Bundesliga in der „Sportschau“

„Ordnungspolitischer Todsündenfall“

Bundesliga in der “Sportschau“: “Subventioniert vom Gebührenzahler“

Bundesliga in der "Sportschau": "Subventioniert vom Gebührenzahler"

18. Juni 2003 Der FC Bayern erhofft sich die ARD als „stabilen Partner“, Premiere protestiert und Gebührenzahler drohen mit Boykott: Das Comeback der Fußball-Bundesliga in der „Sportschau“ sorgt für unterschiedliche Reaktionen. Derweil spitzt sich das Duell zwischen ZDF und DSF um die beiden Sonntagspiele zu.

Einen Tag nachdem die ARD nun auch offiziell erklärt hat, die Fernsehrechte an der deutschen Eliteklasse für das frei empfangbare Fernsehen erwerben zu wollen, hat der Pay-TV-Sender erheblichen Widerstand angekündigt. „Ich bin empört, mit welcher Arroganz Teile unserer Rechte in Frage gestellt werden“, sagte Premiere-Geschäftsführer Georg Kofler.

Streitfall: „Alle Spiele, alle Tore“

Die ARD möchte, um den Wert der Spielberichte der sieben Spiele am Samstag zu wahren, die Zusammenfassung von Premiere um 17.25 Uhr stoppen. Dagegen wehrt sich Kofler. „Nur gegen große finanzielle Kompensation“ wäre sein Sender dazu bereit. Angeblich soll Sat.1 bisher bei „ran“ durch „Alle Spiele, alle Tore“ samstäglich bis zu 1, 5 Millionen Zuschauer verloren haben.

Ob die zeitnahe Zusammenfassung bei Premiere Teil des Pay-TV-Vertrages ist, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen unter den Vertragspartnern. Würde aber Premiere aufgrund des Wertverlustes weniger zahlen, würde auch Infront neu kalkulieren müssen, um den Rechteerwerb zu refinanzieren. Infront hat der Deutschen Fußball-Liga bislang auch für die kommende Saison 290 Millionen Euro garantiert hat und soll von Premiere 150 Millionen pro Spielzeit erhalten.

Die spannende Frage wird also blieben, ob die Bundesliga damit vorlieb nehmen wird, weniger Geld zu erhalten. Ein Denkmodell: Infront zahlt weniger, dafür fallen an die Liga Auslandsrechte und UMTS-Rechte zurück, die die Klubs eigenständig und nicht mehr zentral vermarkten könnten. Das wäre besonders für Branchenführer FC Bayern interessant.

„Zwangs-Pay-TV-Sender“

Anders als von Kofler befürchtet, ist die ARD aber nicht zusätzlich an Live-Spielen interessiert, wie ein Sprecher bestätigte. Kofler bezeichnete es als „ordnungspolitischen Todsündenfall“, wenn die ARD die Bundesliga-Erstrechte für das frei empfangbare Fernsehen erhalte. Der Senderverbund ist aus seiner Sicht „kein Free-TV-Sender, sondern ein Zwangs-Pay-TV-Sender“.

Einen Kompromiß, das sollen die markigen Worte wohl deutlich machen, will er sich teuer bezahlen lassen. Kofler drohte zudem damit, die Option auf Verlängerung des Pay-TV-Vertrages mit Infront für die Spielzeiten 2004/05 und 2005/06 nicht wahrzunehmen. Allerdings ist Premiere wie kein anderer Sender auf die Live-Bilder der Bundesliga angewiesen, weil der Fußball die meisten Abonnenten lockt. Darum muß der Sender auch darum kämpfen, die Werthaltigkeit seines Produktes zu schützen.

„Subventionierte Monopolisierung“

Entsetzt gab sich auch RTL, wo in den kommenden Jahren wohl kein Fußball zu sehen sein wird. „Es droht eine Monopolisierung des Fußballs in den öffentlich-rechtlichen Sendern, subventioniert vom Gebührenzahler“, klagte RTL-Informationsdirektor Hans Mahr. „Konservativ gerechnet geben die in den kommenden vier Jahren für deutschen Fußball 800 Millionen aus“, sagte Mahr. „Dazu kommen voraussichtlich 100 Millionen für die EM und 300 Millionen für die WM.“

Während die ARD ungeachtet der Kritik mit Infront um eigenen Bedingungen kämpft (Vierjahres-Vertrag, keine Premiere-Zusammenfassung), buhlen ZDF und DSF um die Erstverwertungsrechte der beiden Sonntagspiele. Weniger als zehn Millionen Euro will das ZDF nach Angaben eines Sprechers zahlen. In der „Sportreportag“ möchte das ZDF neben den beiden Erstligaspielen weitere Zweitligapartienin zeigen und dafür weniger als zehn Millionen Euro zahlen. Dafür wünscht sich der Sender eine Vorverlegung der Anstoßzeiten in dersreten Liga. „Wr sehen das sehr gelassen und nicht als Duell“, sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. Um 17.30 Uhr müssten laut Brender die Begegnungen beendet sein.

DFB und DFL wollen einlenken

„Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die Anstoßzeiten am Sonntag sind noch nicht diskutiert. Das bricht man nicht übers Knie“, sagte dazu Michael Pfad von der Deutschen Fußball-Liga (DFL). „Wenn Infront den Rahmen und damit die Anstoßzeiten abgesteckt hat, sind wir mit in der Bütt. Dann gibt es eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem DFB, weil der Grundlagenvertrag berührt und abgeändert werden müßte.“

Auch der DFB äußerte Verhandlungsbereitschaft: „Wir sind mit der DFL im Gespräch. Allen Beteiligten ist klar, dass Gesprächsbedarf besteht“, erklärte DFB-Pressechef Harald Stenger. Der Verband befindet sich in der Zwickmühle, Amateurspiele weiter zu schützen möchte, gleichzeitig den finanzknappen Profi-Klubs aber entgegenzukommen - und ein Bundesliga-Engagement des ZDF nicht grundsätzlich blockieren.

Wenig begeistert ist das DSF über die Wünsche des ZDF. Zum einen will der Spartenkanal selbst die beiden Erstliga-Spiele. Zum anderen würde eine Vorverlegung der Partien und eine Zusammenfassung im ZDF mit den Zweitligaberichten des DSF kollidieren.

Bundesliga begeistert, DSB in Sorge

In der Bundesliga wird die Rückkehr des Erstliga-Fußballs in die Sportschau „sehr begrüßt“, wie Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge erklärte. Die ARD wäre „auch wieder ein stabiler Partner“. Die Sportschau „würde wieder belebt“. Es gäbe „mehr Fußball und weniger Show“. Rummenigge erhofft sich auch positive Auswirkungen auf die Zuschauerzahlen. „Die alte Sportschau war bei den Zuschauern sehr beliebt. Die Nostalgie der alten Zeiten könnte uns in der Quote Vorteile bringen.“

Ganz anders reagierte Manfred von Richthofen, der sich als Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) als Anwalt des gesamten Sports versteht. Der Berliner Spitzenfunktionär äußert die „große Sorge“, dass bei einer Übernahme der Bundesliga-Rechte durch ARD und ZDF „der übrige Sport zum großen Verlierer werden könnte“. Ein solches Geschäft dürfe nur gemacht werden, „wenn ein deutlicher Prozentsatz der Mittel den anderen Sportarten erhalten bliebe“.

Schon jetzt konzentriere sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen weitgehend auf Fußball, Motorsport und Berufsboxen. Mit einer weiteren Konzentration auf den Fußball würde es sich immer mehr von seinem Auftrag zur Grundversorgung entfernen.

Text: @gf, dpa, sid
Bildmaterial: dpa/dpaweb

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Planen Sie Ihren Urlaub einmal etwas anders. Buchen Sie eine abwechlungsreiche Event-Reise im FAZ.NET-Ticketportal!

Anzeige

Private Krankenversicherung

Sportverletzung? Sorgen Sie vor - mehr Leistung für weniger Geld. Jetzt online vergleichen!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche