Rundfunk

Überraschung beim HR: Krupp Fernsehdirektor, Theisen Chefredakteur

04. Februar 2005 Daß am Freitag der Frankfurter Arzt Alfred Möhrle zum Vorsitzenden des Rundfunkrats gewählt wurde, überraschte niemanden, die Entscheidung war vorher weiträumig abgesprochen worden. Möhrle kam bei drei Enthaltungen und vier Ablehnungen auf die komfortable Mehrheit von 21 Stimmen. Noch ehe seine Wahl bekannt wurde, teilte der Hessische Rundfunk aber zwei überraschende Personalien mit: Der bisherige Chefredakteur Manfred Krupp wird am 1.April Fernsehdirektor, seine Nachfolge als Chefredakteur tritt zum selben Datum Alois Theisen an, gegenwärtig Studioleiter Baden-Württemberg und Schweiz-Korrespondent für das ZDF. Der amtierende Fernsehdirektor Hans-Werner Conrad, 63 Jahre alt, hat nach Angaben des Senders aus privaten Gründen um die Auflösung seines Vertrages gebeten - was glaubhaft ist. Die Personalentscheidung kam für das Haus, den Verwaltungs- und den Rundfunkrat überraschend. Der relativ neue Intendant Reitze wollte mit diesem Coup (die Entscheidung für Krupp dürfte bereits im Dezember gefallen sein) sicherlich auch seine unter den ARD-Intendanten ungewöhnlich unabhängige Stellung von den Gremien betonen. Zugleich informierte Reitze den Rundfunkrat darüber, wo der HR zusätzlich "knapp 40 Millionen Euro" (bislang war von 30 Millionen die Rede) einsparen will, nämlich vor allem beim Personal.

Der künftige Fernsehdirektor Manfred Krupp-Schmidbauer ist den Zuschauern als früherer Fernsehkorrespondent aus Wiesbaden, als Moderator der "Hessenschau" und in den letzten Jahren als häufiger Kommentator in den "Tagesthemen" bekannt. Der angesehene Journalist ist 48 Jahre alt, gilt als verbindlich, stets gut informiert und hat - wie Intendant Reitze und im Gegensatz zu den meisten Fernsehjournalisten - auch ein Herz für Organisation und Technik. Krupp sagte am Freitag auf Anfrage, er freue sich auf die neue Position, da sie große Gestaltungsmöglichkeiten biete. Den journalistischen Teil seiner bisherigen Arbeit werde er vermissen, den Abschied von der Kamera nicht. Zu seinen Plänen als Fernsehdirektor wollte Krupp sich aus Respekt vor dem noch amtierenden Hans-Werner Conrad nicht äußern. Der Intendant würdigte Conrad in einer Presseerklärung als einen der erfahrensten und kreativsten Fernsehmacher der ARD. In der Tat hatte Conrad bei Radio Bremen die muntere Regionalschau "Buten und Binnen" aufgebaut und damals innovative Programmformate wie "Rudis Tagesshow" entwickelt. Beim Hessischen Rundfunk war sein Wirken - zumindest das in Quoten meßbare - nicht von Erfolg gekrönt: Der HR bildet seit Jahren das Schlußlicht unter den dritten ARD-Fernsehprogrammen, wenn auch zuletzt mit leicht steigender Tendenz.

Der künftige Chefredakteur Alois Theisen wird von Kollegen als "alter journalistischer Haudegen" beschrieben, der kein Linker sei. Theisen, der morgen seinen 54.Geburtstag feiert, ist fast sein ganzes Berufsleben dem ZDF treu geblieben, unter anderem als landespolitischer Berichterstatter im Saarland und in Schleswig-Holstein, als Ressortleiter Innenpolitik im Hauptstadtstudio Bonn und als Chef vom Dienst des Politmagazins "Frontal". Er war stellvertretender Programmchef bei "Phoenix" und hat vom Intendanten die Aufgabe gestellt bekommen, gemeinsam mit Krupp "Qualität und Quote des HR-Fernsehens weiter zu verbessern".

Auf mehr Mitarbeiter werden sie sich dabei nicht stützen können: Mehr als 60 Planstellen sollen in den nächsten vier Jahren nicht mehr besetzt werden. Eingestellt werden soll die Welle HR-Klassik, sie soll in die Kulturwelle HR2 "integriert" werden. "Nicht länger wie bisher finanzierbar" seien das "Jazz-Festival" und die Lunch-Konzerte im Sendesaal, bei den Hörspielen soll es weniger Eigenproduktionen geben. PETER LÜCKEMEIER

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