26. August 2008 Zhonguo jiayou, Gib Gas, China“ – der Schlachtruf der chinesischen Freiwilligen und Jubeltrupps und ihre einstudierten Siegesgebärden werden als Markenzeichen der Pekinger Spiele in Erinnerung bleiben. Wenn sie trotz aller Bedenken wegen Überwachung, Über-Organisation und Über-Kontrolle doch in freundlicher und herzlicher Atmosphäre stattfanden, so ist dies zum großen Teil dem enthusiastischen Engagement der blau-weißen Freiwilligen zuzuschreiben.
1,7 Millionen Freiwillige waren im Einsatz, und sie gaben den Spielen, die vor dem Beginn im amtlichen Ernst zu erfrieren drohten, die Wärme und das freundliche Gesicht. In den Stadtvierteln zeigten Rentner und Rentnerinnen mit Freiwilligen-Armbinden den Besuchern ihr schönstes Lächeln. So präsentierte sich Peking von seiner besten Seite, als Gastgeber sind die Chinesen unübertroffen.
Ein gespaltenes Bild
Dass aber so viele als Freiwillige dabei waren, half auch, den olympischen Geist zu verbreiten, vielleicht mehr sogar, als es durch die Sportwettbewerbe möglich war. In China ist Sport noch keine wichtige Nebensache, die erfolgreichen Sportler kommen aus dem System der Sportschulen und nicht aus Vereinen. In der normalen Gesellschaft wird Sport noch kleingeschrieben. Selbst in den Schulen wird er vernachlässigt.
Die Stadt Peking selbst bot in der Zeit der Spiele ein gespaltenes Bild. Wegen der Verkehrsverbote für private Fahrzeuge und der Straßensperren für Olympia zeigte sich die Stadt in der sommerlichen Hitze merkwürdig leer. Viele fühlten sich sogar an die Zeit der ansteckenden Lungenkrankheit Sars erinnert, als die Innenstadt ebenfalls für Wochen wie ausgestorben war. In einer Zeit da doch überall gefeiert und getobt werden sollte, hatte die Stadt in ihrem Sicherheitswahn zudem noch vielen Cafés und Restaurants verboten, ihre Tische draußen aufzustellen.
Doch es wurde auch gefeiert, auf dem olympischen Gelände und in den Sportstätten war die Stimmung toll, und selbst jene chinesischen Besucher, die wie die meisten zum ersten Mal eine internationale Sportveranstaltung besuchten, ließen sich anstecken vor der Begeisterung. Die bestellten Claqueur-Trupps brauchte es nur in wenigen Sportarten, um Stimmung zu verbreiten. Dass es den chinesischen Fans bei der Anfeuerung vor allem um China ging, war klar, die anderen zu feiern, haben sie noch nicht gelernt.
Leichte Misstöne
So gab es auch leichte Misstöne etwa gegenüber Japanern und Kritik daran, dass sich chinesische Trainer im Ausland verdingen. Immerhin wurden sie aber nicht mehr als Landesverräter“ beschimpft. Jetzt wird anerkannt, dass auch die Leistungen der chinesischen Trainer im Ausland auf China zurückfallen. Die Chinesen sind reifer geworden“, jubelten chinesische Zeitungen.
Gefeiert wurde auch draußen, beim Public Viewing, an den Olympia-Kulturbühnen und in den Barvierteln wie Houhai und Sanlitun. Die meisten Chinesen zogen jedoch das Fernsehen vor, das auf vier Kanälen sicherstellte, dass keine Leistung von chinesischen Sportlern unbeachtet blieb. Viele Pekinger Betriebe und Behörden hatten ihren Angestellten gleich freigegeben, die meisten hatten Zeit, ausführlich zu schauen.
Hoffnungslos überfüllte Busse und U-Bahnen
Jetzt, wo alles vorbei ist und der Jubel über die riesige Medaillenausbeute der Chinesen verklungen, drängt sich den Pekingern wieder anderes auf. Schon machen erste Gerüchte die Runde, dass die Stadt die Verkehrsbeschränkungen, nach der an geraden und ungeraden Tage nur Fahrzeuge mit entsprechenden Kennzeichen auf die Straße dürfen, auch nach den im September folgenden Paralympics beibehalten will. Das erbost die Pekinger, die erst seit wenigen Jahren in den Besitz eines Autos gekommen sind und dessen Annehmlichkeiten nicht aufgeben wollen. Die hoffnungslos überfüllten Busse und U-Bahnen während der Spiele waren nicht gerade eine Werbung für den Gebrauch öffentlicher Verkehrsmittel.
Den Pekingern bleiben als Erinnerung die großen Monumente, das Vogelnest, der Wasserwürfel und der olympische Park, der nun endlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Wie sich ihre Stadt weiterentwickeln wird, jetzt, da das Ziel Olympia nicht mehr vor der Tür steht, müssen sie nun selber zu beeinflussen versuchen. Immerhin soll es zur Frage der Verkehrsbeschränkungen eine Anhörung“ der Bürger geben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa