Schach-WM

Anand bleibt Weltmeister

Von Alexander Armbruster, Bonn

Bleibt Weltmeister: Viswanathan Anand

Bleibt Weltmeister: Viswanathan Anand

29. Oktober 2008 Viswanathan Anand bleibt Schachweltmeister. Der 38 Jahre alte Inder hat in der elften Runde des WM-Zweikampfes in Bonn Unentschieden gespielt und damit den noch benötigten halben Punkt zur Titelverteidigung eingeheimst. Nach etwas mehr als drei Stunden und 24 gespielten Zügen bot sein aus Russland stammender Herausforderer Wladimir Kramnik in schlechterer Stellung das Remis an und fügte sich damit in sein erstes verlorenes WM-Match seit er im Jahr 2000 den damaligen Weltmeister Garri Kasparow entthront hatte.

Der „Tiger von Madras“, wie Anand wegen seines zuweilen aggressiven Spielstils genannt wird, hatte in der elften Runde Weiß und eröffnete erstmals in dem Bonner Duell mit dem Königsbauern. Normalerweise ist das sein Lieblingszug, nur hatte er ihn bisher gegen Kramnik nicht angewendet und damit zu Beginn auch viele Experten überrascht. Kramnik rutschte denn auch kurz auf seinem Stuhl hin und her, bevor er - zu einem Schwarzsieg gezwungen, um noch im Rennen zu bleiben - seinerseits erstaunte und einen Pfad der Najdorf-Variante der Sizilianischen Verteidigung einschlug.

Kompromisslos ließ sich Anand auf die schärfste Gangart ein

Das ist ein besonders scharfes Abspiel, das zu komplizierten Stellungen führt und grundsätzlich auch dem Schwarzspieler Chancen auf mehr als ein Unentschieden bietet. Anand selbst wählte diese Strategie in dem Match in den Runden drei und fünf mit Erfolg, als er mit Schwarz zweimal nacheinander einen vollen Punkt gewinnen konnte.

Es war auch Anand, der am Mittwoch in der für ihn so wichtigen Partie zuerst lange nachdenken musste und in großen Zeitrückstand geriet. Kompromisslos ließ er sich jedoch auf die schärfste und prinzipiellste Gangart der Variante ein und sollte dafür alsbald belohnt werden. Durch einige präzise Züge aktivierte er seine Figuren und übernahm deutlich das Kommando in dem Spiel. Die Folge war, dass nun Kramnik viel Zeit investierte, um Zugfolgen zu kalkulieren. Nach Anands 13. Zug hatten beide Kontrahenten ungefähr die gleiche Bedenkzeit verbraucht. Kramnik musste seinen König in der Brettmitte belassen, um das Spiel dynamisch und sich selbst wenigstens geringe Siegchancen zu erhalten.

„Eine meiner besten Leistungen überhaupt“

Letztendlich zeigte sich Anand aber gut erholt von seiner schnellen Schlappe am Montag und behielt auch in dem offenen Schlagabtausch der elften Runde die Nerven. Er zertrümmerte erst die Bauernphalanx Kramniks, brachte dann seinen König auf dem Damenflügel in Sicherheit und erzwang schließlich den Damentausch. Damit nahm er dem Russen jede Chance auf einen siegreichen Angriff. Die Stellung war vielmehr vorteilhaft für Weiß und hätte gute Gewinnchancen geboten, wenn er das Remisangebot Kramniks abgelehnt hätte.

So hat der Inder den WM-Zweikampf 6,5 zu 4,5 gewonnen und zeigte sich danach überglücklich. „Kramnik ist einer der tödlichsten Zweikampfgegner, die man heute haben kann“, lobte er seinen Herausforderer nach der Partie. „Wladimir hat mir alles abverlangt. In Bonn habe ich eine meiner besten Leistungen überhaupt gezeigt.“ Kramnik revanchierte sich und attestierte dem Inder, sehr gut gespielt und den Sieg verdient zu haben: „Vor allem in den ersten sechs Spielen stand ich fast permanent unter Druck und habe nicht die Stellungen bekommen, die ich wollte.“ Drei der ersten sechs Spiele gewann Anand, einzig am Montag musste er gegen den Russen die Waffen strecken.

Notation Schach-Weltmeisterschaft in Bonn, 11. Partie (Sizilianische Verteidigung)

Weiß: Viswanathan Anand (Indien) - Schwarz: Wladimir Kramnik (Russland)

1.e4 c5; 2.Sf3 d6; 3.d4 cxd4; 4.Sxd4 Sf6; 5.Sc3 a6; 6.Lg5 e6; 7.f4 Dc7; 8.Lxf6 gxf6; 9.f5 Dc5; 10.Dd3 Sc6; 11.Sb3 De5; 12.000 exf5; 13.De3 Lg7; 14.Td5 De7; 15.Dg3 Tg8; 16.Df4 fxe4; 17.Sxe4 f5; 18.Sxd6+ Kf8; 19.Sxc8 Txc8; 20.Kb1 De1+; 21.Sc1 Se7; 22.Dd2 Dxd2; 23.Txd2 Lh6; 24.Tf2 Le3 Remis

Endstand: Anand - Kramnik 6,5:4,5

Text: FAZ.NET mit sid

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