04. März 2005 Im amerikanische Verteidigungsministerium gibt es offenbar Pläne, das Europa-Hauptquartier des amerikanischen Heeres von Heidelberg nach Wiesbaden zu verlegen. Dem Vernehmen nach könnte ein solcher Schritt noch in diesem Jahr bekanntgegeben werden. Daß das Heeres-Hauptquartier mit jenem des 5.Korps, zu dem auch die in Wiesbaden stationierte 1.Panzerdivision gehört, zusammengelegt wird, ist seit längerem bekannt. Ein Termin wird jedoch auch dafür bisher von offizieller Seite nicht genannt. Am Rande des Besuchs von Präsident George Bush bei der Panzerdivision in Wiesbaden-Erbenheim in der vergangenen Woche war jedoch zu hören, daß die Entscheidung über einen Umzug in die hessische Landeshauptstadt "nicht mehr allzu lange" auf sich warten lassen werde.
In Heidelberg wird das noch als reine Spekulation bezeichnet. Elke Herberger, Sprecherin des Heeres-Hauptquartiers, bekräftigt, daß es keine offizielle Stellungnahme zu dem Thema gebe. Vermutungen würden von den Streitkräften in Heidelberg nicht kommentiert, die Entscheidungen fielen in Washington. Auch die Städte Wiesbaden und Heidelberg haben bisher "keine offiziellen Hinweise" auf einen bevorstehenden Umzug des Hauptquartiers, wie Sprecher auf Anfrage mitteilten.
Anzeichen für eine mögliche Verlegung der Heeres-Zentrale gibt es allerdings schon seit längerem: Spätestens mit der Bekanntgabe der Pläne der amerikanischen Regierung für eine weitgehende Reduzierung der Truppen in Europa in den nächsten zehn Jahren ist seit August 2004 klar, daß es auch Veränderungen an der Struktur der amerikanischen Präsenz in Deutschland geben wird. Kern der Pläne ist die Verlegung der 1.Panzerdivision (Wiesbaden) und der 1.Infanteriedivision (Würzburg) zurück in die Vereinigten Staaten. Beide Einheiten unterstehen dem 5.Armee-Korps in Heidelberg, dessen Zusammenlegung mit dem Heeres-Hauptquartier Folge des Truppenabzugs ist.
Wiesbaden soll im Gegensatz zu den mittel- und osthessischen Standorten der 1.Panzerdivision (Friedberg, Gießen, Hanau) auch nach deren Abzug ein Stützpunkt amerikanischer Verbände bleiben. Dort sind ebenso wie in Mainz noch mehrere tausend GIs - darunter viele der insgesamt knapp 4000 Mann starken Versorgungseinheit "3. Corps Support Command" - stationiert. Außerdem ist die Entsendung einer leichter bewaffneten, etwa 5000 starken mit dem Panzerfahrzeug "Stryker" ausgerüsteten Kampfbrigade in die hessische Landeshauptstadt geplant.
All dies wird als Hinweis darauf gedeutet, daß Wiesbaden letztlich auch die Europa-Zentrale der Army werden könnte. Die amerikanische Soldatenzeitung "Stars & Stripes" hatte schon vor einigen Wochen berichtet, daß das zusammengefaßte Hauptquartier des 5.Korps und des Heers Heidelberg verlassen solle. Das gewöhnlich sehr gut informierte Blatt nannte als Argument vor allem den gutausgebauten Militärflughafen in Wiesbaden-Erbenheim. Der Flugplatz in Heidelberg wird wegen der extrem erhöhten Sicherheitsauflagen seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nur noch für Flüge des Generalstabs genutzt. Der überwiegende Teil der in Heidelberg stationierten Maschinen wurde schon vor einigen Jahren nach Erbenheim verlegt, eine Hubschrauber-Staffel ist auf das nahegelegene Airfield in Mannheim-Sandhofen umgezogen. Die dort aus Sicherheitsgründen geplante Verlängerung der Start- und Landebahn und der Ausbau der Coleman-Kaserne für knapp vier Millionen Dollar ist jedoch vom Kongreß in Washington vor kurzem nicht bewilligt worden.
Als weitere Hinweise auf eine mögliche Verlegung der Hauptquartiere gelten verschiedene Baumaßnahmen an beiden Standorten: Während in Erbenheim derzeit weitere Gebäude errichtet werden und vor allem die amerikanischen Siedlungen in Wiesbaden - Hainerberg, Aukamm und Crest View - für rund 45 Millionen Dollar saniert und ausgebaut werden, verzichten die Amerikaner in Heidelberg auf den zunächst geplanten Bau eines Einkaufszentrums und die Erweiterung der Siedlung Patrick-Henry-Village.
PETER BADENHOP
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