FAZ.NET-Spezial: Der 17. Spieltag

Werder überwintert vor Schalke

Schöne Bescherung dank Naldo

Schöne Bescherung dank Naldo

17. Dezember 2006 Jubel an der Weser: Werder Bremen ist zum fünften Mal Herbstmeister der Fußball-Bundesliga. Mit dem 2:1 gegen den VfL Wolfsburg und 36 Zählern zogen die Hanseaten dank der besseren Tordifferenz noch am punktgleichen FC Schalke 04 vorbei und sind seit Sonntag selbsternannter „Weihnachtsmeister 2006“.

Erste Herausforderer des Top-Duos im Jahr 2007 sind Rekord-Titelträger Bayern München als Dritter (33) und der VfB Stuttgart (32) auf Platz vier. Beim Hamburger SV und bei Borussia Mönchengladbach herrscht kurz vor Weihnachten keine Festtagsstimmung. Nach einer desaströsen Hinrunde müssen beide Traditionsclubs auf einem Abstiegsplatz überwintern. „Die Situation ist extrem kritisch“, sagte HSV- Vorstandschef Bernd Hoffmann.

Hamburger Posse um Ottmar Hitzfeld

Das dramatische 3:3 des HSV, der sich Sekunden vor dem Abpfiff in Aachen durch ein Eigentor von Bastian Reinhardt noch den Ausgleich einfing, war der unglückliche Höhepunkt nach einer rasanten Talfahrt des Bundesliga-Gründungsmitglieds. Mit nur einem Sieg in 17 Spielen stehen die Hanseaten am Abgrund und haben bereits vier Zähler Rückstand zum rettenden Ufer. Es ist offen, ob Chefcoach Thomas Doll zum Trainingsauftakt am 27. Dezember noch das Kommando hat. Hoffmann will „nach diesem desaströsen halben Jahr“ die Situation „zügig, aber ohne Hast“ analysieren.

Nach Informationen des Hamburger Abendblatts (Sonntagsausgabe) gibt es angeblich einen „Geheimplan“, nach dem Doll in den nächsten Tagen verabschiedet und Ottmar Hitzfeld verpflichtet werden. Vom Star-Coach kam aber postwendend das Dementi. „Das stimmt definitiv nicht. Ich habe kein Interesse, nach Hamburg zu kommen“, sagte Hitzfeld dem ZDF.

„Das Beste ist, daß die Vorrunde vorbei ist“

Fast ebenso prekär ist die Lage in Mönchengladbach nach dem zehnten Spiel ohne Sieg. Mit dem 0:2 beim VfL Bochum rutschten die „Fohlen“ erstmals seit acht Jahren zur Halbzeit wieder tief in den Keller. Trainer Jupp Heynckes führte am Samstag ein Gespräch mit Präsident Rolf Königs, weitere Unterredungen sollen folgen. „Der Club muß wissen, was das Beste ist“, sagte Heynckes, der die Talfahrt in erster Linie auf das große Verletzungspech zurückführt und auf Verstärkungen in der Winterpause hofft. Aber er ist sich auch bewußt, „daß der Trainer zuerst verantwortlich ist“.

In Mainz dürfte Jürgen Klopp trotz der bitteren Halbzeit-Bilanz (ein Sieg/11 Punkte) im Amt bleiben, es sei denn, er zöge selbst die Konsequenzen. „Das Beste ist, daß die Vorrunde vorbei ist“, sagte der Trainer nach der Pleite gegen Bayern München. Die in 40 Tagen beginnende Rückrunde könnte für die vor zwei Jahren aufgestiegenen Mainzer zur Abschiedstournee werden. „Oder wir starten die wildeste Aufholjagd aller Zeiten“, meinte Klopp.

Schalker Unruhe, Münchner Zuversicht

Schalke und Trainer Mirko Slomka kamen trotz der zweitbesten Hinrunde der Clubgeschichte nie zur Ruhe. Nach vielen Turbulenzen sorgte der zum Ersatztorhüter degradierte Frank Rost zum Ende des sechswöchigen Medienboykotts für neue Mißtöne und klagte im ZDF- Sportstudio über seine schon lange betriebene Demontage: „Ich bin 14 Jahre in der Bundesliga. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Rost zeigt wenig Neigung, sich mit der Rolle als Nummer zwei hinter Manuel Neuer zufrieden zu geben. „Ich bin kein Sitzfußballer.“

Zwar beendeten die Münchner die Hinrunde nicht wie in den beiden Jahren zuvor auf Platz eins, doch Manager Uli Hoeneß stört das nicht: „Die Herbstmeisterschaft war nie unser Ziel. Wir wollen am Ende oben sein. Aber Bremen und Schalke sind sehr harte Gegner für uns“, sagte er im DSF. Man habe alles in der Hand, zumal Bremen und Schalke noch in München antreten müssen. „Wenn wir so spielen, brauchen wir uns keine Gedanken um den Titel zu machen. Dann werden wir ihn holen“, sagte Bayern-Trainer Felix Magath.

Kein Aufsteiger auf Abstiegsplatz

Einen gelungenen Jahresausklang feierten der 1. FC Nürnberg (3:1 gegen Hannover 96) und Hertha BSC (1:0 gegen Eintracht Frankfurt). Stuttgart ist mit Trainer Armin Veh eine der positiven Saison- Überraschungen. Zwar gelang bei Energie Cottbus nur ein 0:0, doch der VfB hat sich als Verfolger des Spitzentrios etabliert. Bei Borussia Dortmund ist Bert van Marwijks Position nach dem 1:2 am Sonntag gegen Bayer Leverkusen noch schwächer geworden. Die Werksmannschaft rückte hinter Hertha BSC an die sechste Position vor.

Die Aufsteiger Aachen, Bochum und Cottbus beendeten die Vorrunde immerhin auf den Nicht-Abstiegsplätzen 13 bis 15, sind aber längst nicht über dem Berg. Bochum arbeitete sich mit Trainer Marcel Koller nach schwachem Saisonstart langsam nach oben, in Aachen und Cottbus ist die Tendenz umgekehrt.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

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