08. August 2004 Fünf Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Athen droht der Leichtathletik durch den Amerikaner Jerome Young ein neuer Doping-Skandal. Nach einem Bericht der französischen Sportzeitung L'Equipe soll der 400-m-Läufer beim Golden-League-Meeting am 23. Juli in Paris positiv auf das Blutdopingmittel Erythropoietin (EPO) getestet worden sein. Sollte die B-Probe das Ergebnis bestätigten, droht ihm als möglichem Wiederholungstäter eine lebenslängliche Sperre.
Der 27jährige war erst am 19. Juli nachträglich vom Leichtathletik-Weltverband IAAF für zwei Jahre wegen eines Anabolika-Vergehens aus dem Jahr 1999 gesperrt worden. Ich weiß noch nichts, aber auch ich habe gehört, daß L'Equipe das gemeldet hat, sagte IAAF-Generalsekretär Istvan Gyulai am Sonntag. Es sei nicht zum ersten Mal, daß besonders in Frankreich die Regeln außer Acht gelassen würden und Zeitungen einen Fall vor der IAAF meldeten. Wenn es sich bestätigen sollte, ist aber klar, daß er lebenslang gesperrt wird. Damit würde Young genauso bestraft werden wie einst der kanadische Ex-Sprinter Ben Johnson, der fünf Jahre nach seinem Doping-Vergehen 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul erneut erwischt wurde.
Anscheinend unverbesserlich
Der Fall des anscheinend unverbesserlichen Young, der sich nicht für die Sommerspiele in Athen qualifiziert hat, erhält durch den erneuten Doping-Vorwurf weiteren Zündstoff. So kritisierte die IAAF die Vertagung der Entscheidung über den Entzug der Goldmedaillen für die 4x400-m-Staffel der Vereinigten Staaten, die mit Young 2000 in Sydney Olympiasieger wurde, durch das Internationale Olympische Komitee (IOC). Wir hatten geglaubt, daß sie nicht warten und unsere Entscheidung unterstützen würden, sagte Gyulai unwirsch. Es wäre ein gutes Signal für die Welt gewesen, daß die gesamte internationale Sport-Führung die gleiche Meinung hätte. Dieses Zögern ist keine gute Botschaft.
Das IOC-Exekutivkomitee hatte am Samstag in Athen juristische Gründe für den Beschluß, erst nach dem 18. September über die Aberkennung des Olympia-Goldes zu entscheiden, angeführt. Zu dem Zeitpunkt läuft die zweimonatige Einspruchsfrist gegen die Entscheidung der IAAF ab, Young und Co. das Gold wieder weg zu nehmen. Das IOC als Hausherr der Olympischen Spiele hat allerdings in diesem Fall die letzte Verfügungsgewalt.
1999 positiv auf Nandrolon getestet
Daß das IOC der IAAF- Vorgabe folgt, wird kaum bezweifelt. Schließlich hatte der Internationale Sportgerichtshof (CAS) Jerome Young des Dopings für schuldig befunden. Der Langsprinter war 1999 positiv auf Nandrolon getestet, aber vom Leichtathletik-Verband der USA (USATF) nicht gesperrt worden. Betroffen wäre von einem Entzug der Medaille auch Mitläufer und Weltrekordler Michael Johnson.
So gut wie sicher ist eine zweijährige Doping-Sperre für 100-m-Weltmeisterin Torri Edwards (Doping: Weltmeisterin Torri Edwards wird zwei Jahre gesperrt). Die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA wird den von der IAAF empfohlenen Bann aussprechen, da im Fall der 27jährigen Sprinterin keine außergewöhnlichen Umstände erkennbar seien. Edwards war am 24. April auf Martinique positiv auf das Stimulanzmittel Nikethamid getestet worden. Sie hat nun nur noch die Möglichkeit, das CAS anzurufen und auf diesem Weg den Olympia- Start durchzusetzen.
Doping-Probe mit fremdem Urin manipuliert?
Für großen Wirbel sorgte die türkische 1500-m-Europameisterin Sureyya Ayhan. Sie soll eine Doping-Probe mit fremdem Urin manipuliert haben. Während die Medien ihres Landes bereits von der Tragödie eines goldenen Mädchens, so die Zeitung Sabah, schreiben, steht das Ergebnis der Untersuchung durch den türkischen Leichtathletik-Verband noch aus. Die Mittelstrecklerin selbst betonte, daß sie nur aus Verletzungsgründen ihren Olympia-Start absagen mußte. Ich wollte antreten, doch mein Arzt hat es mir nicht erlaubt, wird sie am Sonntag in den Zeitungen zitiert
Keinen Zweifel gibt es im Fall des irischen Langstreckenläufers Cathal Lombard. Der 28jährige wurde positiv auf EPO getestet, bestätigte ein Sprecher des irischen Olympia-Teams. Lombard, der am Montag noch angehört werden soll, droht damit der Ausschluß von den Athen-Spielen und eine Zwei-Jahres-Sperre.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa