23. Juli 2008 Die Frage nach den vier wichtigsten Fernsehsportarten hat der frühere RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma einmal mit Fußball, Fußball, Fußball und Tennis beantwortet. Ein wenig später hat er in einem anderen Interview Tennis durch Formel 1 ersetzt. Und heute würde er vielleicht noch Biathlon nennen. Doch der Fußball ist und bleibt die Nummer eins auf der Mattscheibe - und für viele eben zugleich auch die Nummer zwei und drei.
Ein vielfältiges Sportprogramm bekommt die breite Öffentlichkeit während der Olympischen Spiele serviert. Dann wird der Fernsehzuschauer erfahrungsgemäß auch Sportarten verfolgen, die er normalerweise nicht schauen würde oder gar nicht erst zu sehen bekommt.
Schwierige Lage: Übermorgen ist Olympia vergessen
Die Olympischen Spiele bieten im Vierjahresrhythmus sogenannten Randsportarten die Möglichkeit, aus ihrem Schattendasein hervorzutreten und sich einem großen Fernsehpublikum zu präsentieren. Erstklassige Sportler können auf großer Bühne erstklassige Leistungen zeigen. Gelingt ihnen das, ist ihnen eine hohe Medienpräsenz sicher - zumindest kurzzeitig. Denn: Übermorgen ist Olympia schon wieder vergessen, sagt Sportmanager Klaus Kärcher im FAZ.NET-Interview.
Nur mit sehr viel Glück und der nötigen Unterstützung durch Sponsoren und professionelle Betreuer schaffen es Randsportarten und Athleten, über Olympia hinaus (medial) präsent zu bleiben. Gelingt dies nicht, spielen sie wieder die zweite oder gar dritte Geige. FAZ.NET stellt in diesem Webdossier Titelverteidiger, Hoffnungsträger oder Newcomer vor, die in Peking starten werden:
Melanie Seeger (Gehen)
Hannes und Jan Peter Peckolt (Segeln)
Lena Schöneborn (Moderner Fünfkampf)
Jack Culcay-Keth (Amateurboxen)
Eileen Hoffmann und Marion Rodewald (Hockey)

Zwei Welten: die Einschaltquoten geben den Ausschlag
Bei Olympischen Spielen bietet sich kleineren Sportverbänden zumindest kurzzeitig die Möglichkeit, den Stellenwert ihres Sports zu steigern. Außerhalb der Spiele müssen Sportarten wie Badminton, Bogenschießen, Ringen oder Rudern dagegen um jede Fernsehminute kämpfen. Funktionäre der betroffenen Sportarten kritisieren, die öffentlich-rechtlichen Sender erfüllten ihren Auftrag nicht.
Zwischen Sportverbänden und Fernsehsendern bestehen Abkommen, die immer wieder verlängert oder neu gestaltet werden: Ein Fernsehvertrag nährt die Hoffnung vor allem kleinerer Verbände, Sendezeiten und Fernsehgelder zu erhalten - Garantien dafür gibt es jedoch meistens nicht. Eher noch muss ein kleiner Verband Geld dafür bezahlen, damit sein Sport auf dem Fernsehschirm erscheint. Wenn allerdings im Zeichen der fünf Ringe geschossen, geschmettert oder gesprungen wird, erreichen die Einschaltquoten auch in sogenannten Randsportarten ungeahnte Höhen; abseits der Olympischen Spiele stimmen die Zahlen aus Sicht der Fernsehanstalten dagegen meistens nicht.
ARD und ZDF haben 300 Stunden Übertragungszeit aus Peking angekündigt. Zusätzlich werden pro Tag 40 Stunden auf vier digitalen Kanälen gesendet.
Eine Sonderseite zum Thema finden Sie in der F.A.Z. vom 23. Juli 2008.
Text: bebö. / FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, FAZ.NET / AFP, FAZ.NET / Bernhard Böth, AFP, FAZ.NET / ddp, AFP, FAZ.NET / dpa picture-alliance, AFP, FAZ.NET / Team Peckolt, AFP