VfB Stuttgart

Rumoren um Veh

Von Frank Heike, Hamburg

21. Oktober 2007 Ein Gefühl der Ohnmacht muss Armin Veh beschlichen haben, als er den Weg seiner Mannschaft immer tiefer in den Sumpf betrachtete. Regungslos verfolgte der Trainer die fünfte Auswärtsniederlage seines VfB Stuttgart von der Bank aus – an diesem Nachmittag hätte er schon ein Zauberer sein müssen, um die Demontage des deutschen Fußballmeisters zu verhindern.

Als reichten drei Gegentore in 35 Minuten nicht (Siehe auch: 1:4 - Stuttgart blamiert sich in Hamburg, trat sein Ersatzkapitän Pavel Pardo in der 45. Minute auch noch David Jarolim und wurde des Feldes verwiesen. Wahrscheinlich wird in der Kabine des VfB zur Halbzeit nur ein Gedanke vorgeherrscht haben: Hoffentlich ist es bald vorbei! Nationalstürmer Mario Gomez sprach nach dem schlussendlichen 1:4 der Stuttgarter beim Hamburger SV vom „schlimmsten Spiel meiner Karriere“. Solche Spiele passieren nur Mannschaften, die schon tief in der Abwärtsspirale stecken und kaum wissen, wie sie wieder herauskommen sollen. In Hamburg hat man das noch lebhaft in Erinnerung.

Die Alarmglocken schrillen

Dass es zum schlechten Ende kein Debakel für den Titelträger wurde, lag mehr an Nachlässigkeiten des HSV im zweiten Durchgang. Aber eine Niederlage mit vier Gegentoren reichte auch so, um am Sonntag die Alarmglocken in Stuttgart schrillen zu lassen: Es sind schon zehn Punkte zu Platz drei, nur einer zum 16. Rang. „Von einem deutschen Meister erwartet man mehr als Abstiegskampf“, sagte Torwart Raphael Schäfer nüchtern.

Und damit hatte er in unaufgeregten Worten die Haltung der Herren Staudt und Hundt wiedergegeben. Der Präsident und der Vorsitzende des Aufsichtsrates sind äußerst besorgt über diesen Saisonstart, und aus Stuttgart war zu hören, dass es bei einer weiteren Niederlage am Samstag gegen Bayer Leverkusen schon eng werden könnte für den am Samstag angenehm sachlich-ruhigen Meistertrainer Veh. Es ist bekannt, dass Hundt nie ein Freund Vehs war und es derzeit weniger denn je ist. Noch kann der 46 Jahre alte Coach des Überraschungsmeisters aber vom Meisterbonus zehren und vergleichsweise ruhig arbeiten. Alles andere wäre einen Tag vor dem nächsten Champions-League-Spiel gegen Olympique Lyon auch ein Aberwitz.

Argumente für den tiefen Fall

Veh hat ja Argumente für den tiefen Fall der Schwaben. Er sagte: „Dieses Spiel war die Summe vieler Dinge, die über die Monate gelaufen sind. Für uns wird sich die personelle Situation nicht grundlegend ändern. Wir brauchen ein Erfolgserlebnis.“ Am Samstag fehlten dem VfB in Boka, da Silva, Hitzlsperger, Meira, Delpierre, Magnin und Marica sieben Stammkräfte. Die Stützen der Meistersaison sind verletzt oder bringen ihre Leistung nicht (Gomez, Hilbert, Khedira), die Einkäufe haben sich bisher nur als Mitläufer erwiesen, und was von der Bank kommt, hat den Amateurstatus.

In solch einer verfahrenen Lage kann man Spiele im Europapokal gar nicht gebrauchen: „Die Mehrfachbelastung schmerzt uns, weil wir nicht regenerieren können“, sagte Veh. Panisch wirken weder er noch Sportdirektor Horst Heldt. Ein Unterschied war nur in der Betrachtung der Profis zu erkennen. Während Veh niemanden in der Mannschaft „schlecht reden“ wollte, sagte Heldt: „Es ist berechtigte Kritik, die auf uns einprasselt. Wir verlangen mehr von unseren Spielern, auf und außerhalb des Platzes. Viele rufen ihre Leistung nicht ab.“

Schlimme Fehlerketten

Es waren schlimme Stuttgarter Fehlerketten, die die Hamburger Tore ermöglichten: verlorene Zweikämpfe, frühe Ballverluste, fehlende Absprachen in der neuformierten Abwehr mit Tasci und Pisot in der Mitte und Farnerud links. Das 1:0 durch Ivica Olic in der 7. Minute bereitete Zidan schön vor: er lief Hilbert einfach weg. Bei Olics zweitem Treffer (22. Minute) verlängerte Pisot den Ball von Demel, so dass Olic frei stand. Der dritte Treffer Olics fiel, als der HSV die Stuttgarter Abwehr-Kette mit einem simplen Doppelpass knackte (35.) Davor und danach hätte es weitere Gegentore geben können. Der VfB blieb konfus und kassierte in der 60. Minute in Unterzahl das 4:0 durch Mathijsen, als Schäfer an Trochowskis Flanke vorbei segelte. Tascis 4:1 interessierte außer dem verärgerten Hamburger Trainer Huub Stevens niemanden mehr (73.).

Viel zu sagen gab es nach der Packung für den Meister nicht. Allein Schäfer, als Spielführerersatz des Ersatzes Pardo, versuchte, die Situation zu beruhigen: „Wir haben keine Probleme mit dem Trainer. Wir müssen einfach ruhig bleiben und zusammen unten rauskommen.“ Er wisse aus seiner Nürnberger Zeit, wie wichtig Ruhe in der Krise sei, sagte Schäfer. Dass ihm die sechsjährigen Erfahrungen beim fränkischen Kellerkind im neuen Job beim Deutschen Meister diesbezüglich weiterhelfen würden, hat er sicher nicht gedacht.

Der VfB Stuttgart
steckt tief in der
Abwärtsspirale. Das
1:4 in Hamburg hat die Krise beim Meister
verschärft und die
Kritiker des Trainers
auf den Plan gerufen.
Von Frank Heike



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

 
Rubriken
Blättern

Olympiavideo: Jack Culcay-Keth

Eine Blitzkarriere im Boxring

 
Video in voller Größe

Sollte im TV mehr „Randsport“ gezeigt werden?

Ergebnis
 
 
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche