12. Oktober 2008

Deutsche Bank

Die gute Atmosphäre macht's

Von Andreas Kunkel



Annette Rückert lernte die Deutsche Bank als Arbeitgeber schon während des Studiums kennen.
05. Dezember 2005 
„Formal" arbeitet Annette Rückert erst seit gut einem halben Jahr im Global Banking - und dort im Bereich Corporate Finance - der Deutschen Bank. Doch durch Praktika in Frankfurt am Main und London lernte sie das größte deutsche Geldhaus bereits während des Studiums kennen.

Annette Rückert gehört zu denjenigen Hochschulabsolventen, die ihre Karriere strukturiert und mit der nötigen Zielstrebigkeit angehen und sich nicht länger als nötig nach potentiellen Arbeitgebern umsehen. Bei der Deutschen Bank - dazu steht sie voller Überzeugung - habe sie frühzeitig auf das für sie „richtige Pferd" gesetzt. Und hier will die heute 24 Jahre alte Betriebswirtin für die kommenden Jahre auch fest im Sattel bleiben. „Never change a winning team", heißt das im Sprichwort.

Einen ersten detaillierten Einblick in den Bereich Corporate Finance der Deutschen Bank erhielt Rückert während des Workshops „Speed Counts", wo zwei Tage lang Studierende unterschiedlicher Universitäten an einer Fallstudie arbeiteten. Zum fiktiven Verkauf war ein Unternehmensteil gestanden, um den sich fünf studentische Teams als Käufer bemühten. Jedes der Teams repräsentierte dabei einen anderen Investorentyp und damit ein anderes spezifisches Kaufinteresse. Ihre ersten Kontakte zu Corporate Finance nutzte Rückert für ihre Diplomarbeit zum Thema „Bewertung von Geschäftsmodellen in der Flugzeugindustrie" - und war begeistert: über die Hilfsbereitschaft ihrer späteren Kollegen und das „persönliche, offene und freundschaftliche Verhältnis". Gerade diese Atmosphäre sei für sie ein entscheidender Faktor gewesen, sich bei der Deutschen Bank zu bewerben. „Was nützen mir hochspannende Projekte zum Kauf oder Verkauf von Unternehmen oder Unternehmensteilen, wenn die Kollegen nur still und verschlossen hinter ihren Zahlen sitzen", fragt sie. So wäre die Identifikation mit Projekt und Geldinstitut kaum möglich und damit auch die Freude am Job ausgeschlossen.

Vorbereitet auf ihren Sprung in das vermeintlich kalte Wasser eines direkten Einstiegs in die Projektarbeit wurde Rückert durch ein siebenwöchiges Training in London. In der britischen Hauptstadt werden Nachwuchsführungskräfte vor ihrem eigentlichen Einstieg in einen Geschäftsbereich intensiv geschult, und es wird ihnen umfassendes Tool- und Finanzwissen vermittelt. Aufgrund der globalen Unternehmensstruktur der Deutschen Bank kommen Graduates aus aller Welt nach London. Aus europäischen Ländern, aus Rußland, China, Südafrika oder Australien. Eine gute Gelegenheit, um zukünftige Kollegen weltweit kennenzulernen, Freundschaften zu schließen und so die interne Zusammenarbeit zu vereinfachen.

„Was nützen mir hochspannende Projekte, wenn die Kollegen nur still und verschlossen hinter ihren Zahlen sitzen."

Zurück in Frankfurt wurde Rückert von Anfang an in das Tagesgeschäft der Abteilung miteinbezogen. In der Regel übernehmen Teams, die typischerweise aus drei bis sechs Personen bestehen, die Projekte, die von häufig international agierenden Großkunden in Auftrag gegeben werden. Die Projekte lassen sich, stark vereinfacht, in drei Phasen einteilen: Zunächst die Beratung zu einem beabsichtigten Kauf oder Verkauf mit abschließenden Handlungsempfehlungen, dann eine detaillierte wirtschaftliche Bewertung der Situation und schließlich die Exekution. „In der ersten Phase recherchieren und selektieren wir alle Informationen, die für eine Beurteilung der angestrebten Transaktion relevant sind", erklärt Rückert. So könnte beispielsweise ein Unternehmen, das Anteile verkaufen will, zunächst die Frage stellen, ob ein Verkauf überhaupt ratsam ist und wie hoch der maximale Verkaufspreis ausfallen könnte. Das Corporate Finance Team erarbeite dann gemeinsam mit dem Kunden die unterschiedlichen Optionen. „Wir müssen herausfinden, wer als potentieller Käufer in Frage kommt. Beispielsweise ermitteln wir Unternehmen, die Interesse daran haben, diesen Anteil zu übernehmen. Oder wir suchen kaufinteressierte Finanzinvestoren oder finanzstarke Privatpersonen." Für die Recherche nutzen die Teams unterschiedlichste Quellen: Zum einen arbeiten sie eng mit den jeweiligen Industry Groups zusammen, die durch ihre Branchenfokussierung umfangreiche Industrie-Expertisen einbringen. Darüber hinaus werden Geschäftsberichte, Broker-Reports oder Pressemitteilungen studiert. „Alle marktzugänglichen Informationen werden herangezogen, um potentielle Käufer genau zu analysieren", meint Rückert. In dieser Phase sei ihre Arbeit gut vergleichbar mit der eines Unternehmensberaters, der mögliche Transaktionsoptionen betrachtet und Empfehlungen gibt. Hat sich der Kunde auf eine Strategie festgelegt, beginnt Phase II, in der entweder den Kaufinteressenten detaillierte Unternehmensdaten zur Verfügung gestellt werden oder im Falle eines Kaufmandates bewertungsrelevante Daten über das Kaufobjekt eingeholt werden. In der Fachsprache wird diese Phase als „Due Diligence" bezeichnet. In sogenannten „data rooms" sind sämtliche Fakten und Zahlen über das „Target" zu finden. Die Datenlage wird - meist vor Ort - gemeinsam mit Rechtsberatern und Wirtschaftsprüfern intensiv analysiert, um daraus ein sinnvolles Angebot zu erarbeiten. Möglichst sinnvoll und gewinnbringend, falls verkauft werden soll, und im Falle eines möglichen Kaufs: nicht zu hoch, aber hoch genug, um Mitbewerber aus dem Feld zu schlagen. „Dabei berücksichtigen wir aber nicht nur betriebswirtschaftliche Überlegungen, sondern bestimmen auch, ob der zu kaufende Unternehmensanteil kulturell und strategisch so zum Käufer paßt, wie es im Vorfeld erwartet wurde", sagt Rückert. Sind alle Fragen geklärt, wird in der dritten Phase schließlich der „Deal gemacht".

Selbst nach Abschluß der Transaktion wird der Kontakt zwischen der Deutschen Bank und dem Kunden aufrecht erhalten. „Meist ist ein Kauf oder Verkauf nur ein weiterer Schritt in einer guten und intensiven Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Kunden", meint Rückert. Auch das ist ein Grund, warum ihr die Arbeit Freude bereitet.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 81, 2005
Bildmaterial: privat