Bayern München

Klinsmann: „Es macht jetzt schon diebisch Spaß“

Von Elisabeth Schlammerl, München

02. Juli 2008 Der erste offizielle Auftritt von Jürgen Klinsmann war ein bisschen ungewöhnlich, in mehrerlei Hinsicht. Er erschien nicht wie sonst für Trainer bei derartigen Anlässen üblich in feinem Zwirn, sondern im dunkelblauen Trainingsanzug zur Pressekonferenz im großen Rahmen. Vermutlich hatte es den einfachen Grund, dass er direkt vom Fußballplatz kam und sich danach auch sofort wieder dorthin begab.

Ein Foto, wie der neue Trainer des FC Bayern München am Mittwoch in Sportkleidung zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß auf dem ganz in rot gehaltenen Podium saß, tauchte aber später nirgends auf. Die rund 20 Fotografen hatten die Veranstaltung zuvor geschlossen aus Protest verlasen, weil Klinsmann ausrichten hatte lassen, dass er während der Pressekonferenz kein Blitzlichtgewitter wolle. Das hätte man wissen können - so hatte Klinsmann einst auch seinen Posten bei der Nationalmannschaft angetreten.

Karl-Heinz Rummenigge: „Wir sind alle sehr begeistert“

Beim FC Bayern aber ist nun nicht mehr viel wie im vergangenen Jahr, und einiges vor allem noch sehr ungewohnt. Nicht nur für die Fotografen, vor allem für die Spieler, die sich in der Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Saison von vormittags bis abends im „Herzstück des Vereins“, wie Klinsmann das neue Leistungszentrum bezeichnet, aufhalten. Und natürlich auch für die Bayern-Führung ist die neue Saison ein Experiment - ein noch größeres als die vergangenen Spielzeit, als die Münchner sehr viel Geld für ein paar internationale Stars ausgegeben und eine neue Mannschaft geformt hatten.

Der FC Bayern erfüllte Klinsmann beinahe jeden Wunsch - und Wünsche hatte der 43 Jahre alte Schwabe reichlich. „Wir sind alle sehr begeistert“, sagte der Vorstandvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, der Klinsmann als „Spiritus rector“ der neuen Bayern-Welt bezeichnet. „Aber wir wissen ja nicht, was am Ende des Tages genau dabei rauskommt“, gibt Rummenigge zu.

Lukas Podolski zurück nach Köln? „Eine totale Ente“

Klinsmann hatte in den vergangenen sechs Monaten die Voraussetzungen für seine neue Ära in München geschaffen. „Es macht jetzt schon diebisch Spaß, als Trainer beim FC Bayern arbeiten zu dürfen“, sagt er nach gerade einmal drei Trainingseinheiten. Die große Herausforderung kommt allerdings erst in ein paar Wochen auf ihn zu, wenn am 17. Juli auch die deutschen Nationalspieler zurückkehren, und der Kampf um die Plätze erst so richtig beginnt.

„Jede Position ist doppelt oder sogar dreifach besetzt, da kommt viel Arbeit auf mich zu, vor allem im kommunikativer Form“, weiß er. Dass sich Lukas Podolski darauf noch einmal einlassen würde, schien in den vergangenen Wochen immer unwahrscheinlicher zu werden, und am Mittwoch war gar die Kunde nach München gedrungen, dass der 1. FC Köln kurz vor einer Verpflichtung des Nationalstürmers stehe. Rummenigge nannte diese Meldung „eine totale Ente“ und riet den Verantwortlichen des Bundesliga-Aufsteigers, das Thema „ad acta“ zu legen.

Gomez? „Wir sind nicht mehr in Kontakt mit dem VfB“

Wie Podolski bezeichnete er auch Bastian Schweinsteiger, der während der Europameisterschaft ebenfalls mit einem Wechsel spekuliert hatte, als unverkäuflich. Manager Uli Hoeneß klang kurz danach nicht ganz so kategorisch. Im Moment sei zwar keine Veränderung des Kaders mehr geplant, verkündete er. Aber es könne sich in den nächsten Wochen in Italien oder anderen Ländern noch etwas ergeben. „Und für den Fall, dass wir noch einen Spieler holen, werden wir auch einen abgeben. Unser Kader ist großzügig besetzt, er wird nominell nicht größer werden.“

Die Bemühungen um Mario Gomez, die während der EM in Absprache mit dem VfB Stuttgart eingestellt worden waren, scheinen allerdings nicht noch einmal belebt zu werden. „Wir sind nicht mehr in Kontakt mit dem VfB. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die noch einmal auf uns zukommen“, sagte Rummenigge. Im Gespräch ist allerdings immer noch Aleksander Hleb vom FC Arsenal London. Bisher haben die Bayern in Tim Borowski von Werder Bremen und dem neuen zweiten Torhüter Hans-Jörg Butt von Benfica Lissabon nur zwei Neuzugänge.

„Jeden Spieler jeden Tag einen Schritt besser machen“

Klinsmann überließ die Kommentare zur Personalpolitik zwar grundsätzlich seinen Chefs, ergriff aber Partei für Schweinsteiger und Podolski. „Die beiden haben eine emotionale Achterbahnfahrt hinter sich. Es ist meine Aufgabe, ihnen zu helfen, mit diesen Emotionen umzugehen.“ Eine Stammplatzgarantie wollte aber auch Klinsmann den beiden nicht geben. „Dafür ist der Kader zu gut besetzt.“ Er sei fast „dazu gezwungen“, wie sein Vorgänger Ottmar Hitzfeld zu rotieren, „damit die Chemie lebendig ist“.

Seine Philosophie, die seines gesamten Trainerteams sei es, „jeden Spieler jeden Tag einen Schritt besser machen zu wollen.“ Denn auch Klinsmann weiß, dass er am Ende des Jahres nicht an der individuellen Verbesserung eines einzelnen Spieler, am Funktionieren des Acht-Stunden-Tages oder daran, ob die Mannschaft die Buddhastatuen, die er im Leistungszentrum aufstellen ließ „als Inspiration“, gut aufnehmen, gemessen wird, sondern allein am Erfolg: „Die Erwartungshaltung beim FC Bayern ist die höchste, die man haben kann. Der Maßstab ist national die Meisterschaft und der DFB-Pokal und in der Champions League bis zum Schluss dabei zu sein.“ Zumindest das ist geblieben.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa, dpa-Zentralbild, REUTERS

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