Von Philip Eppelsheim, Bad Nauheim
08. Januar 2006 Es war ein Wochenende im November 1958. Er kam durch das Spiegelzimmer in den Salon, verbeugte sich, grüßte kurz. Für einen Augenblick trafen sich ihre Blicke: Elvis Presley und Rita Issberner-Haldane.
Noch heute erinnert sich die Besitzerin des Hotel Grunewald in Bad Nauheim an diesen Moment. Damals, als sie den King traf, hätten ihre Seelen zueinander gesprochen. Er war ein lieber Mensch, höflich, dezent und verschwiegen, sagt die Frau mit den schlohweißen Haaren. In seinem Zimmer, der Nummer 10, hat sie seitdem nie etwas verändert. Fans können immer noch in dem Bett schlafen, in dem einst Elvis lag. Und dennoch: Kaum etwas erinnert heute noch in Bad Nauheim an das Idol mit der Rhythm and Blues-Stimme und der Schmalztolle, der heute 71 Jahre alt geworden wäre.
Das Memphis Deutschlands
Sie habe Elvis damals gar nicht gekannt, sagt Issberner-Haldane, sitzt auf einem Plüschsessel in besagtem Raum, dort, wo vor 53 Jahren vielleicht die Legende des Rock 'n' Roll saß. Hinter ihr an der Wand ein Ölgemälde - eine Alpenlandschaft. Dieses Bild habe er besonders geliebt. Vier Monate verbrachte Elvis mit Vater Vernon, Großmutter Minnie Mae, Sekretärin Elisabeth Claudia Stefaniak und den Bodyguards Red West und Lamar Fike im 1888 erbauten Hotel Grunewald. Er kam am 1. Oktober 1958 in die US-Kaserne Ray Barracks in Friedberg, lebte bis zum 2. März 1960 in Bad Nauheim. Seine Stationen in Bad Nauheim waren das Parkhotel, dann Hotel Grunewald und schließlich die Villa Goethestraße 14.
Vor dem Grunewald steht eine kleine Elvis-Stele, auf einem metallenen Schild vor einem betonierten Parkplatz steht Elvis-Presley-Platz geschrieben. Das Zimmer mit der Nummer 10 ist zwar vermietet, aber von den Besucherzahlen eines Graceland, dem Mekka für Presley-Fans mit jährlich rund 600.000 Besuchern, ist Bad Nauheim, ist Friedberg weit entfernt, und das, obwohl doch hier das Memphis Deutschlands sein soll. Immerhin ist der Landstrich die einzige Gegend, in der sich Elvis außer in den Vereinigten Staaten für längere Zeit aufhielt, entstanden hier It's Now or Never und das Plattencover für A Big Hunk O' Love, lernte er hier seine Priscilla kennen. Aber wer den Spuren des berühmten GIs folgen will, muß schon sehr genau hingucken.
Ein Museum ist überfällig
So pilgern denn die Elvis-Fans auch nur zu seinem Geburtstag und zu seinem Todestag am 16. August in nennenswerter Zahl in die Wetterau. Gut 2.000 erwarteten die Bad Nauheim Stadtmarketing und Tourismus GmbH und der 1998 gegründete Elvis-Presley-Verein Bad Nauheim-Friedberg an diesem Wochenende zur Elvis Birthday Celebration. Plakate und große Ankündigungen suchte man jedoch vergeblich, und auch die Innenstadt zeigte sich nicht von ihrer Elvis-Seite. Lediglich ein Schaufenster in einem Hinterhof war mit Elvis-Fotos und mit Biographien geschmückt. Dabei sind wir das europäische Memphis, sagt Klaus Ritt, der Vorsitzende des Vereins. An vielem müsse noch gearbeitet werden; gerade die kommunale Politik tue sich schwer, die Chance Elvis zu nutzen, kritisiert er. Ritts Traum ist ein Elvis-Museum in der Villa an der Goethestraße oder im Grunewald. Vorerst jedoch möchte er zumindest eine Dauerausstellung im Laufe dieses Jahres organisieren. Dann können wir amerikanische Touristen locken. Das Angebot, das wir derzeit haben, holt sie nicht über den Teich.
Dieser Ansicht ist auch Rosemarie Killius, Dozentin für Gesellschaftswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Seit der King die Stadt verlassen hat, sind fast 50 Jahre vergangen. Wären nicht die erst seit wenigen Jahren veranstalteten Festivals und die Aktivitäten des Elvis-Presley-Vereins, man könnte meinen, Elvis Presley wäre nie hiergewesen. Ein Museum sei längst überfällig, zudem müßten Kontakte zu Graceland Enterprises und zur Familie Presley hergestellt werden, sagt Killius. Bis dahin scheint es aber noch ein weiter Weg zu sein, länger, als es die Elvis-Erinnerungs-Führungen durch Bad Nauheim sind.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.01.2006, Nr. 1 / Seite R2
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb
Robert Enke: Heimliches Leiden, erschütterndes ![]()
Konjunkturoptimismus hält Börsen in Fahrt
Technikschätze: Zeugnisse altmeisterlicher Ingenieurskunst
Gärten und Grün in Rhein-MainParks der Region sind Thema des ersten Kalenders, den die Rhein-Main-Zeitung herausgibt. Hier können Sie ihn![]() |
![]() |
Chance für angehende JournalistenRecherchieren, schreiben und mit am Konferenztisch sitzen: Bewerben Sie sich um eine Hospitanz bei der Rhein-Main-![]() |
![]() |