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| Markus Wortmann macht bei Biotronik Botschaften aus dem Herzen sichtbar. |
05. Dezember 2005
Deutschland belegt Spitzenpositionen in der Medizintechnik und bietet ideale Voraussetzungen für einen weiteren Aufstieg der Branche. Das zeigt eine aktuelle Studie des VDE im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Beispiel für diesen Erfolg ist die Berliner Firma Biotronik, die kardiologische Implantate herstellt. Markus Wortmann ist eingestiegen, um Botschaften direkt aus dem Herzen" lesbar zu machen.
Erfolge machen skeptisch. Zumindest in der derzeitigen deutschen Wirtschaftswelt. Und so scheint es, als ob auch die Teilnehmer an einer vom VDE ins Leben gerufenen Pressekonferenz zur Medizintechnik und Medizinphysik" auch selbst immer noch ein wenig irritiert darüber sind, daß auf ihrem Feld derzeit viel Fruchtbares gedeiht. Immer wieder wird im versammelten Pressepublikum und kurzzeitig sogar auf dem mit Klinikdirektoren und Institutsvertretern kompetent vertretenem Podium nach etwas Negativem gesucht, über das zu berichten wäre: Abwanderungstendenzen deutscher Medizintechniker in die USA: Das scheint zunächst ein gutes Beispiel. Andererseits - so Statistik und auch Erfahrung der anwesenden Experten - kommen die meisten nach einigen Jahren wieder nach Deutschland zurück. Zumindest aber die viel gescholtene Bürokratie: Diese, so mutmaßt eine Pressevertreterin, müsse doch ein echter Nachteil sein für die Medizintechnik in Deutschland. Aber auch das sei - ehrlich gesagt - längst kein ernsthaftes Hindernis mehr, muß das Podium konstatieren. Anders sei auch die Gründerwelle nicht zu erklären, die allein in den Jahren zwischen 1995 und 2002 jährlich rund 1.150 neue Unternehmen hervorgebracht habe, die in der Medizintechnik forschen, Medizinprodukte herstellen oder Dienstleistungen anbieten. Aber vielleicht liegt es ja mit der Nachwuchsförderung im argen? Nein. Sorry. Selbst hier sind wesentliche Weichen gestellt. Zwar gebe es keinen Anlaß, die rosa Brille aufzusetzen und die Hände in den Schoß zu legen, aber: Derzeit sieht es hierzulande gut aus mit der Medizintechnik", resümierten die Branchenvertreter. Und das sei auch durch Fakten zu belegen.
Deutschland ist beispielsweise der drittgrößte Produzent von medizintechnischen Produkten und bietet ideale Voraussetzungen für eine prosperierende Medizintechnik. Das steht zu lesen in der Studie zur Situation der Medizintechnik in Deutschland im internationalen Vergleich". Das 900-Seiten-Werk wurde federführend von der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT) im VDE zusammen mit dem Aachener Kompetenzzentrum Medizintechnik (AKM) für das Bundesministerium für Bildung und Forschung durchgeführt und stellt klar: Deutschland ist international vor allem beim Know-how in der Grundlagenforschung und bei der Entwicklung komplexer Systeme führend.
Zudem sei die Branche hochinnovativ. So erwirtschaften die in Deutschland ansässigen Medizintechnikunternehmen mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes mit Produkten, die weniger als zwei Jahre alt sind. Das positive Klima werde unter anderem durch die hohe Zahl der Unternehmensgründungen in der Medizintechnik bestätigt. Mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von über einem Prozent pro Jahr gehört sie zudem zu den wenigen Personal-Wachstumsbranchen.
Ein gutes Beispiel für Innovationen und den stetig steigenden Bewerberbedarf insbesondere bei Ingenieuren ist das Berliner Unternehmen Biotronik. Mittlerweile arbeiten international fast 3.000 Mitarbeiter aus über 50 Nationen für die Medizintechnikfirma, die sich auf dem Gebiet der Elektrotherapie mit Herzschrittmachern, implantierbaren Defibrillatoren oder Elektroden und externen Geräten für die Bradykardie-, Tachyarrhythmie- und Kardiale Resynchronisationstherapie weltweit einen Namen gemacht hat. Alle von Biotronik neu entwickelten aktiven Implantate verfügen optional über die Fähigkeit der automatischen mobilen Datenfernübertragung. Auch stellt Biotronik ein umfassendes Produktspektrum für elektrophysiologische Untersuchungen und Therapien bereit. Letzten Endes ist es die Mischung aus ingenieurwissenschaftlichen Aufgaben und der Implantalogie, die mein Aufgabengebiet so interessant machen", erklärt Markus Wortmann. Vor drei Jahren war er bei Biotronik eingestiegen und arbeitet heute als Gruppenleiter im Bereich Qualitätsmanagement. Für Elektroingenieure wie ihn gebe es in der Medizintechnik eine einzigartige Verknüpfung von technischem Antrieb' einerseits und der Möglichkeit, Menschen nachweislich helfen zu wollen, sagt er. Bei Biotronik beispielsweise sei es für Ingenieure wie Mediziner gleichermaßen bedeutungsvoll, Signale, die vom Körper ausgesendet werden, zu erfassen, um mit der entsprechenden Technologie sehr schnell Krankheitsbilder zu behandeln, die vor Jahren noch nicht einmal bekannt waren.
Bereits vor seinem Einsteig bei Biotronik hatte sich der heute 33jährige intensiv mit Medizintechnik befaßt. Erst durch die Wahl des Studienschwerpunkts an der TU Berlin, dann durch ein Praktikum und seine Diplomarbeit bei Biotronik. Kennengelernt hatte er das Unternehmen auf einer Bonding-Messe. Später arbeitete er als Praktikant und im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Entwicklung eines Signalkonditionierungssystems, das er zwei Jahre nach seinem Einstieg bei Biotronik zur Serienreife führte. Ich entwikkelte ein modular aufgebautes Gerät, das die Möglichkeit bietet, verschiedene elektrische Widerstände und Signale, die man im Herzen findet, zu simulieren und zu messen", erklärt Markus Wortmann. Ein Schrittmacher beispielsweise reagiere auf bestimmte Signale aus dem Körper. Biologische Signale aber müssen künstlich reproduziert werden, wenn ein Schrittmacher oder ein anderes Implantat getestet werden soll. Durch Markus Wortmanns Blackbox, die auf der einen Seite mit dem Implantat und auf der anderen Seite mit den nötigen Meßinstrumenten verbunden ist, wird dies möglich. Herzschrittmacher können nun mit elektrischen Signalen angesteuert werden, die denen eines Menschen vergleichbar sind. So kann beispielsweise auch ein Extremfall, das Flimmern des Herzens simuliert werden.
In kaum einem anderen Arbeitsfeld können - oder besser müssen - sich Elektroingenieure und Informatiker so intensiv mit der Biologie auseinandersetzen wie in der Medizintechnik", meint Markus Wortmann. Unabhängig davon, ob man in der Entwicklung arbeite oder ob man, so wie er, nach Abschluß des Projekts andere Aufgaben im Qualitätsmanagement wahrnehme. Überall arbeite man mit Produkten von außergewöhnlich hoher Komplexität und es müssen außergewöhnlich hohe Sicherheitsstandards erfüllt werden. Auch deshalb arbeiten über 100 Personen im Bereich Qualitätsmanagement bei Biotronik. Viele sollen - wie Markus Wortmann auch - präventiv wirken", also von Anfang an mögliche Fehlerquellen ausschließen.
In kaum einem anderen Arbeitsfeld müssen sich Elektroingenieure und Informatiker so intensiv mit der Biologie auseinandersetzen wie in der Medizintechnik."
Ein praktisches Beispiel sei die Neueinführung von Produkten, erklärt der Ingenieur. Das könne beispielsweise ein Schrittmacher sein, eine Elektrode oder auch ein externes Gerät wie beispielsweise ein Programmiergerät für aktive Implantate. Soll ein solches neues Produkt auf den Markt gebracht werden, komme vom Marketing die Vorgabe, was dieses Produkt leisten muß. Bereits bei dieser ersten Sondierungsphase fängt die Aufgabe eines Qualitätsmanagers bei Biotronik an", erklärt Markus Wortmann. Ich definiere Projekt- und Sicherheitsstandards auf der Grundlage bestehender internationaler Normen und Gesetze, indem ich Komponenten- und Prozeßanalysen anfertige oder Risikoanalysen auswerte." Ein Beispiel sei die Entwicklung eines Programmiergeräts, bei dem die Programmieroberfläche geändert wird, weil die Signale des Patienten in einer verbesserten Darstellungsform des EKGs direkt auf dem Bildschirm ausgegeben werden sollen. Ich arbeite die Risiken aus, die dabei entstehen könnten", erklärt der Ingenieur. In einem simplen Fall könne es sein, daß die Anzeige ungenau ist oder ruckelt. Oder daß mit Softwaremodulen Probleme auftreten. Möglich auch, daß die Darstellungsform für einen Arzt nicht optimal ist. Schwerwiegender, weil weniger offensichtlich wird es, wenn beispielsweise das Prozessormodul Timingprobleme verursacht und deshalb die Bedienoberfläche nicht oder nur noch eingeschränkt zur Verfügung steht. Immer wieder fährt Markus Wortmann Testschleifen, sowohl während der Entwicklung, bei Pilotserien und in regelmäßigen Abständen bei der Serienfertigung. Und immer wieder definiert und durchleuchtet Markus Wortmann die Prozesse und arbeitet aus, an welchen Stellen ein weiterer Test eingebaut werden muß und wie die Ergebnisse zu interpretieren sind.
Doch nicht nur die Qualitätstests gehören zu den Aufgaben von Markus Wortmann. Als Gruppenleiter ist er für drei Kollegen verantwortlich und hält engen Kontakt zur Geschäftsführung. Jeden Monat berichtet er über die Qualitätslage. Dazu kommen Meetings mit den Bereichsleitern und immer wieder Treffen mit Marketing, Produktion und Entwicklung, und er hält Kontakt zu Vertrieb und Versand.
Die Vorstellung, sich durch seine Aufgaben bei Koordination und Management immer weiter von den eigentlichen Aufgaben eines Elektroingenieurs zu entfernen, hält er aber für Unsinn. Es kommt immer darauf an, wie man Ingenieur' definiert", sagt er. Nach seinem Verständnis sei es ganz normal, daß Ingenieure nicht nur für technische Belange zuständig sind. Wichtig ist, daß ich mich nie zu weit von der Technik entferne", sagt Markus Wortmann. Aber letztlich bin ich für medizinische Geräte verantwortlich und deshalb will ich nicht nur verstehen, wie sie funktionieren, sondern auch, wie sie vom Markt angenommen werden." Ein Medizintechniker sei ein 360-Grad-Ingenieur", der den Blick für das Ganze entwickeln müsse: Wenn ich versuche, ein Herz zu verstehen, um mit diesem Wissen technisch arbeiten zu können, kann ich auch nicht einfach einen Teil ausblenden."
EINSTIEG BEI BIOTRONIC
Biotronik ist ein führendes europäisches Unternehmen der Medizintechnik mit weltweiter Marktpräsenz. Das Unternehmen erforscht, entwickelt, produziert und vertreibt Produkte für die Elektrotherapie des Herzens und die vaskuläre Intervention. Biotronik unterhält Entwicklungs- und Fertigungsstandorte in Europa und Nordamerika. Allein im kommenden Jahr sollen mehrere Dutzend Ingenieure neu eingestellt werden. Gesucht werden vor allem Absolventen aus den Bereichen Elektrotechnik, Elektronik, Maschinenbau, Medizintechnik, Physik, Feinmechanik, Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen.
Kontakt:
Biotronik GmbH & Co. KG
Personalabteilung
Postfach 470255
12311 Berlin
personnel@biotronik.com
http://www.biotronik.de
Die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT) im VDE
Unterstützung für Medizintechniker
Medizintechnik gehört zu den vermutlich interessantesten Branchen für angehende Elektroingenieure und Informatiker. Die Bündelung von Know-how aus Technik und Medizin ermöglicht Innovationen, mit denen die Gesundheitsversorgung eines Menschen erheblich vereinfacht werden kann: Nanoroboter scannen Organe auf mögliche Krankheitserreger. Die menschliche Muskelarbeit wird durch mechanische Implantate unterstützt. Oder auf dem heimischen TV-Screen wird der eigene Gesundheitszustand sichtbar gemacht.
Die Deutsche Gesellschaft für biomedizinische Technik (DGBMT) im VDE bündelt die ingenieurwissenschaftlichen Kompetenzen der Medizintechnik. Zu ihren Mitgliedern zählen Ärzte, Ingenieure und Naturwissenschaftler. Sie sind in Hochschulen tätig, in Kliniken, in der Medizintechnikindustrie oder der freien Wirtschaft. Die DGBMT ermöglicht aber nicht nur die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Forschern, Erfindern und praktischen Anwendern. Die Gesellschaft arbeitet auch mit an Prüfungs- und Studienordnungen und unterstützt Hochschulgruppen vor Ort. So erhalten bereits Berufseinsteiger die Chance, schnell Kontakte zu knüpfen und Fuß im Bereich der Biomedizinischen Technik zu fassen.
Weitere Infos:
http://www.vde.com/VDE/Fachgesellschaften/DGBMT