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Roland Berger Strategy Consultants Nach dem Bachelor erst einmal Consulting-Luft schnuppern Von Margarete Hucht 
 | | Juliane Reinecke, Roland Berger Strategy Consultants |
20. Juni 2005 Mit dem Bachelor ins Beratergeschäft - das ist seit kurzem bei Roland Berger Strategy Consultants möglich. Juliane Reinecke ist eine der Pionierinnen, die mit dem Programm Consulting Analyst" nach nur sechs Semestern ins Unternehmen eingestiegen ist. Neun Monate wird die 24jährige auf unterschiedlichen Projekten arbeiten und dann ihren Master machen.
Das Orakel von Delphi hilft nicht mehr. Wer heute seine Zukunft plant, stellt Schicksalsfragen schon eher dem Internet. Ich bin Bachelor. Was soll ich werden?" Juliane Reinecke klickte sich im Web durch ihre Möglichkeiten. In Bayreuth hatte sie den Bachelor-Studiengang Philosophy and Economics" absolviert - eine deutschlandweit einzigartige Kombination aus Wirtschaftswissenschaften und philosophischer Denkschule. Doch würde die noch junge Ausbildung auch den Ansprüchen des Arbeitsmarkts genügen? Bei ihrer Suche kam Juliane Reinecke zugute, daß sie sich bereits während ihres Studiums in der studentischen Unternehmensberatung Junior Beratung Bayreuth engagiert hatte und dadurch ihren Berufswunsch klar vor Augen hatte. Die Consultingbranche hat mich schon immer sehr interessiert." Doch nur bei Roland Berger gab es ein entsprechendes Angebot für Bachelor-Absolventen. Auf der Karriereseite des Unternehmens las sie: Als Consulting Analyst werden Sie für neun bis zwölf Monate an verschiedenen Projekten mit variierendem Themenschwerpunkt mitarbeiten", stand da. Danach kehren Sie an die Universität zurück, um Ihren Master zu machen. Bei erfolgreichem Abschluss erhalten Sie im Anschluss von uns ein Angebot als Junior Consultant." Eine attraktive Offerte, fand Juliane Reinecke und stürzte sich letzten Herbst ins Bewerbungsverfahren. Der Recruiting-Tag war anstrengend", gibt Juliane Reinecke offen zu. Acht Berater im dunklen Anzug auf der einen, fünf Studierende auf der anderen Seite - das war ungewohnt und machte Eindruck." Nervös? Anfangs ja", sagt Juliane Reinecke, doch irgendwann habe ich mich entspannt und konnte das Bewerbungsverfahren relativ locker angehen." Acht BErater im dunklen Anzug auf der einen, fünf Studierende auf der anderen Seite. Die Erinnerungen an den vollgepackten, stressigen Tag liegen noch nicht allzu lang zurück. Persönliche Interviews, ein BWL-Test, verschiedene, im Team zu lösende Case Studies, ein simuliertes Kundengespräch - ich habe einen Klienten zu einer Unternehmensübernahme befragt" - und am Abend noch ein ausführliches Feedback-Gespräch gehörten zur ersten Bekanntschaft mit ihrem heutigen Arbeitgeber. Juliane Reinecke staunte zunächst etwas über eine scheinbar banale Frage, die die Bewerber zu lösen hatten. Nämlich: Wie viele Telefonzellen hat New York City?" Nein, das sei kein Ratespiel gewesen, meint die Consulting Analyst. Es ging um meine Herangehensweise." Sie habe also versucht, die Aufgabe zu analysieren und in Einzelteile zu zerlegen". Zum Beispiel so: Wenn die Metropole zwölf Avenues und 200 Querstraßen hat, dann entsteht ein Koordinatenkreuz mit einer bestimmten Anzahl Ecken, an denen jeweils eine Telefonzelle stehen könnte." Juliane Reinecke nahm die Einladung zu einer weiteren Auswahlrunde mit nach Hause - eine persönliche Verabredung mit zwei Partnern von Roland Berger, also am Unternehmen beteiligten Beratern am oberen Ende der Karriereleiter. Ich sollte nochmals unter Beweis stellen, wie es um meine Problemlösungskompetenz steht", sagt Juliane Reinecke. Einer der Partner fragte mich, was ich in folgender Situation machen würde: Stellen Sie sich vor, Ihr Projektmanager teilt Ihnen abends mit, daß Sie am nächsten Morgen bei einem neuen Kunden, einer Autovermietung, erscheinen sollen. Sie haben weder Internet noch sonstige Medien. Wie bereiten Sie sich vor?" Die Volkswirtin fand folgenden Ansatz: Ich habe dargestellt, wovon der Erfolg einer Autovermietung abhängen könnte. Zum Beispiel: Wie schnell kann das Unternehmen ein Vermietungsgeschäft abwickeln? Oder: Wann und zu welchem Preis können die Autos weiterverkauft werden?" Die Antwort paßte. Wieviele Telefonzellen hat New York City? Juliane Reinecke ging an Bord von Roland Berger Strategy Consultants. Seit ihrem ersten Tag im Unternehmen vor drei Monaten gehört die 24jährige zu einem Projektteam, das für ein internationales Transportunternehmen die Organisationsstrukturen und das Führungssystem reformiert. Sie selbst übernimmt dabei vor allem unterstützende Aufgaben. Die Consulting Analyst recherchiert Informationen, macht Mitbewerberanalysen und wirkt bei der Fertigstellung von Präsentationen oder Entscheidungsvorlagen für den Klienten mit. Eigene Kundentermine hat Juliane Reinecke noch nicht, dennoch nimmt sie regelmäßig an Gesprächen zwischen Beratern und Klienten teil. Welche Erfahrungen hat sie in der kurzen Zeit gewonnen? Mir ist aufgefallen, wie wichtig es in diesem Beruf ist, daß man im Team gut kommunizieren kann", sagt die Nachwuchsberaterin. An der Uni sammelt und analysiert man Fakten und Informationen, in erster Linie um sie selbst zu verstehen. Im Beratergeschäft hingegen erbringt man eine Dienstleistung. Und die erfordert es, komplexe Zusammenhänge so anschaulich wie möglich zu präsentieren. Der Klient muß sie auf den ersten Blick erfassen können." Man selbst arbeitet jedoch meistens nur an einem Detail. Bei der Projektplanung werden die Aufgaben auf einzelne Köpfe verteilt". Dennoch müsse das Gesamtbild immer stimmen. Teammanager und Projektleiter seien darauf angewiesen, den Überblick über alle Arbeitsprozesse zu behalten. Man müsse daher regelmäßig Dinge durchsprechen, abstimmen, mit Feedback ergänzen und Zwischenergebnisse erstellen. Für Juliane Reinecke war das zunächst ungewohnt: Am Anfang haben mich die vielen Rückfragen irritiert", sagt sie. Ich dachte, das sei vielleicht Kritik. Doch es zeichnet gute Berater aus, viel zu hinterfragen", sagt sie. Bei ihren Schritten in der Welt der Profis steht ihr in den neun Monaten eine Mentorin unterstützend zur Seite. Mit ihr könne sie einfach alle möglichen Fragen klären und die noch anstehenden Einsätze besprechen. Die Mentorin ist darüber hinaus auch für das sogenannte Project Staffing" zuständig, in diesem Fall für die Auswahl von Projekten, auf denen Juliane Reinecke in der verbleibenden Zeit arbeiten wird. So wird Juliane Reinecke noch mindestens zwei andere Branchen kennenlernen. Zusätzlich ermöglicht ihr Roland Berger die Teilnahme an zwei Seminaren - eines über Strategie und ein anderes über Kommunikation mit Klienten. Hier kann sie dann beispielsweise erfahren, wie man in kurzer Zeit viele Informationen erfragt oder was zu tun ist, wenn man auf eine Frage keine Antwort weiß. Und natürlich wird sie sich auch die Sport- und Teamevents nicht entgehen lassen: Im Sommer fliegt die Consulting Analyst zum Beachvolleyball in den Süden. Doch auch die Fortsetzung des Studiums steht auf der Agenda. Ab dem Wintersemester will Juliane Reinecke in Cambridge einen Master in Innovation, Strategy and Organisation" machen. Ihre Masterarbeit wird sie voraussichtlich in Kooperation mit Roland Berger schreiben. Und bis dahin möchte sie noch möglichst viel lernen", sagt die Consulting Analyst. |
Neu für Bachelor: Consulting Analyst Bachelor-Absolventen können bei Roland Berger Strategy Consultants für neun bis zwölf Monate auf Projekten mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten als Consulting Analyst arbeiten. Zu Beginn übernehmen sie Aufgaben eines Praktikanten - zum Beispiel Analyse, Recherche und Unterstützung des Projektteams - später die Verantwortung eines Juniorberaters. Während des Programms findet eine regelmäßige Evaluation statt. Es gibt Zwischengespräche und eine abschließende Beurteilung durch den persönlichen Mentor. Zunehmende Erfahrung und Verantwortung werden mit steigendem Gehalt honoriert. Consulting Analysts kehren nach spätestens einem Jahr an die Universität zurück, um ihren Master zu machen. Bei erfolgreichem Master-Abschluß erhalten sie ein Angebot als Junior Consultant. Roland Berger - heute Roland Berger Strategy Consultants - wurde 1967 gegründet und zählt zu den international führenden Unternehmensberatungen. Das Unternehmen unterhält 31 Büros in 22 Ländern, davon sechs in Deutschland und zwei in den USA. Zuletzt eröffneten die Dependancen in Amsterdam und Zagreb. Von über 1.600 Mitarbeitern sind 130 Partner. Ihnen gehört das Unternehmen. Es ist in zehn Kompetenzcenter für verschiedene Branchen und in fünf sogenannte funktionale Kompetenzcenter aufgeteilt. Letztere umfassen die Bereiche Corporate Development, Information Management, Marketing & Sales, Operations Strategy sowie Restructuring & Corporate Finance. Das Unternehmen sucht Hochschulabsolventen mit hervorragenden Studienleistungen, sehr guten analytischen und konzeptionellen Fähigkeiten, Kommunikationsgeschick, Leistungsbereitschaft, Teamfähigkeit und ausgeprägtem unternehmerischem Denken. Vorausgesetzt werden zudem die Bereitschaft zu längeren Auslandsaufenthalten, praktische Erfahrungen und außeruniversitäres Engagement. Rund 150 Absolventen und Young Professionals in Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen noch in diesem Jahr eingestellt werden. Roland Berger bietet Einsteigern ein intensives Training-off-the-job, in dem etwa über ein 14tägiges Kick-off-Seminar" Unternehmenskultur, Arbeitsweise und erste Kontakte zu Kollegen vermittelt werden. Das Unternehmen bietet zudem MBA- und Doktorandenprogramme. Kontakt für Bewerbungen: Ann-Kathrin Hindelang Arabellastraße 33 81925 München www.topics.rolandberger.com | | |
Text: Hochschulanzeiger Nr. 79, 2005 Bildmaterial: Roland Berger Strategy Consultants
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