zusammen bleibt und wir es gemeinsam doch noch schaffen.“

MVP-Trophäe kommt zur Mutter

Das erklärte Ziel von Nowitzki und den Mavericks: Endlich NBA-Champion werden. Immerhin hat der Klub aus Texas in dieser Saison schon eine spektakuläre Premiere geschafft. „Die Mavericks hatten noch nie einen MVP in ihren Reihen“, sagte Nowitzki, „das ist auch für den Klub eines Riesenehre.“

Nowitzki schaut nach vorne. Zuerst einmal Urlaub machen, Abstand gewinnen, dann folgt das übliche Privattrainingslager in Würzburg, wo er sich in einer Turnhalle der Region mit seinem Betreuer Holger Geschwindner auf kommende Taten vorbereiten wird. Beispielsweise auf die Europameisterschaft, die im September in Spanien ausgetragen wird. Dass bis dahin noch ein wenig Zeit ist, passt Nowitzki gut ins Konzept. Der Besuch bei der Familie in Würzburg ist stets eine wichtige Station für den Profi. Dort, bei seiner Mutter, werde auch die MVP-Trophäe ihren Platz haben, sagte der Basketballprofi – wenn sie irgendwann am Flughafen auftaucht.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa

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