15. August 2007 Als der Hamburger SV am Mittwoch zur Mittagszeit in Budapest gelandet war, gab es für die mitgereisten Reporter nur eine harte Währung: eine Aussage von Rafael van der Vaart. Denn des niederländischen Blatt De Telegraaf hatte am Mittwoch berichtet, dass sich der Kapitän des HSV auf ziemlich ungewöhnliche Weise verletzt haben sollte. Und tatsächlich bestätigte sich in der ungarischen Hauptstadt, dass der 24 Jahre alte Holländer eine unglaubliche Verletzungsgeschichte vorzuweisen hat. Ich habe meinen Sohn hoch genommen und mich dabei verhoben, sagte der vom FC Valencia gejagte und unbedingt wechselwillige van der Vaart.
Vor dem Abflug der Hamburger Delegation auf dem Weg zum Hinspiel in der letzten Qualifikations-Runde des Uefa-Pokals bei Honved Budapest war van der Vaart tatsächlich von einem Arzt des HSV untersucht worden. Für die Partie am Donnerstag aber gab van der Vaart Entwarnung: Wenn es so bleibt, ist es kein Problem zu spielen.
Erinnerung an den Fall Boulahrouz
Nicht nur holländische Zeitungen fühlten sich bei diesem kolportierten Missgeschick mit dem ein Jahr alten Sohn Damian an den Fall Boulahrouz erinnert: der holländische Innenverteidiger war im August 2006 beim Warmlaufen vor der Partie in der Champions-League-Qualifikation gegen CA Osasuna auf dem Rasen des Hamburger Stadions zusammen gesunken und sah sich aufgrund einer Knöchelverletzung nicht in der Lage, für den HSV zu spielen. Der jähe Phantomschmerz samt schauspielerischer Glanzleistung entsprang damals Kalkül, denn Boulahrouz wollte unbedingt zum FC Chelsea wechseln (was er dann auch wenig später putzmunter tat).
Wäre er für den HSV aufgelaufen, hätten die Uefa-Statuten einen Einsatz im Europapokal für einen anderen Verein im Kalenderjahr 2006 verboten. Sollte van der Vaart an diesem Donnerstag zum Einsatz kommen - nichts anderes schwebt dem Hamburger Trainer Huub Stevens vor - hätten sich für van der Vaart europäische Auftritte für andere Klubs in diesem Jahr erledigt.
Soll der Preis in die Höhe getrieben werden?
Nun kann man nicht ausschließen, dass sich jemand beim Hochheben eines Kleinkindes verrenkt, die meisten Unfälle passieren schließlich im Haushalt. Aber Rafael van der Vaart hat durch seine lauthals geäußerte Wechselwilligkeit nach jahrelangen Treueschwüren und Liebesbekundungen für den HSV dem allgemeinen Misstrauen erheblich Vorschub geleistet.
Zu seinen Wechselabsichten wollte sich van der Vaart am Mittwoch nicht mehr äußern. Der HSV hatte am Montag klar gemacht, dass er seinen Regisseur auf keinen Fall verkaufen wolle; dies hatte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann am Dienstag abend auch noch einmal versichert. Der FC Valencia hatte 14 Millionen Euro für van der Vaart geboten. Aus Valencia hieß es am Mittwoch, man werte das Nein aus Hamburg als Teil der Verhandlungsstrategie, den Preis für van der Vaart in die Höhe zu treiben. Valencias Präsident Juan Soler ließ sich dergestalt zitieren, dass er hoffe, sich bis zum Samstag mit dem HSV geeinigt zu haben. Und eine spanische Hörfunkstation kam mit einem Zitat van der Vaarts um die Ecke, in dem er ankündigte, beim HSV so viel Druck zu machen, dass er schon am Wochenende in Valencia sei. De Telegraaf zitierte van der Vaart so: Aus Respekt vor dem Trainer und den Spielern werde ich vor dem Uefa-Pokal nichts mehr tun. Aber danach werde ich wahrscheinlich wechseln.
Der HSV spielt am Sonntag gegen Bayer Leverkusen. Man kann schon jetzt gespannt sein, wie die Hamburger Fans dem ehemaligen Liebling begegnen werden. Bei diversen Abstimmungen Hamburger Zeitungen waren die meisten Leser für einen Weggang des Abtrünnigen - allerdings für eine wesentlich höhere Ablöse als die bisher gebotenen 14 Millionen Euro.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, REUTERS