Schach

Kramnik setzt Leko matt und bleibt Weltmeister

Fußballer freuen sich anders: Wladimir Kramnik

Fußballer freuen sich anders: Wladimir Kramnik

19. Oktober 2004 Mit einem spektakulären Sieg in der letzten WM-Partie hat Wladimir Kramnik aus Rußland seinen Titel als Weltmeister im klassischen Schach doch noch verteidigt.

Sein Herausforderer Peter Leko aus Ungarn, der vor dem spannenden Finale mit 7:6 geführt hatte, gab mit Schwarz nach 41 Zügen den hoffnungslosen Kampf auf. Kramnik knüpfte am Montag mit den weißen Steinen ein Mattnetz, aus dem der Großmeister aus Szeged am Ende nicht mehr entrinnen konnte.

„Es hat sich gerächt, daß Leko nicht gekämpft hat“

Die Kontrahenten Kramnik (rechts) und Leko

Die Kontrahenten Kramnik (rechts) und Leko

Mit dem 7:7-Endstand hatte das 14-Partien-Match im schweizerischen Brissago keinen Verlierer. Das Unentschieden genügt dem Russen jedoch laut Reglement, um die Schachkrone zu behalten, die er im Jahr 2000 gegen seinen Landsmann Garri Kasparow erobert hatte. Kasparow hatte 1987 beim WM-Duell in Sevilla ebenfalls im letzten Spiel gegen seinen damaligen Erzrivalen Anatoli Karpow den Sieg aus dem Feuer gerissen.

"Es hat sich gerächt, daß Leko die zwölfte Partie nicht ausgekämpft hat. Die hätte er gefahrlos auf Gewinn spielen können", sagte Ivan Sokolov, ein Großmeister mit niederländischem Paß. "Jetzt wird Kramnik sagen, was für ein brillanter Zweikampfspieler er ist", sagte sein englischer Kollege Nigel Short in sarkastischem Ton. "Er hätte dafür bestraft gehört, wie er in den letzten vier Jahren gespielt hat."

Das Defensivschach, das Kramnik damals gegen Kasparow den Titel einbrachte, reichte selten, um die einem Weltmeister gebührenden Turniersiege zu sammeln. Falls das risikofreudige, energische Schach, das er am Ende des Matches in Brissago zeigte, ein Vorgeschmack auf seine künftigen Leistungen war, kann die Schachwelt gut leben mit Kramnik als Weltmeister.

500.000 Schweizer Franken - für jeden

Der Matchverlauf im Centro Dannemann am Lago Maggiore war mehr als kurios. Kramnik gewann die erste und letzte Partie, Leko das fünfte und achte Spiel. Zehn Partien endeten mit einem Remis. Der 25jährige Ungar bot seinem um vier Jahre älteren Gegner einen beherzten Fight und wäre um ein Haar erster Schach-Weltmeister seines Landes geworden. Doch der WM-Modus und das Glück waren gegen ihn. Kramnik, der nur sein Minimalziel erreichte, erhielt ebenso wie Leko ein Preisgeld von 500.000 Schweizer Franken.

WM-Sponsor war das „Centro Dannemann“ des gleichnamigen Schweizer Zigarren-Herstellers. Das Unternehmen hat signalisiert, sich weiter im Spitzenschach zu engagieren. In der Tat braucht Schach solvente und vor allem seriöse Geldgeber. Seit sich Kasparow 1993 vom offiziellen Weltverband (Fide) trennte und seinen WM-Titel selbst vermarktete, war die übrige Schach-Elite auf die Finanzspritzen von Fide-Präsident Kirsan Iljumschinow angewiesen. Woher seine Gelder kamen, blieb stets im Dunklen.

Die Herren bei der Arbeit

Die Herren bei der Arbeit

Zuletzt ließ Iljumschinow die WM der Fide, bei der die Weltbesten fehlten, in Tripolis ausrichten. Der Usbeke Rustam Kasimdschanow gewann das Turnier und soll nun im Januar 2005 in Dubai gegen den Weltranglisten-Ersten Kasparow spielen. Danach könnte der Sieger dieses Duells in einem Match gegen Kramnik den Schach-Weltmeister aller Klassen ermitteln. Das wäre ein Ausweg aus der Krise, in der das internationale Schach derzeit steckt.

Text: FAZ.NET mit Material von F.A.Z und dpa
Bildmaterial: AP , dpa/dpaweb

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Planen Sie Ihren Urlaub einmal etwas anders. Buchen Sie eine abwechlungsreiche Event-Reise im FAZ.NET-Ticketportal!

Anzeige

Private Krankenversicherung

Sportverletzung? Sorgen Sie vor - mehr Leistung für weniger Geld. Jetzt online vergleichen!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche