Doping

Dopingfall Hondo: B-Probe geöffnet

Vor dem Karriere-Aus? Danilo Hondo

Vor dem Karriere-Aus? Danilo Hondo

12. April 2005 Das Ergebnis der B-Probe im Doping-Fall Danilo Hondo wird wahrscheinlich an diesem Mittwoch vorliegen. „Dann werden wir oder der Rennstall eine offizielle Stellungnahme abgeben“, sagte am Dienstag der Heidelberger Anwalt Michael Lehner, der den 31jährigen Sprinter des Gerolsteiner-Teams zur Öffnung der B-Probe nach Madrid begleitet hat und schon Dieter Baumann in dessen Dopingfall vertrat.

Hondo war in zwei A-Proben während der Murcia-Rundfahrt im März in Spanien die Einnahme des verbotenen Aufputschmittels Carphedon nachgewiesen worden.

Zweijährige Sperre droht

„Wenn wir das Ergebnis erhalten, werden wir - sollte die Analyse positiv sein, wovon erfahrungsgemäß auszugehen ist - den für Hondo zuständigen Schweizer Verband informieren. Der muß die nach dem Anti-Doping-Code fällige zweijährige Sperre aussprechen. Dafür hätte er einen Monat Zeit“, sagte Enrico Carpani, der Sprecher des Weltverbandes UCI, über das weitere Procedere im ersten Dopingfall der neu ins Leben gerufenen ProTour.

Nach dem ProTour-Ethik-Code, den alle 20 Teams vor der Saison unterzeichnet haben, wäre nach der positiven B-Probe die Kündigung durch den Arbeitgeber Gerolsteiner zwingend. Nach Ablauf der zweijährigen Sperre dürfte Hondo weitere zwei Jahre in keinem ProTour-Team fahren. Deshalb ist bei positiver B-Probe vom Karriere-Ende des in der Schweiz lebenden Cottbusers auszugehen, der die wissentliche Einnahme der Stimulanz Carphedon leugnet.

Carphedon steigert die Leistungsfähigkeit

„Je nach dem wie das Ergebnis ausfällt, werde ich aktiv werden“, kündigte Lehner an und bezog sich auf Meldungen, daß er eventuelle Unregelmäßigkeiten bei der Doping-Kontrolle im März untersuche. „Mehr Details gibt es dazu jetzt nicht zu sagen“, sagte der Anwalt weiter.

Carphedon steigert die „physische Leistungsfähigkeit und hebt auch die Toleranzschwelle gegen Kälte“, erklärte Wilhelm Schänzer, der Chef des Kölner Anti-Doping-Labors. Das Präparat wirke ähnlich wie Bromatan, das in den 90er Jahren „wohl für das russische Militär entwickelt wurde“.

Bromatan hatte bei den Olympischen Spielen 1996 für Schlagzeilen gesorgt, als es vier russischen Athleten nachgewiesen wurde. Der legendäre usbekische Sprinter Djamolidin Abduschaparow wurde in den 90er Jahren bei der Tour de France positiv auf das verbotene Mittel getestet.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

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