Zoll-Bilanz

Drogen, Frösche und eine Rüstung: Skurrile Funde am Flughafen

15. Februar 2005 Märchenbücher, getränkt mit einer Lösung aus Heroin und Kokain, 127 Pfeilgift-Frösche, eingezwängt in kleinen Plastikdosen, und eine japanische Rüstung aus dem 17.Jahrhundert - die Bilanz des Zolls am Frankfurter Flughafen weist wiederum eine Fülle erschreckender und skurriler Funde aus. Trotz verschärfter Kontrollen und drohender harter Strafen nutzen Drogenschmuggler die Flugverbindungen rund um den Erdball weiterhin sehr intensiv für ihre Geschäfte. Gleiches gilt für die Marken- und Produktpiraterie, ein Feld der Schattenwirtschaft, das zumindest nach der Bilanz des Frankfurter Hauptzollamtes weiter Zuwachsraten aufweist.

Plagiate im Wert von fast zwölf Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr am Frankfurter Flughafen beschlagnahmt, ein Betrag dreimal so hoch wie 2003. Die Produktpiraten haben es vor allem auf Sport- und Freizeitbekleidung, Schuhe, Schmuck, MP3-Player, Fanartikel und Videospiele abgesehen. Die Waren kamen aus China, Thailand, Südkorea, der Türkei, Hongkong und Indonesien. Im Verhältnis zu den insgesamt am Frankfurter Flughafen umgeschlagenen Güter, die sich in rechtstreu gezahlten Zollabgaben in Höhe von 1,75 Milliarden Euro widerspiegeln, mag dies geringfügig wirken. Der Schaden für die Hersteller von Markenprodukten und der Vertrauensverlust bei den Verbrauchern ist freilich immens.

956 "Aufgriffe" verzeichnete die Fahndung nach Rauschgiftkurieren am Frankfurter Flughafen, 862 waren es im Jahr 2003. Etwa zehn Prozent des Erfolges ist den 27 Spürhunden zu verdanken, die sogar wittern können, wenn Schmuggler versuchen, geschluckte Drogen durch die Kontrollen zu bringen. Den fragwürdigen Jahresrekord am Flughafen erzielte ein "Schlucker", der - in kleinen Portionen aufgeteilt - insgesamt 1,4 Kilogramm Kokain in sich trug. Viel kriminelle Phantasie zeigte auch ein Sechsundzwanzigjähriger aus Guatemala, der sechs Märchenbücher in eine Drogenmixtur getränkt hatte, ebenso wie jener Fluggast, der ein Kilo Kokain im Sitz eines Gleitschirms durch die Kontrollen bringen wollte - ein Versuch, der ihm im übrigen eine vierjährige Freiheitsstrafe eingebracht hat. Einfach machen wollte es sich im Vergleich dazu ein Brite: Aus Südafrika kommend, hatte er 30 Kilogramm Marihuana ohne viel Umstände in seinen Koffer gepackt.

Insgesamt entdeckten die Zöllner am Flughafen im vergangenen Jahr 837 Kilogramm Rauschgift. Kokain machte mit 382 Kilogramm den größten Anteil aus. In 83 Fällen verzichtete der Zoll auf eine unmittelbare Beschlagnahme und verfolgte den Weg des Rauschgifts weiter, um Händlerringen auf die Spur zu kommen. Eine gestiegene Nachfrage der Konsumenten nimmt der Zoll als Grund dafür an, daß verstärkt versucht wurde, sogenannte harte Drogen - Kokain, Heroin und Opium - ins Land zu bringen.

Weil die Zahl der Verstöße gegen internationale Artenschutzabkommen nicht mehr so stark steigt, hoffen die Zöllner, daß die intensive Aufklärungsarbeit von Naturschutzorganisationen und Behörden gefruchtet haben könnte. Rund 10000 lebende Tiere und fast 4500 geschützte Pflanzen entdeckte der Zoll gleichwohl im Jahr 2004 im Gepäck der Flugreisenden und bei den Frachtkontrollen. Der Wunsch, sich Korallen, Riesenmuscheln oder Fechterschnecken als Souvenirs mitzubringen, obwohl sie geschützt sind, scheint ungebrochen. Auch Taschen, Schuhe und Gürtel aus Krokodil- und Riesenschlangenleder sowie Bären- oder Zebrafelle, Schmuck und Schnitzereien aus Elfenbein, Produkte der traditionellen asiatischen Medizin etwa aus Bärengalle, in Alkohol eingelegte Kobras sowie Orchideen, und Kakteen erfreuen sich als Mitbringsel weiterhin großer Beliebtheit. Im August 2004 schaute den Zöllnern aus einer Tasche eine Grüne Meerkatze entgegen. Ein deutsches Ehepaar hatte das verängstigte Äffchen aus Kenia als Erinnerung an einen schönen Urlaub mitgebracht, angeblich ohne zu wissen, daß man dafür eine Genehmigung braucht. Nachdem das Tier zunächst in Quarantäne mußte, ist es inzwischen in einem Zoo untergekommen.

Die klassische Aufgabe, zu kontrollieren, ob auf eingeführte Waren Abgaben entrichtet wurden, hat zu fast 1500 Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung geführt. Vor allem bei im Ausland häufig wesentlich günstiger zu erwerbendem Goldschmuck war die Neigung offenbar groß, diese Schnäppchen bei der Einreise zu verschweigen. Das galt auch für Notebooks, Digitalkameras, Camcorder und Armbanduhren aus Nicht-EU-Staaten.

Den Preis für die originellste Schmuggelware, wenn es diesen denn gäbe, hätten im Dezember vier Japaner gewonnen. Sie hatten eine Rüstung aus dem 17.Jahrhundert im Gepäck, wohl als Geschenk deklariert. Ein Gutachter taxierte den Wert der Antiquität auf 38979 Euro - der an das Gastland zu entrichtende Obulus betrug schließlich 6236 Euro. (hs.)

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