Radsport

Ullrich will gegen Kündigung vorgehen

Der Verdächtige, Suspendierte, Gekündigte

Der Verdächtige, Suspendierte, Gekündigte

22. Juli 2006 Jan Ullrich will sich gegen die von seinem Team T- Mobile ausgesprochene „außerordentliche Kündigung des Fahrervertrags“ notfalls auch juristisch zur Wehr setzen. Wie der des Dopings verdächtigte Tour-de-France-Sieger von 1997 in einer Erklärung am Freitag mitteilte, werde er die Kündigung nicht akzeptieren.

„Die Kündigung von T-Mobile ist für mich nicht akzeptabel. Sehr enttäuscht bin ich darüber, daß mir diese Entscheidung nicht persönlich, sondern von den T-Mobile- Anwälten nur per Fax mitgeteilt wurde.“ Auf Ullrichs Internetseite heißt es weiter: „Ich finde es beschämend, daß ich nach so vielen Jahren guter Zusammenarbeit und nach allem, was ich für das Team getan habe, wie eine Faxnummer behandelt werde.“

Kündigung ohne neuen Erkenntnisse

T-Mobile-Manager Olaf Ludwig bestätigte am Freitag den Rauswurf. Neue Kenntnisse lägen in Sachen Doping zwar nicht vor, doch sei die Kündigung auf Anraten der T-Mobile-Anwälte erfolgt.

Dem pflichtete T-Mobile-Pressesprecher Christian Frommert im ZDF bei: „Die Anwälte haben den Sachverhalt geprüft und nun reagiert, um Fristen einhalten zu können. Wir hätten irgendwann die Suspendierung aufheben, oder aber die Kündigung wie nun Geschehen aussprechen müssen. Jan Ullrich und Oscar Sevilla hatten eine Frist, um ihre Unschuld zu beweisen.“ Da sie das nicht getan hätten, sei der Verdacht geblieben, daß sie in die Dopingaffäre verwickelt seien. „Kenntnisse über positive Dopingtests haben wir allerdings nicht“, so Frommert. Der T-Mobile-Sprecher erwartet nun einen Rechtstreit, den Ullrich bereits ankündigte.

„Die Kündigung wird keinen Bestand haben

„Die Kündigung ist unbegründet“, sagte Ullrichs Manager Wolfgang Strohband: „Sofern das für die nächste Woche geplante Gespräch keine Einigung bringt, wird Jan Ullrich die Kündigung gerichtlich anfechten.“ Vertreten wird Ullrich von Rechtsanwalt Dr. Ulrich Theune. Der meinte: „Die Kündigung wird keinen Bestand haben.“

Am 30. Juni, einen Tag vor dem Prolog der Tour, waren Ullrich, sein Teamkollege Oscar Sevilla und sein Betreuer Rudy Pevenage vom T-Mobile-Team suspendiert worden. Ullrichs Traum vom zweiten Tour-Triumph war damit geplatzt.

Pevenages Verbindungen zu Doping-Netzwerk

Bereits vor einer Woche war Pevenage von T-Mobile fristlos entlassen worden. Nach Ermittlungen der spanischen Polizei, die abgehörte Telefongespräche und SMS- Mitteilungen vorlegte, hatte der Belgier Verbindungen zu dem Doping- Netzwerk in Madrid und soll als Doping-Beschaffer für seinen Schützling agiert haben. Dabei soll Ullrich mit roten Blutkörperchen angereichertes Eigenblut und diverse Doping-Präparate erhalten haben.

Ullrich hatte nach seiner Suspendierung angekündigt, er werde seine Unschuld beweisen. Anfang der Woche erklärte der Olympiasieger jedoch, seine Anwälte würden zunächst die Ermittlungsunterlagen in Spanien einsehen. In einem Rechtsstaat müsse auch für ihn die Unschuldsvermutung gelten. Eine DNA-Analyse zum Beweis seiner Unschuld lehnte der zweifache Zeitfahr-Weltmeister ab. T-Mobile hatte daraufhin die Prüfung weiterer rechtlicher Schritte angekündigt.

Schon einmal gekündigt worden

Ende 2002 hatte sich das damalige Team Telekom in Folge der „Disco-Affäre“, bei der Ullrich positiv auf Amphetamine getestet worden war und die Einnahme später zugegeben hatte, schon einmal von seinem Star getrennt. Ein Jahr später war Ullrich jedoch ins neue T-Mobile Team zurückgekehrt, nachdem er zwischendurch erst für Coast und dann für das italienische Team Bianchi gefahren war.

Jan Ullrich hatte 1995 seinen ersten Vertrag beim Team Telekom erhalten und feierte große sportliche Erfolge. Neben dem Tour-Sieg 1997 fuhr Ullrich fünf Mal auf den zweiten Platz der Frankreich-Rundfahrt, gewann die Vuelta d'Espana, zwei Mal die Tour de Suisse und holte bei den Olympischen Spielen in Sydney Gold im Straßenrennen und Silber im Zeitfahren. Das Jahresgehalt des 32jährigen Wahl-Schweizers aus Rostock wird auf 2,5 Millionen Euro geschätzt.

Text: FAZ.NET mit Material von sid, dpa
Bildmaterial: AP, dpa, picture-alliance/ dpa

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